Dr. med. Rheinhold Neumann-Bülow wurde am 24. Dezember 1885 in Berlin geboren. Nach Absolvierung des Luisen-Gymnasiums in Berlin, studierte er dort Medizin sowie auch in München und Tübingen. Er legte 1910 die Staatsprüfung ab und promovierte am 18. Januar 1912 mit einer Arbeit über einen hämolytischen Ambozeptor im Dickdarm. Am Pathologischen Institut und an der Medizinischen Poliklinik der Universität Tübingen setzte er seine Ausbildung fort. Weiter war er im Kreiskrankenhaus Groß-Lichterfelde tätig. Beim Beginn des 1. Weltkrieges war er im Urban-Krankenhaus in Berlin und wurde dann eingezogen. Während des Krieges war Dr. Neumann-Bülow als Bataillons- und Regimentsarzt eingesetzt.
Im April 1919 ließ er sich als Arzt und Badearzt in Bad Oeynhausen nieder. Hier hat er erfolgreich die ärztliche Tätigkeit ausgeübt. Besonders beschäftigte er sich in der Nachkriegs-zeit mit der Behandlung von Kriegsbeschädigten. Seine ausgedehnte Praxis sprach für seine Leistung und seine Beliebtheit als Arzt.

Schon im Jahr 1925 hat er mit dem Slogan „Stadt ohne Stufen“ den Patienten, die auf den Rollstuhl in Bad Oeynhausen angewiesen waren, die Hand gereicht. Damit hat er versucht ihnen das Leben zu erleichtern. Diese Patienten, schlossen sich in der Gemeinschaft „Rollstuhl-Batterie“ zusammen, zu deren Mitgliedern auch der damalige Bürgermeister Paul Baehr gehörte. Eine Zeitlang haben sie die Zeitung „Die Badehose“ herausgegeben. Später wurde auf Initiative von Otto Perkuhn ein Freundeskreis für Rollstuhlfahrer ins Leben gerufen. Dieser Verein ist auch heute noch aktiv.
Eine besondere Art der Bewegungstherapie verdankt ihren Ursprung dem Badearzt Dr. med. Rheinhold Neumann-Bülow, und zwar war eine Reihe von Spazierwegen im Kurpark – aber auch im Sielpark und im Siekertal – nach Lange und Steigung vermessen und danach durch angeschrägte und mit Zahlenangaben, sowie Symbolen für den einzelnen Kurweg versehenen, Betonklötzen gekennzeichnet.
Ausgangspunkt dieser Spaziergänge war der Haupteingang des Kurparks am Königshof. Der Badearzt konnte dem Patienten den geeigneten Kurweg empfehlen und ihn auffordern, die Strecke in immer kürzeren Zeiten zurückzulegen. Es handelte sich also um ein echtes Training mit dem Ziel die Steigerung der Leistungsfähigkeit. Leider sind diese Wege und Markierungen Opfer der Zeit geworden. Diese Art der Bewegungstherapie war eine Neuigkeit, weil die Absicht war, die Patienten zu motivieren durch Bewegung ihre Kondition zu steigern. Es soll aber abschließend betont werden, dass die Bewegungstherapie wenig oder keinen Erfolg verspricht, wenn es dem Badearzt nicht gelingt, den Patienten dazu zu aktivieren, sich die notwendigen Leistungen abzufordern. Am Beginn einer Heilbehandlung am Kurort des Patienten, ist die Erziehung des Patienten und seine Motivation zur aktiven Mitarbeit an den Heilmaßnahmen das Wichtigste. Das Wirken von Dr. Neumann-Bülow auf dem Gebiet der „Terrain-Kur“ (heute „nordic-walking“) ist eine ärztliche Tätigkeit von großer Bedeutung gewesen.

Die Dr. Neumann-Bulow-Brücke im Sielpark (Foto: privat)
Am 07. 01. 1965 wurde die neue Stahlbrücke über die Werre mitten im Sielpark als Fußgängerbrücke dem Verkehr übergeben. Das Stadtbad benannte diese Brücke ihm zu Ehren „Dr. Neumann-Bülow-Brücke“. Diesen Namen trägt sie heute noch.
Quelle und Foto: entnommen aus einem Artikel von Dr. Otto Brinkmann „ 50 Jahre „Bad Oeynhausen-Stadt ohne Stufen““ in einem Journal der „Jordansprudel“ 1975 , Stadtarchiv Bad Oeynhausen. „BDSA“ Bundesverband Deutscher Schriftstellerärzte