Wittmund ist eine Stadt im Nordwesten Niedersachsens und Kreisstadt des gleichnamigen ostfriesischen Landkreises. Der Fläche nach ist sie die größte Stadt Ostfrieslands, von ihrer Einwohnerzahl her liegt sie mit 20.363 hinter Emden, Aurich, Leer und Norden an fünfter Stelle. Die Stadt ist nur dünn besiedelt. In der Raumordnung des Landes Niedersachsen wird Wittmund als Mittelzentrum geführt.
Historisch gehört der Großteil des Wittmunder Stadtgebiets zum Harlingerland, das endgültig erst im Jahr 1600 durch den Berumer Vergleich zur Grafschaft Ostfriesland kam. Seit 1885 ist Wittmund Sitz des gleichnamigen Landkreises.
Bis zur Gebietsreform 1972 war die Kreisstadt eine Binnenlandgemeinde. Nach umfangreichen Eingemeindungen – darunter Ortschaften, die seit dem 16. Jahrhundert planmäßig der Harlebucht abgerungen wurden, wie etwa der Küstenort Carolinensiel – bildet die Nordsee die Nordgrenze der Stadt. Carolinensiel führt seit 1983 die offizielle Bezeichnung „Staatlich anerkanntes Nordseebad“. Die Stadt ist in deutlichem Maße vom Tourismus geprägt, wobei neben dem Küstenbadeort in den vergangenen Jahrzehnten auch das Binnenland eine größere Rolle einnahm.
Von einem mehrere Hundert Mitarbeiter zählenden Werk des Polymerverarbeiters Rehau abgesehen, ist die Stadt nur gering industrialisiert. Landwirtschaft spielt schon aufgrund des überragenden Flächenanteils (etwa 81,5 Prozent) eine große Rolle. Wittmund ist zudem Behördenstadt und Garnison für das Jagdgeschwader 71 mit dem Ehrennamen Richthofen, eines der vier Traditionsgeschwader der Luftwaffe. Viele Wittmunder sind jedoch Auspendler, wobei die nahe gelegene Stadt Wilhelmshaven eine bedeutende Rolle spielt.
In Wittmund befinden sich zahlreiche Häuser aus mehreren Jahrhunderten, darunter auch einige bedeutende Kirchen. Die Peldemühle von 1741 ist Nordwestdeutschlands älteste noch voll funktionsfähige Galerieholländerwindmühle.
Zu den bekanntesten Persönlichkeiten, die in Wittmund geboren wurden, zählen der Sportmediziner Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, Mannschaftsarzt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, und der Wasserbau-Ingenieur Ludwig Franzius, der als bremischer Oberbaudirektor die Weserkorrektion plante und ausführte sowie den Ausbau der bremischen Häfen ab 1887 einleitete.
Ur- und Frühgeschichte
Die Geest rund um den Wittmunder Stadtkern sowie im Süden des Stadtgebietes zählt zu den frühesten Siedlungsräumen Ostfrieslands. Funde von ältesten Feuerstein-Artefakten werden auf die Altsteinzeit datiert. Aus der Zeit der jungsteinzeitlichen Trichterbecherkultur wurden im Bereich des Ortsteils Leerhafe viele Artefakte entdeckt. Als bedeutender Fund dieser Periode gilt der tiefstichverzierte Napf aus Rispel, der der jungsteinzeitlichen Trichterbecherkultur zugeordnet wird. Aufgrund weiterer Kleinfunde wird in Rispel eine jungsteinzeitliche Siedlung vermutet.
Im Bereich des Knyphauser Waldes rund 7,5 Kilometer südlich von Wittmund befinden sich die Hügelgräber bei Rispel. Von den ursprünglich etwa 100 Grabhügeln, die aus der Bronzezeit stammen, wurden die meisten um 1900 eingeebnet. Es blieben nur drei an der Straße von Rispel nach Reepsholt erhalten.
