Der Bergbau auf Thalheimit in der
Grube „Wille Gottes“
Die Region um die Stadt Thalheim im Erzgebirge ist nicht als bedeutendes Bergbaurevier
bekannt. Dennoch birgt der Untergrund hier eine interessante geologische Besonderheit.
Thalheim und die regionalgeologische Situation im Erzgebirge
Die Gesteine des Erzgebirges erhielten ihre metamorphe Prägung im Zuge der variszischen
Gebirgsbildung. Diese erlebte ihren Höhepunkt im frühen Karbon, also etwa 340 Millionen
Jahre vor heute. Die Edukte der erzgebirgischen Phyllite werden nach
von ordovizischen Sedimentgesteinen und Magmatiten (ca. 480 Millionen Jahre alt) gebildet.
Heute stellt das Erzgebirge ein Pultschollengebirge dar. Die Hebung
erfolgte im Känozoikum (Erdneuzeit) bedingt durch die Fernwirkung der Alpenentstehung.
Die Stadt Thalheim liegt im oberen Zwönitztal auf den Phylliten (schwach metamorphe
Schiefern) der nordwestlichen Abflachung des Erzgebirges. Hier streichen mehrere Erzgänge
der Thalheimer Arsenkiesformation aus.
Die Erzgänge bestehen hauptsächlich aus Arsenkies, weniger Zinkblende und Quarz
und können nach Erkenntnissen von ROMER et al. 2010 in SEBASTIAN 2013 als postvariszische
Mineralisationen interpretiert werden. Bedingt durch die Atlantiköffnung, die Anlage der
Norddeutschen Senke und durch die Alpenbildung kam es nach der Entstehung des Erzgebirges zu
einer Dehnungstektonik.

Hydrothermale Lösungen stiegen in die entstehenden Klüfte auf und führten dort zur charakteristischen Gangvererzung.
Da das Erzgebirge in einer der geologisch am schwierigsten aufgebauten Regionen der Welt
liegt, sollen diese einleitenden Bemerkungen zur regionalgeologischen Situation und der
Lagerstättengenese hier ausreichen. Bei näherem Interesse zu dieser Thematik sei an dieser
Stelle auf das (auch für den interessierten Laien) gut verständliche Buch „Die Geologie des
Erzgebirges“ von Ulrich Sebastian verwiesen. Mineralogie und Besonderheit des Thalheimer Arsenkieses
Arsenopyrit oder Arsenkies gehört zur Gruppe der Sulfide und Arsenide. Die allgemeine
Formel ist FeAsS. Es zeigen sich jedoch häufig Abweichungen im Verhältnis As:S im Vergleich
mit der theoretischen Formel. Arsenkies weist spröden Bruch und einigermaßen deutliche
Spaltbarkeit nach {110} auf. Er zeigt schwarzen Strich, Metallglanz und hat eine zinnweiße
Eigenfarbe. Oft ist er jedoch dunkel angelaufen.Die Mohs‘sche Härte beträgt 5,5 - 6. Deutliches
Erkennungsmerkmal ist der knoblauchartige Geruch beim Anschlagen.
Die geologisch/mineralogische Besonderheit, die hier auf „Wille Gottes“ zu finden ist, wurde
erstmals von dem bekannten Freiberger Mineralogen Johann Friedrich August Breithaupt im
Jahr 1866 beschrieben. Er schrieb in der Berg- und Hüttenmännischen Zeitung: „die
Thalheimer Kristalle seien die glänzendsten und besten“ und er gab dem hier geförderten
Arsenkies den Beinamen Thalheimit. Der Freiberger Professor Clemens Winkler analysierte
das Erz und fand darin 34,02 % Eisen, 44,00 % Arsen, 19,77 % Schwefel und nur 0,92 %
Bergart. Der hier gefundene Arsenkies stellt damit einen besonders reinen und hochwertigen
Rohstoff dar und ist unter seinem Beinamen Thalheimit der Fachwelt noch heute gut bekannt,
da er fast nur aus den in der allgemeinen Formel angegebenen Elementen Eisen, Arsen und
Schwefel besteht. Er diente während der gesamten Zeit seiner Förderung dem priviligierten
Arsenikwerk zu Geyer als wichtiger Rohstoff zur Produktion von Rattengift, Holzschutzmittel
und Saatgutbeize. Dieses Arsenkieswerk ist noch heute vielen Erzgebirgern unter dem Namen
Gifthütte bekannt und erlangte zur Zeit der aktiven Produktion auch über die sächsischen
Grenzen hinaus Bedeutung.
Bergbaugeschichte der Grube Wille Gottes
An dieser Stelle soll der Bergbau in der Grube Wille Gottes in Thalheim auf Grundlage einer
Veröffentlichung des Bergbauvereines Thalheim/Erzgebirge e. V. kurz beschrieben werden.
Erste urkundliche Erwähnung findet der Thalheimer Bergbau am Standort „In der Hell“
bereits 1510. Dieser - auch für erzgebirgische Verhältnisse - sehr frühe Bergbau hatte das
Ziel, Gold, Silber und andere edle Metalle zu finden. Trotz dass eine nennenswerte Ausbeute
sehr unwahrscheinlich war, wurde der Bergbau oftmals aufgenommen, jedoch schnell wieder
liegengelassen. Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 beendete das erste Kapitel
Thalheimer Bergbaugeschichte. Die Grube diente gegen Kriegsende – vergeblich – als
Versteck für die Habseligkeiten der Thalheimer Bürger vor den kaiserlichen Truppen.
