Geest vs. Marsch
Das Erbe der Eiszeit trifft auf das Geschenk des Meeres.
Wer durch Norddeutschland fährt, wechselt oft innerhalb weniger Kilometer zwischen zwei völlig verschiedenen Landschaften: der höher gelegenen, sandigen Geest und der flachen, feuchten Marsch. Die Geest wurde von Gletschern und Schmelzwasser der Eiszeiten aufgebaut. Die Marsch dagegen hat das Meer erst nach der letzten Eiszeit Schicht für Schicht abgelagert. Dieser EarthCache führt dich zu je einer Station in beiden Landschaften. Dort findest du selbst heraus, woran man sie unterscheidet.
So loggst du diesen EarthCache
Besuche beide Stationen, löse die drei Aufgaben und schicke mir deine Antworten über mein Profil (Nachrichtencenter oder E-Mail). Du darfst direkt danach loggen. Sollte etwas nicht passen, melde ich mich bei dir. Bitte schreib die Antworten nicht ins Log. Seid ihr als Gruppe unterwegs, reicht eine Nachricht mit allen Cachernamen.
- Station 1 – Geest: Header-Koordinaten
- Station 2 – Marsch: Wegpunkt „Station 2 – Marsch“ (siehe zusätzliche Wegpunkte)
Aufgabe 1 – Geest (Station 1)
Schau dich an der Station um und beschreibe:
- Relief: Ist das Gelände eben, flachwellig oder hügelig?
- Bewuchs: Was wächst hier überwiegend (Bäume, Sträucher, Heide, Gras …) und wie dicht?
- Boden: Suche eine offene Stelle, z. B. am Wegrand – bitte nicht graben. Welche Farbe hat der Boden? Mach die Fingerprobe (Anleitung weiter unten): Welche Bodenart liegt hier vor?
Aufgabe 2 – Marsch (Station 2)
Beantworte die Fragen a) bis c) aus Aufgabe 1 auch für diese Station: Relief, Bewuchs und Boden (Farbe und Fingerprobe).
Aufgabe 3 – Vergleich
Vergleiche deine Beobachtungen aus Aufgabe 1 und 2. Erkläre mithilfe der Informationen in diesem Listing, wie die Unterschiede in Relief, Bewuchs und Boden zustande kommen. Geh dabei auf die Entstehung und das Ausgangsmaterial der beiden Landschaften ein.
Freiwillig: Über ein Foto von dir an einer der Stationen im Log freue ich mich. Und wer Lust auf ein kleines Experiment hat, findet weiter unten eine Anleitung zur pH-Messung.

Landschaftsentwicklung von Geest und Marsch
Die Geest – Erbe der Eiszeiten
Der Name geht auf das niederdeutsch-friesische Wort „güst“ zurück: trocken, unfruchtbar. Genau das beschreibt ihre Böden – sandig, durchlässig und arm an Nährstoffen. Man unterscheidet zwei Formen der Geest.
Hohe Geest (Altmoränenland)
In der vorletzten Eiszeit, der Saale-Kaltzeit (sie endete vor rund 130.000 Jahren), schoben sich mächtige Gletscher aus Skandinavien weit nach Norddeutschland vor. Beim Abschmelzen hinterließen sie Grund- und Endmoränen: ein ungeordnetes Gemisch aus Sand, Kies, Geschiebelehm und Findlingen. Ein großer Teil der niedersächsischen Geest ist auf diese Weise entstanden.
In der letzten Eiszeit, der Weichsel-Kaltzeit, erreichte das Eis nur noch den Osten Schleswig-Holsteins. Die Hohe Geest blieb eisfrei, lag aber im Dauerfrostgebiet vor dem Gletscher. Taute im Sommer die oberste Bodenschicht auf, rutschte sie als Brei über den gefrorenen Untergrund hangabwärts (Solifluktion, Bodenfließen). Zugleich blies der Wind feines Material aus und lagerte an anderer Stelle Flugsand ab. So wurden die einst kräftigen Moränenhügel abgetragen und eingeebnet – übrig blieb eine sanft gewellte Landschaft.
Vor- oder Sandergeest
Vor dem Rand der Gletscher strömte Schmelzwasser in großen Mengen ins Vorland. Dort breitete es sich fächerförmig aus und wurde langsamer. Zuerst blieben Kies und grober Sand liegen, die feinen Ton- und Schluffteilchen wurden weit fortgespült. So entstanden weite, fast ebene Sanderflächen aus nährstoffarmem Sand. In Schleswig-Holstein bilden die Sander des Weichsel-Eises die Vorgeest zwischen der Hohen Geest im Westen und dem Östlichen Hügelland. Weil das Grundwasser hier früher sehr hoch stand, sind große Teile davon vermoort.