Der Süden des Stadtgebietes zwischen den Orten Leerhafe und Ardorf war bereits in der Bronzezeit Kreuzungspunkt von Wegen zwischen dem Oldenburger Raum und der Küste mit den Vorgängern des mittelalterlichen Friesischen Heerwegs. Aus dem Raum Friedeburg kommend, verlief der Weg zunächst in nordwestlicher Richtung, bei Leerhafe/Rispel zweigte ein anderer in Richtung Nordosten ab. Ein weiterer Weg führte in Richtung Nordwesten und teilte sich nahe Ardorf in Wege zu den heutigen Stadtkernen von Wittmund und Aurich mit Abzweig in Richtung Esens. Aufgrund von Untersuchungen in den 1950er-Jahren wurde dieses Wegenetz anhand von Hügelgräbern und anderen Funden rekonstruiert.
Siedlungsreste auf einer Warft nahe dem Ortsteil Buttforde sind möglicherweise der Römischen Kaiserzeit zuzuordnen, eine genauere Untersuchung steht jedoch noch aus.
Mittelalter
Aus der Völkerwanderungszeit wurde im Wittmunder Raum lediglich ein Siedlungsplatz bei Burhafe erkundet. Er wird auf die Zeit um 400 n. Chr. oder früher datiert. Im 5. Jahrhundert kam es zu einem starken Rückgang der Besiedlung. Ursache dafür könnte der Anstieg des Meeresspiegels und die dadurch bedingte Überflutung der Marsch und die Vernässung der Geest gewesen sein. Der Rückgang der Bevölkerung macht sich ausschließlich in fehlenden archäologischen Funden für das 5. und 6. Jahrhundert bemerkbar.
Nach diesem Siedlungsrückgang, der mit der Dünkirchen II-Transgression erklärt wird, folgte ab dem 7. oder 8. Jahrhundert eine erneute stärkere Besiedlung. Bereits für das 9. Jahrhundert wird eine Holzkirche im Wittmunder Stadtkern vermutet. Archäologische Beweise dafür stehen jedoch noch aus. In den Traditiones Fuldensis des Klosters Fulda wird ein Witmuntheim in Friesland als dem Abt Hadamar (927-956) zinspflichtig genannt. Ob es sich dabei um das heutige Wittmund handelt, ist jedoch nicht zweifelsfrei erwiesen, zumindest einzelne Autoren vermuteten es in Westfriesland. Zu den ältesten Ortschaften im Stadtgebiet gehört Ardorf, das bereits seit dem 9./10. Jahrhundert existiert.
Am 27. September 1124 wurde Eggelingen erstmals urkundlich erwähnt. Papst Calixt II. ordnete den Ort dem Kloster in Rastede zu. Der Ortsteil Asel wurde 1150 erstmals in einer Urkunde des Klosters Fulda erwähnt. Um 1200 war Wittmund der zentrale Ort der friesischen Landgemeinde Wangerland. Von ihr und vom westlich gelegenen Gau Norditi spaltete sich das Harlingerland ab, zu dem Wittmund und die umliegenden Ortschaften mit Ausnahme Ardorfs, Hovels und Leerhafes seit dem Spätmittelalter gehörten.
Zu einem ersten Höhepunkt im Kirchenbau im Wittmunder Gebiet kam es im 14. Jahrhundert, als mehrere Steinkirchen entstanden. Die heutigen Ortsteile der Stadt Blersum, Buttforde, Burhafe, Berdum und Funnix wurden 1420 erstmals urkundlich im Stader Copiar erwähnt.
