Viele Schneverdinger kennen zwar die Strassennamen "Max-Oertz Strasse", "Ernst-Dax Strasse" oder "Am alten Flugplatz", wissen aber nicht unbedingt, woher diese Namen stammen. Dieser Cache soll an eine, in Vergessenheit geratene, historische Episode erinnern.
Schon lange vor dem Flugplatz in Reinsehlen (heute Segelflugplatz, bzw. Teil des alten Camp Reinsehlen) gab es in Schneverdingen einen anderen Flugplatz. Dieser erstreckte sich auf 500 Morgen Land zwischen den Bahnschienen und dem Pietzmoor, südlich der Heberer Strasse. Das bebaute Schneverdinger Stadtgebiet ging damals nur bis zur Bahn, alle Gebäude "hinter der Bahn" wurden erst später errichtet. Die Wikipedia ist hier leider falsch informiert, die Seite der Stadt Schneverdingen geht fälschlicherweise davon aus, das der Segelflugplatz in Reinsehlen Max Örtz als Flugplatz diente. Dieses ist nicht korrekt! Eine Änderung ist vorgenommen worden.
Dieser Flugplatz war von Max Oertz angelegt worden und war von 1909-1913 in "Betrieb". Er war sogar deutschlandweit bei technisch Interessierten bekannt.
Der Hamburger Schiffskonstrukteur Max Oertz hatte Anfang des 20. Jahrhunderts auch begonnen Flugzeuge zu konstruieren. Diese wurden zeitweise auf dem Platz in Schneverdingen getestet, später wurden diese Tests nach Travemünde verlegt.
Max Oertz wurde 1871 in Neustadt/Holstein geboren. Nach einem Studium im Bereich Boot- und Schiffbau machte er sich einen Namen als führender Konstrukteur von Rennyachten. In seiner Werft am Reiherstieg in Hamburg wurden die Yachten entworfen und gebaut, Kunden waren damals z.B. Kaiser Wilhelm II. oder auch die Industriellenfamilie Krupp. Die Konstruktionen von Max Oertz galten als Beweis, das der deutsche Schiffbau sich nicht hinter der ausländischen Konkurrenz verstecken musste.
Viele Innovationen im Schiffbau gehen auf das Konto von Max Oertz, einige sind nach ihm benannt (Oertzer Patentruder, Oertzer Scheerbretter in der Fischerei z.B.).
Max Oertz konstruierte 1909 sein erstes Motorflugzeug, also nur wenige Jahre nach den Gebrüdern Wright. 1911 folgte der erste aerodynamisch geschlossene Flugzeugrumpf später einige Flugboote für die Marine. Die meisten dieser Flugzeuge wurden in Schneverdingen getestet. Einer der Testpiloten war Ernst Dax, der bei einem Testflug am 21. Oktober 1911 abstürzte und ums Leben kam. Zu seinen Ehren wurde ein Strasse nach ihm benannt, wo sich heute eine Schule befindet.
Die Tests waren immer ein Ereignis, zu dem tausende von Schaulustigen kamen, viele mit dem Zug, denn Schneverdingen war grade an das Bahnnetz angeschlossen worden. Unter den Gästen war z.B. Prinz Heinrich und viele hohe Militärs, die sich sehr für die Technik interessierten. Oft wurden die Konstruktionen von Kaiser Wilhelm II. in Auftrag gegeben.
Nach dem 1. Weltkrieg war Max Oertz weiterhin als Konstrukteur tätig, und erhielt 1918 den Doktortitel Dr.-Ing h.c. der Uni Darmstadt.
Bis heute weltbekannt ist Max Oertz allerdings für seine Leistungen im Schiffbau, viele Innovationen (z.B. die Form von Schornsteinen) gehen auf sein Konto. Zur Erinnerung an ihn sind mehrere Segel-Regatten nach ihm benannt.
Max Oertz starb 1929 in Hamburg.
Zum Cache: Der Cache ist ein einfacher Tradi, der etwas abseits des alten Flugplatzes gelegt wurde, da der eigentliche Ort mittlerweile bebaut ist und nichts mehr an den Flugplatz erinnert.
Wer mehr über den Flugplatz erfahren möchte klickt hier:
"Zeitungsartikel über den Flugplatz Schneverdingen"
Quellen:
Wikipedia
Buch: 750 Jahre Schneverdingen von Gerhard Röper
Hamburger Abendblatt
Flugzeugfoto: Stadtarchiv Schneverdingen