Woran du die Geest erkennst
Über Jahrtausende hat Regenwasser Kalk und Nährstoffe aus dem durchlässigen Sand in die Tiefe ausgewaschen. Die Böden sind deshalb sauer. Typisch ist der Podsol (Bleicherde): Unter einer dünnen, dunklen Humusschicht folgt eine hellgraue, wie ausgebleicht wirkende Sandschicht, darunter oft eine rostbraune Schicht, in der sich Eisen und Humus wieder angereichert haben. Von Natur aus wachsen hier Heide, Kiefern sowie Eichen-Birken-Wälder; Ackerbau lohnt sich nur mit kräftiger Düngung. Kennzeichnend für viele Geestgebiete sind außerdem Knicks bzw. Wallhecken: Baum- und Strauchreihen auf Erdwällen, die früher als Zaun und Windschutz angelegt wurden.
Übrigens: Auch die Nordfriesischen Inseln Sylt, Amrum und Föhr haben einen Geestkern, an den sich Marsch- und Dünenflächen anlagern.
Die Marsch – Land aus dem Meer
„Marsch“ ist verwandt mit dem Wort „Meer“ und mit dem englischen „marsh“ (Sumpf, Feuchtland). Und tatsächlich: Die Marsch ist Land, das aus dem Meer stammt.
Entstehung
Als nach der letzten Eiszeit die Gletscher abschmolzen, stieg der Meeresspiegel um weit über 100 Meter. Die Nordsee füllte nach und nach ihr heutiges Becken und erreichte vor rund 7.000 Jahren vielerorts den Rand der Geest. Mit jeder Flut brachte das Wasser feinste Schwebstoffe heran: Ton, Schluff, Reste von Pflanzen und Tieren sowie Kalk aus Muschelschalen. Wo das Wasser zur Ruhe kam, sank dieses Material als Schlick zu Boden. Das Watt wuchs langsam in die Höhe, Pionierpflanzen wie der Queller hielten weiteren Schlick fest, und aus dem Watt wurde Salzwiese. Erst als Flächen nur noch bei hohen Fluten überspült wurden, entstand die eigentliche Marsch. Seit etwa tausend Jahren schützen die Menschen sie mit Deichen.
Marsch entsteht nicht nur an der Küste: An den Unterläufen der Tideflüsse wie Elbe, Weser und Ems hat das Hochwasser ebenfalls feine Sedimente abgelagert. Diese Gebiete heißen Flussmarschen.

Eine Salzwiese bei Niedrig- und Hochwasser: Bei jeder Überflutung bleibt etwas Schlick liegen.
Hohe Marsch und Sietland
Nahe der Küste und an den Flussufern lagerte sich das meiste Sediment ab. Diese Hohe Marsch (Marschhochland) liegt deshalb etwas höher, oft ein bis zwei Meter über NN. Weiter landeinwärts kam weniger Material an. Dieses tiefer liegende Sietland ist nach der Eindeichung zusätzlich abgesackt: Entwässerung, Verdichtung des Bodens und die Zersetzung von Torf ließen es so weit sinken, dass es heute teilweise unter dem Meeresspiegel liegt. Die tiefste Landstelle Deutschlands liegt deshalb nicht direkt an der Küste, sondern in der Wilstermarsch in Schleswig-Holstein: 3,54 Meter unter NN. Ohne Deiche, Gräben und Schöpfwerke wären viele Marschen dauerhaft nass oder überflutet.
Woran du die Marsch erkennst
Marschen sind topfeben, oft fast baumlos und von einem dichten Netz aus Gräben durchzogen. Ihre Böden bestehen aus feinem Ton und Schluff: Sie sind schwer, speichern viel Wasser und sind reich an Nährstoffen. Damit gehört die Marsch zu den fruchtbarsten Landschaften Deutschlands und wird als Grünland und Acker genutzt. Junge Marschböden enthalten noch Salz und Kalk aus dem Meerwasser. Der Regen wäscht zuerst das Salz und über Jahrhunderte auch den Kalk aus; alte Marschböden sind daher oft entkalkt, dicht und schwer zu bearbeiten. Typisch ist auch die Farbe: Unter der Oberfläche zeigen sich häufig graue bis blaugraue oder rostfleckige Schichten – ein Zeichen für den hohen Grundwasserstand.
