Einordnung: Sedimente → Konglomerate → Nagelfluh
Im Gegensatz zu Eruptivgesteinen, die sich an der Erdoberfläche nach der raschen Abkühlung einer Gesteinsschmelze bilden (Stichwort: Vulkanismus), entstehen Sedimentgesteine durch die Ablagerung von Material an Land (terrestrische Sedimentgesteine) und im Meer (marine Sedimentgesteine). Daher werden Sedimentgesteine auch als Ablagerungs- oder Schichtgesteine bezeichnet.
Als Konglomerate (lat. conglomerare: zusammenballen) bezeichnen Geologen klastische Sedimentgesteine aus mindestens 50 Prozent gerundeten Komponenten (Kies oder Geröll). Klastische Sedimentgesteine sind Sedimentgesteine, deren Material aus der mechanischen Zerstörung anderer Gesteine stammt. Der deutsche Begriff dafür ist Trümmergesteine.

Bild: Nagelfluh im Geologischen Museum München
Die im nördlichen Alpenvorland vorkommenden, geologisch jungen Konglomerate werden als Nagelfluh bezeichnet. Nagelfluh wird scherzhaft Herrgottsbeton genannt, und tatsächlich erinnert das Gestein an schlecht gerüttelten Waschbeton: In einer Masse sind abgerundete Gesteinsbrocken eingeschlossen, die sich im Verwitterungsprozess aus dem Bindemittel herausheben, da das sie umgebende Material weicher ist.
Nagelfluh: Verfestigte Ablagerungen von Gletschern
Seit den ersten Eiszeiten vor etwa einer Million Jahren haben die Gletscher nördlich der Alpen vor allem mit den sommerlichen Schmelzwässern ausgedehnte Schotter-Ebenen ausgebildet. An Stellen des weitesten Vorstosses verweilten die Gletscherzungen oft längere Zeit und lagerten dort Steinschutt in Form von Endmoränen ab. Die abgerundeten Steine der Schotter-Ebenen wie auch die der Endmoränen wurden in großen Zeiträumen danach mehr oder weniger stark verfestigt – so entstand der Nagelfluh.
Einordnung: Endmoränen ↔ Schotter-Ebenen
Die Gesamtheit des von einem Gletscher transportierten Materials nennt man Moräne. Gletscher können Gesteinskörper nahezu aller Korngrößen transportieren, vom Ton über Sand bis hin zu großen Blöcken (Findlinge). Im Unterschied zu den Ablagerungen des Wassers sind die Gesteinsmaterialien in den Moränen unsortiert und meist ungeschichtet.
Die Endmoräne ist ein Schuttwall am Ende des Gletschers, halbkreisförmig die Gletscherzunge umgebend. Voraussetzung für die Bildung einer solchen Moräne ist, dass sich der Gletscher über längere Zeit am gleichen Platz hält.
Von den Moränen unterscheidet man die Ablagerungen des Schmelzwassers. Schmelzwasser bildet im Gletscher Systeme von Kanälen, Rinnen und Schächten unter dem Eis, es vereinigt sich am Grund des Gletschers und tritt dann am Gletschertor wieder zu Tage. Meist ist es mit Gesteinsmehl vermischt.
Je nachdem, ob Gestein auf dem Gletscher, im Eis eingeschlossen oder durch Schmelzwasser transportiert wird, erfährt es eine unterschiedliche Formung. Das Eis formt transportierte Gesteinsbrocken eher rund, wohingegen auf dem Eis aufliegendes Gestein weniger rundgeschliffen wird. Im Schmelzwasser finden sich überwiegend fein geschliffene Sande.
Nagelfluhwand Tegernau: Ein geologischer Aufschluss
Hier in Tegernau wurde Nagelfluh im Steinbruchbetrieb für Bauzwecke abgebaut. Dadurch entstand ein künstlicher geologischer Aufschluss, der im Geotop-Kataster des Bayerischen Landesamts für Umwelt unter der Geotop-Nummer 175A001 geführt wird. Ein Aufschluss ist eine Stelle an der Erdoberfläche, die den unverhüllten Gesteinsuntergrund zu Tage treten lässt.