Im Jahr 1362 durchbrach die Zweite Marcellusflut die alte Seedeichlinie und formte die tief ins Hinterland ragende Harlebucht, die mit mehreren Ausläufern bis an die Geeststandorte Esens, Wittmund, Burhafe und Jever reichte. Die Orte Eggelingen und Asel wurden dadurch zeitweise zu Inseln. Die Ausläufer der Harlebucht verlandeten im 15. Jahrhundert wieder und ab 1545 wurden die Nebenbuchten und die Hauptbucht systematisch eingedeicht, bis 1895 die heutige Küstenlinie bei Harlesiel erreicht wurde. Durch die Eindeichung entstanden neue Siele zur Entwässerung der eingedeichten Groden, an denen sich zumeist aufgrund der verkehrsgünstigen Lage Sielorte bildeten. Bei weiteren Eindeichungen wurden diese Sielorte zu Binnenstandorten.
Seit etwa der Mitte des 14. Jahrhunderts spielte die Häuptlingsfamilie Kankena eine dominierende Rolle in Wittmund. Ursprünglich stammten die Kankenas aus der Gegend um Reepsholt südlich von Wittmund. Möglicherweise waren sie im Auftrag der Grafen von Oldenburg Vögte an der Friesischen Heerstraße. Von dort aus drangen sie nach Nordwesten und Westen vor und damit auf das heutige Wittmunder Stadtgebiet. Sie besaßen Ländereien in Isums südlich der heutigen Kernstadt und waren vermutlich auch die Burgherren in Borgholt im Südwesten des Stadtgebiets. Von dort konnte die Abzweigung der Friesischen Heerstraße nach Aurich kontrolliert werden. Urkundlich belegen lässt sich dies nicht, aber: „Man möchte (…) angesichts des Übergewichts der Kankena in Reepsholt und ihrer späteren Position in Wittmund annehmen, das am ehesten ein Kankena als Befehlshaber dieser Burg in Betracht kam.“
Um 1370 wurde die Wittmunder Kirche auf Drängen der führenden ostfriesischen Häuptlingsfamilie tom Brok zu einer Wehrkirche ausgebaut, die auch als Burg bezeichnet wurde. Durch die Lage an der eingebrochenen Harlebucht wurde Wittmund in die Auseinandersetzungen ostfriesischer Häuptlinge mit der Hanse hineingezogen. Einzelne Häuptlinge gewährten den Vitalienbrüdern Unterschlupf auf ihren Kaperfahrten gegen hansische Schiffe. Auch der Wittmunder Hafen diente als eine solche Basis. Im Jahr 1400 eroberten die Hamburger die Wittmunder Burg, die am 30. Mai übergeben wurde.
Im 15. Jahrhundert kam es durch Eheschließungen zu Verbindungen zwischen den Familien Kankena und Attena aus Dornum. Beide waren in die Auseinandersetzungen führender Häuptlinge um die Errichtung einer Vorherrschaft in der Region verwickelt. Die Kankenas unterstützten zunächst den Häuptling Focko Ukena in seinem erfolgreichen Kampf gegen die tom Brok, die die führende Rolle in Ostfriesland anstrebten. Am Sieg Ukenas in der Schlacht auf den Wilden Äckern(1427) waren die Kankenas beteiligt. Als sich jedoch Ukena seinerseits anschickte, ebenfalls die Vorherrschaft der ostfriesischen Häuptlinge zu übernehmen, geriet er in Opposition zu anderen Häuptlingen unter der Führung der Familie Cirksena, die die letzten Parteigänger Ukenas 1433 überwältigten.
Sibet Attena bekam 1454 als Neffe und treuer Gefolgsmann des ersten ostfriesischen Grafen Ulrich Cirksena die Rechte in Esens. Ebenfalls im Jahr 1454 unterstützte er Ulrich Cirksena gegen Tanne Kankena in Wittmund, besetzte dessen dortige Burg und vertrieb ihn. Sieben Jahre später fand er ihn mit seinen Rechten in Dornum ab, seit jenem Zeitpunkt war Wittmund für die Kankena endgültig verloren. Sibet Attena nannte sich bereits seit 1455 Häuptling zu Esens, Stedesdorf und Wittmund. Damit konkretisierte sich das Harlingerland als Herrschaftsterritorium, Hauptort war jedoch Esens.
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