Geest und Marsch auf einen Blick
| |
Geest |
Marsch |
| Entstehung |
Gletscher und Schmelzwasser der Eiszeiten (Pleistozän) |
Ablagerungen von Meer und Tideflüssen nach der Eiszeit (Holozän) |
| Alter |
Zehntausende bis über 130.000 Jahre |
wenige Jahrhunderte bis einige Jahrtausende |
| Ausgangsmaterial |
Sand, Kies, Geschiebelehm, Findlinge |
Schlick: Ton, Schluff, organisches Material |
| Lage |
deutlich höher, meist trocken |
um den Meeresspiegel, teils darunter |
| Nährstoffe und Kalk |
nährstoffarm, ausgewaschen, sauer |
nährstoffreich; jung kalkhaltig, alt entkalkt |
Werkzeug für unterwegs: die Fingerprobe
Bodenkundler bestimmen die Bodenart im Gelände mit den Fingern. Nimm eine erbsengroße Menge Boden von der Oberfläche, befeuchte sie notfalls mit ein paar Tropfen Wasser, reibe sie zwischen Daumen und Zeigefinger und versuche, sie zu einer dünnen Rolle zu formen. Danach legst du die Probe einfach zurück.
| Sand |
körnig und rau, knirscht, rieselt durch die Finger, lässt sich nicht formen |
| Schluff |
mehlig-samtig wie Puder, haftet in den Fingerrillen, kaum formbar |
| Lehm |
Gemisch: spürbar körnig und trotzdem formbar |
| Ton |
glatt und klebrig, gut formbar, die Reibfläche glänzt |
Freiwilliges Experiment: Wie sauer ist der Boden?
Wer pH-Teststreifen (Messbereich mindestens 4 bis 8) und destilliertes Wasser aus Drogerie oder Apotheke dabeihat, kann den Unterschied zwischen Geest und Marsch auch messen – ohne zu graben:
- Nimm an einer offenen Stelle (z. B. am Wegrand) etwa einen Teelöffel Oberboden und entferne Wurzeln und Steinchen.
- Gib ihn in einen mitgebrachten Becher und füge etwa die doppelte Menge destilliertes Wasser hinzu. Regen-, Leitungs- oder Mineralwasser verfälschen das Ergebnis, weil sie selbst nicht neutral sind.
- Rühre gut um, warte ein bis zwei Minuten, bis sich der Boden gesetzt hat, und halte den Teststreifen in das Wasser darüber.
- Lies den Wert ab, wiederhole die Messung an zwei, drei weiteren Stellen und bilde den Mittelwert.
- Gib den Boden an Ort und Stelle zurück und nimm den Teststreifen wieder mit.
pH 7 ist neutral, Werte darunter sind sauer, Werte darüber basisch (alkalisch). Schick mir deine Messwerte gern mit – zum Loggen sind sie nicht nötig.
Bitte beachten
- Bleib auf den Wegen und betritt keine Weiden, Äcker oder geschützten Flächen.
- Nicht graben und nichts mitnehmen – collect memories, not samples.
- Vorsicht an Gräben und bei Weidetieren.
Quellen und Bildnachweis
Ein ganz besonderer Dank geht an geoawareDE9, der mir tatkräftig, aber auch hartnäckig geholfen hat, diesen EarthCache mitzugestalten. DANKE!
English version
Northern Germany is made up of two contrasting landscapes. The Geest is higher, sandy, nutrient-poor land built by Ice Age glaciers and their meltwater; rain has leached it over millennia, so its soils are acidic. The Marsch (marshland) is flat, fertile land that formed only after the last Ice Age from fine sediment (clay and silt) deposited by the North Sea and tidal rivers. Today it is protected by dikes and drained by ditches, and parts of it lie below sea level. This EarthCache takes you to one site in each landscape.
Logging tasks: Send your answers via my profile (message center or e-mail). You may log right away; I will contact you if something is wrong.
- Geest (Station 1, header coordinates): Describe a) the relief (flat, gently rolling or hilly?), b) the vegetation (what grows here and how dense is it?), c) the soil at an open spot such as the edge of the path – no digging, please: its colour and its texture using the finger test (sand: gritty, falls apart; silt: floury and silky; clay: sticky, mouldable, shiny when rubbed).
- Marsch (Station 2, see additional waypoints): Answer a) to c) for this site.
- Comparison: Using your observations and the information in this listing, explain how the differences in relief, vegetation and soil came about.
Optional: a photo of you at one of the sites, and a soil pH measurement (see the German instructions above).