Geschichte des Altschultes-Hofs
Seit dem späten Mittelalter war das Kloster Wiblingen der Grundherr dieses Hofes, auch der meisten anderen in Hüttisheim. Claus Reiser hieß der Bauer, der ihn im Jahr 1472 zu Lehen hatte, als das erste Grundbuch des Klosters geschrieben wurde.
Es war ein Leiblehen, das heißt, beim Tod des Bauern wurde der Hof neu verliehen. Waren geeignete Erben vorhanden, bekamen sie ihn in der Regel zwar übertragen, doch sie hatten keinen Rechtsanspruch auf ihn – und die Abgaben konnten neu festgesetzt werden. Die meisten Bauern waren Leibeigene des Klosters. Dies bleib so bis zum Ende des Alten Reiches und zur Auflösung der Klöster im Jahre 1806.
Von 1801 bis 1841 bewirtschafteten Franz Josef Lehner und seine Frau Barbara, geb. Weißenburger, den Hof. Sie waren die ersten freien Eigentümer. Insgesamt fünf Generationen lang, von 1765 bis 1954, saß die Familie Lehner auf diesem Hof.
Josef Lehner lebte von 1842 bis 1918. Er vermählte sich zum zweiten mal 1881 mit Veronika, geb. Schlecker. Zuvor war Josef Lehner seit 1872 mit Ihrer älteren Schwester Genoveva verheiratet gewesen, die bei der Geburt des achten Kindes starb. Beide Frauen stammten vom Hof „Kapplenbauers“, insgesamt gebaren sie 21 Kinder, von denen neun das Erwachsenenalter erreichten.
Nach der Einigung Deutschlands und der Reichsgründung 1871 folgte ein lang anhaltender wirtschaftlicher Aufschwung. Auch die Landwirtschaft profitierte voll davon. Josef Lehner schaffte es zwischen 1880 und 1894, seinen kompletten Hof neu zu erbauen. Den Bauplan des Ökonomiegebäudes vom Januar 1880 fertigte ein Bauunternehmen aus Schwendi an, das den Bau auch ausführte. Die Einwölbung der Ställe wurde aber an Wanderarbeiter aus Böhmen weitervergeben. Deswegen bezeichnete man diese auch als „böhmische Gewölbe“.
Im Jahr 1894 ließ Josef Lehner auch das Wohnhaus neu errichten.
Weil Josef Lehner von 1885 bis 1908 auch Bürgermeister in Hüttisheim war, bürgerte sich nach dem Ende seiner Amtszeit der Hausname „Altschuldenes“ ein. Während seiner „Schultes-Zeit“ wurde in Hüttisheim erstmals eine Flurbereinigung durchgeführt.
Der letzte Eigentümer des Hofes, Alfons Hagel, starb kinderlos im Jahr 2005. Die Gemeinde erwarb das Anwesen im Jahre 2006, um es zum Feuerwehrgerätehaus und Kulturstadel umzubauen und somit zu erhalten. Es soll die Dorfmitte neu beleben und die Erneuerung des Dorfkerns voranbringen.
Die Einweihung des Kulturstadels erfolgte am 20. Mai 2011.

Die St. Antonius Kapelle
Der Dreißigjährige Krieg hatte auch Hüttisheim schwer im Mitleidenschaft gezogen, vor allem durch die 1634/35 grassierende Pest. Die Bevölkerungsverluste wurden nach dem Krieg aber durch zahlreiche Einwanderer aus den Alpenländern, hauptsächlich Tiroler und Vorarlberger, rasch wieder ausgeglichen. Gut fünfzig Jahre nach Kriegsende, im Jahr 1702, war der Wohlstand so weit wiederhergestellt, das die Hüttisheimer sich eine Kapelle im Tal leisten konnten, um zum Beten nicht immer auf den Kirchberg steigen zu müssen.
Das Kloster als Dorfherr unterstützte den Bau, indem es seinen Baumeister Christian Wiedemann mit der Planung beauftragte, es besorgte Reliquien und bestimmte Antonius von Padua (auch „Schlamperdone“ genannt, weil er Verlorenes wiederbesorgen kann) zum Kapellenpatron. Die unentgeltlichen Arbeiten und die Bezahlung übernahmen die Hüttisheimer – herausgekommen ist bei dieser Kooperation ein klassisch schönes, ideal proportioniertes Barockkirchlein, das für eine Kapelle schon fast zu groß geraten ist. Auch das Innere wurde vor wenigen Jahren originalgetreu restauriert. Es lohnt sich, einen Blick hineinzuwerfen!

