Der Pleitegeier ist ein anschauliches und vielzitiertes Beispiel für die sich verändernde Bedeutung von Worten, denn mit Geiern im ornithologischen Sinn, also mit Alt- bzw. Neuweltgeiern, hat er ursprünglich überhaupt nichts zu tun, obwohl er im heutigen Sprachgebrauch über etwas schwebt und meist als Vogel dargestellt wird.
Im Kontext der Staatsverschuldung wird heute der Bundesadler als Pleitegeier karikiert. Bereits das so genannte Hoheitszeichen des Dritten Reiches wurde im Volksmund heimlich so bezeichnet.
In volksetymologischen Kontext steht das dann auch mit Pfandsiegel („Kuckuck“), auf dem in Deutschland und Österreich die jeweiligen Bundesadler abgebildet sind.
Im Kluges Wörterbuch der deutschen Sprache stand noch 1940 folgender Satz: „Die Gier der Geier gilt auch heute noch als auffälligster Zug dieser Vögel.“
Deutsch gibt es noch immer den Ausdruck nach etwas geiern ‚nach etwas gieren‘.
Unweit der Raubritterburg bewohnt dieser Pleitegeier sein hoch gelegenes Terrain. Aus seinem Nest fällt es ihm leicht, die Steuerschuldner beim Aderlass zu beobachten.
Willst Du ihn in seinem Nest aufsuchen, so nimm eine Steighilfe mit!