Die Allgemeine geowissenschaftliche Bedeutung des Aufschlusses Nagelfluhwand Tegernau wird als hoch eingeschätzt; der Aufschluss gilt als Exkursions-, Forschungs- und Lehrobjekt. Grund dafür ist die Seltenheit vergleichbarer Geotope in der Region. Daher ist das Geotop als Naturdenkmal erfasst. Geotope sind per Definition erdgeschichtliche Gebilde der unbelebten Natur, die Erkenntnisse über die Entwicklung der Erde und der Entstehung des Lebens vermitteln. Ein Naturdenkmal ist ein natürlich entstandenes Landschaftselement, das unter Schutz gestellt ist.
Nagelfluhwand Tegernau: Merkmale und Besonderheiten
Die Nagelfluhwand Tegernau liegt in der Inn-Chiemsee-Jungmoränen-Region, entstand also infolge der Ablagerungstätigkeiten der Inn-Chiemsee-Gletscher während mehrerer klimatischer Kaltzeiten. Der Tegernauer Nagelfluh wurde überwiegend im Alt-Pleistozän abgelagert. Diese Stufe des Pleistozäns begann vor etwa 1,8 Millionen Jahren und endete vor rund 0,78 Millionen Jahren. Das Pleistozän ist ein Abschnitt des Quartärs, der Erdneuzeit.
An der Nagelflugwand Tegernau erkennt man sehr gut die Schichtung des Nagelfluhs. Zwischenschichten aus Sand(stein) deuten auf Zeitbereiche hin, in denen weniger Schotter, stattdessen aber Sand abgelagert (ruhigere Wasserbereiche) oder eingeweht wurde.
Mit einem Fernglas erkennt man auch deutlich größere Steine, die auf dem Gletscher transportiert wurden.
Der Earth Cache: Aufgaben, Log-Bedingungen
WICHTIG: Das Betreten der Grundstücke vor der Nagelfluhwand ist nicht notwendig. Alle Aufgaben lassen sich durch Beobachtungen vom Referenzpunkt R2 aus lösen. Als Hilfsmittel brauchst Du ein Fernglas.
Der Earth Cache ist als kurzer Spaziergang konzipiert. Der Weg ist familienfreundlich und kindergerecht, allerdings handelt es sich teilweise um wenig befahrene Dorfstraßen. Also bitte vorsichtig laufen und auf möglichen Verkehr achten!
Die kleine Exkursion beginnt am Naturdenkmal Sommerlinde neben der Kirche (Referenzpunkt R1). In der Nähe dieses sehenswerten Baumes gibt es genügend Parkplätze (P).
Gehe durch die Gasse "Am Steinbruch" bergab und begib Dich auf der gleichnamigen Straße nach links bis zum Referenzpunkt R2. Von dort hast Du einen sehr guten Blick auf das Naturdenkmal Nagelfluhwand.
Aufgabe 1: Erkennst Du die Schichtung des Nagelfluhs? Beschreibe kurz deren Aussehen! Was glaubst Du: Worauf ist diese Art der Schichtung zurückzuführen?
Aufgabe 2: Schau Dir die Nagelfluhwand mit dem Fernglas an. Siehst Du besonders große Steine? Erkläre kurz Deine Vermutung, wie diese dorthin kamen.
Aufgabe 3: Was meinst Du: Warum sind die größeren Steine eher eckig als rund?
Nun kannst Du die Straße "Am Steinbruch" weiter nordwärts gehen, bis diese auf die Hauptstraße EBE20 trifft. Dieser nach links folgend, kommst Du wieder zum Parkplatz. Alternativ kannst Du den Hinweg als Rückweg nutzen. So kommst Du nicht mit stärkerem Autoverkehr in Berührung, allerdings geht es etwas steiler bergauf.
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Ein Foto wäre schön, ist aber keine Pflicht. Bitte keine Spoiler!
Hinweis für Rollstuhlfahrer
Da der Referenzpunkt R2 auch per Auto angefahren werden kann, ist dieser Cache prinzipiell Rollstuhl-tauglich.