Mit der Mutung von „Unvermuthet Glück samt Wille Gottes“ durch Johann Gottlieb Kunz am
2. August 1799 nahm der Bergbau am Ort der Grube Wille Gottes Schwung auf. Blieb auch
hier die Hoffnung auf den Fund reicher Silbererze unerfüllt, so wurden doch „abbauwürdige
Mengen Arsenkies von besonderer Güte“ [Bergbauverein Thalheim] gefunden. Mit dem
stetigen Anstieg der Förderleistung auf „Wille Gottes“ nahm der Bergbau in Thalheim Fahrt
auf. Neben einem knapp 7 m hohem Kunstrad zur Hebung des Wassers aus dem Schacht
wurde ein Huthaus, eine Erzwäsche und ein Pochwerk errichtet. Damit konnten zum Beispiel
im Jahre 1803 1.700 Zentner Arsenkies an das Arsenikwerk in Geyer geliefert werden.
In der Folgezeit hatten die wechselnden Betreiber von „Wille Gottes“ mit schwankender
Abnahme des Arsenkieses und zunehmenden bergtechnischen Schwierigkeiten zu kämpfen.
Da der Abbau zunehmend in größere Tiefen vordrang, drängte sich das Problem einer
wirkungsvollen Wasserlösung immer mehr auf.
Im Jahre 1815 übernahm die Arsenikkiesgewerkschaft Geyer die Grube Wille Gottes. Nach
dem Durchschlag eines neuen Wasserlösestollens konnte der Abbau in größere Tiefe
vorangetrieben werden. Durch den steigenden Gebirgsdruck mit zunehmender Tiefe wurde
der erforderliche Ausbau zur Sicherheit der einfahrenden Bergleute immer kostspieliger. Der
Bau eines dringend benötigten Pochwerkes scheiterte am Widerstand der Thalheimer Bürger,
da diese eine Verseuchung des unterhalb liegenden „Richtermüllerteiches“ befürchteten.
Durch diese Faktoren und den schleichenden Niedergang des geyerischen Arsenikkieswerkes
endete der Bergbau in Thalheim im Jahre 1846 vorerst.
1862 unternahm das „Bergfräulein“ Auguste Rosalie Hecker den letzten Anlauf, den Bergbau
auf „Wille Gottes“ wiederzubeleben. Dieser aussichtslose Versuch endete 1873 und damit
war die Zeit des Bergbaus in Thalheim nach mehr als 360 Jahren endgültig zu Ende.
Die Bergleute waren in all dieser Zeit bis in ca. 50 m Tiefe vorgedrungen und es waren
Streckensysteme 10 m, 20 m und 30 m unter der Tagesoberfläche ausgebaut worden.
In der näheren Vergangenheit und in Verbindung mit der Blütezeit der
Strumpfwirkerindustrie in Thalheim wurde die Grube Wille Gottes bis in etwa 32 m Tiefe
aufgewältigt. Aufgrund der rasant steigenden Bevölkerungszahl sollte das alte Bergwerk als
Wasserspeicher dienen. Wegen der schlechten Wasserqualität (Arsenbelastung) konnte dieser
Zweck jedoch nie erfüllt werden.
Die jüngste Etappe der Bergtätigkeiten auf „Wille Gottes“ begann am 26. August 1995 mit
dem ersten Arbeitseinsatz durch die Mitglieder des Arbeitskreises Bergbauspuren. In 1200
Stunden ehrenamtlicher Tätigkeit erfolgte die Aufwältigung und Sicherung der Strecken der
Grube Wille Gottes. Heute sind rund 10 % des Berggebäudes auch für Besucher befahrbar.
Außerdem wurde, unterstützt, durch eine ABM-Maßnahme eine massive Schutzhütte in der
Nähe des Stollenmundlochs errichtet.
Nun kommen wir zu den Fragen:
1.) Beschreibe mit eigenen Worten die zusammensetzung des Gesteins im Vergleich zu anderen Arten in ein paar Sätzen. Wodurch unterscheidet sich diese Gesteinsart von typischem bzw. üblichem Kies?
2.) Welche Eigenschaften/Merkmale von "Thalheimit" besitzt das Gestein?
Optional - Über Spoilerfreie und schöne Photos vom Earthcache vor Ort würden wir uns sehr freuen.
Schickt die Antworten als Message über das Profil. Ihr könnt sofort loggen, ich melde mich, wenn etwas nicht stimmt.
Zusammenfassung
Die Grube Wille Gottes stellt nur ein kleines Kapitel in der großen erzgebirgischen
Bergbaugeschichte dar. Jedoch hat die anstrengende und gefahrvolle Förderung des sehr
reinen und als Thalheimit bezeichneten Arsenkieses die Kleinstadt im Erzgebirge bis heute
bei Mineralogen auch über die Grenzen Sachsens hinaus bekannt gemacht.
Glück Auf
Quellen:
DRESCHER, B. JENK. U, SCHRÖPEL K. (2000): Veröffentlichung des Bergbauvereines
Thalheim/Erzgebirge e. V.
SEBASTIAN, U. (2013): Die Geologie des Erzgebirges – Springer Verlag, Berlin-Heidelberg
OKRUSCH, M. & MATTHES, S. (2014): Mineralogie – Springer Verlag, Berlin-Heidelberg

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