"Eisenerzabbau in der Hilsmulde"
Eisenerz in der Hilsmulde ? Nie gehört, werden sich die meisten fragen wenn sie diesen Text hier lesen! Hier gab es doch hauptsächlich die Waldglashütten und die Vogelhändler die über das Land zogen, aber Erz?
Ja, es ist richtig, es gab über Jahre hinweg Eisenerzabbau in der Hilsmulde. Die Carlshütte in Delligsen, deren Beginn bis in das 17te Jahrhundert zurück reicht, förderte über mehr als 150 Jahre Eisenerz. Zum einem in dem Eisenerzgebiet Birkholz aber auch im Bereich Drachenhohl/ Fuhregge in Grünenplan. Im Jahre 1828 sind sogar Hauptförderstellen, die in diesem Gebiet nahe Grünenplan waren, nachweisbar.
Rund um das Birkholz und den Drachenhohl entwickelte sich eine Stollenanlage die sich aus ca. 50 Stollen zusammen setzte. Der Hauptflöz des Eisenerzes erstreckte sich über gut 3500 Meter Länge und 500 Meter Breite in Richtung Delligsen.
Kommen wir zum eigentlichen Thema, dem Eisenerz
Was ist Eisenerz?
Eisenerze sind Gemenge aus natürlich vorkommenden chemischen Verbindung des Eisen und nicht oder kaum eisenhaltigem Gestein. Die natürlichen Eisenverbindungen werden als Eisenerzmineral bezeichnet und das übrige Gestein wird Gangart oder auch taubes Gestein genannt.
Die wichtigsten Eisenerze sind: Magnetit (Fe3O4, bis 72% Eisengehalt),Hämatit(Fe2O3, bis 70% Eisengehalt) und Siderit (FeCO3, bis 48% Eisengehalt).
Um an das Eisen zu kommen muss das Gemenge aufgespalten werden, das geschieht bei hohen Termperaturen in einem Verhüttungsprozess um es für die Industrie nutzbar zu machen.
Wie entsteht Eisenerz?
a) Magmatische Entstehung
In geologisch aktiven Gebieten dringt Magma (Bezeichnung der Masse aus Gesteinsschmelze , die in Teilen des oberen Erdmantels und der tieferen Erdkruste vorkommt) an die Erdoberfläche vor. Bei der Abkühlung des Magmas kommt es zur Auskristallisation der Minerale und zur Entstehung von Erzlagerstätten.
b) Biogenetisch
Bestimmte Bakterien bilden elementaren Sauerstoff als Stoffwechselprodukt und führen damit zur Oxidation von Fe(2+) (zweiwertig) zu Fe(3+) (dreiwertig). Fe(3+) Verbindungen sind sehr viel weniger wasserlöslich als Fe(2+) Verbindungen. Die entsprechenden Eisenoxide/Oxidhydrate (rot nach Diagenese/Metamorphose) fallen damit aus, solange es im Meerwasser noch genügend Fe (2+) gelöst gibt. Zu Bändererzen kann es kommen, wenn der Stoffwechsel der Bakterien unter ungünstigen Bedingungen (niedrigere Temperatur, weniger Nahrungsangebot etc.) geringer wird. Dann lagern sich vorrangig Silikate (Ton) oder Kieselsäuregel ab (verfestigt: Chert, Chalcedon, entspricht etwa Jaspis), die hellgrau erscheinen. Diese Wechsellagerung führt dann zur Bänderung rot bis dunkelgrau-hellgrau. Es wird vermutet, dass diese Oxidation von Fe(2+) in den Weltmeeren durch bakteriell gebildeten Sauerstoff lange Zeit verhindert hat, dass der Sauerstoffgehalt der Atmosphäre steigen konnte. Erst als das gelöste Eisen in den Weltmeeren oxidiert und ausgefällt war, erreichte dieser bakteriell gebildete Sauerstoff die Atmosphäre.
c) Sekundäre Ablagerung (nicht so wichtig)
Eisenreiche Schmelzgesteine werden entweder umgelagert oder aber aufgelöst und anderenorts wieder ausgeschieden z.B. an schwarzen Rauchern (hydrothermalen Quelle).
Die wichtigsten Eisenerze:
a) Goethit (Nadeleisenerz)Eisenoxid ; hochgradige Erze
b) Hämatit (Roteisenstein) Eisenoxid; hochgradige Erze
c) Limonit (Brauneisenerz) Eisenoxid ; hochgradige Erze
d) Magnetit (Magneteisenerz) Eisenoxide
e) Siderit (Eisenspat) Eisencarbonat
f) Chamosit Eisensilikat g) Ilmenit (Titaneisen) Sekundärerz
h) Pyrit (Eisenkies, Katzengold oder Narrengold) Sekundärerz
Wo und warum finden wir das Eisenerz hier in der Hilsmulde?
Der Hils besteht überwiegend aus dem glaukonitischen Hils-Sandstein der Unterkreide. Die aus diesem Material bestehenden, im Tertiär schräggestellten Schichtpakete haben als morphologische Härtlinge der Abtragung widerstanden. Das Eisenerz fand man im mittleren Abschnitt des Hilssandsteines. Im Sandstein (Hilssandstein) sind Ablagerungs oder Sedimentgesteine enthalten, daher zählt er zu den sekundären Ablagerungen, die aus lockerem Sand durch Verfestigung entstanden sind. Sandsteine können einen vielfältigen Mineralbestand haben. Oxydische Eisenverbindungen wie Hämatit (Fe2O3) und Limonit (FeOOH) sind für die Farbe des Gesteins von Bedeutung (s.u.). Sulfidisch gebundenes Eisen in Form von Pyrit oder Markasit (FeS2) erweist als sich störende Beimengung, weil beide Mineralien unter atmosphärischen Bedingungen instabil sind und in Gegenwart von Wasser und Luftsauerstoff unter Bildung von Limonit (ausrosten!) und Schwefelsäure zerfallen . Der Eisengehalt betrug durchschnittlich ca. 30 %. lt. Untersuchungen des ehemaligen Instituts für Lagerstättenkunde in Clausthal.
Des weiteren hat man Eisenerz im wenig verfestigten, unterkreidezeitlichen Sandstein in dem große Flöze karbonatischen-oxidischen Eisenerz auftreten gefunden.
Flöz ist die Bezeichnung einer Lagerstätte eines Rohstoffes der durch Ablagerung entsteht (sedimentär), die parallel zur Gesteinsrichtung verläuft. Oft hört man die Bezeichnung Alter Mann, das ist der abgebaute Bereich hinter einem abgebauten Flöz. Das Absacken oder Einbrechen dieses Hohlraumes kann zu Tagebrüchen führen.
Die Zusammensetzung des Hauptflöz besteht überwiegend aus konzentrisch schaligen Aggregaten unterschiedlicher Größe . Durch Lufteinfluss verändert sich das Karbonat in Eisenhydroxide der Limonitgruppe (Gruppe von Hydrat- Mineralien der Name wird für nicht näher identifizierte Eisenoxide ohne sichtbare Kristalle verwendet. Im liegenden Teil des Hilssandsteins der stärker verfestigt, kommen Eisenkarbonatanreicherungen vor (Verbindung zwischen Eisen und Carbonat-Ionen) mit einer sich über mehrere Meter erstreckenden rundlichen Form mit sehr ausgeprägter Grenze gegen das sandige Nebengestein
vor.
Viele der älteren Bewohner von Grünenplan können sich noch gut an die Zeit erinnern wo man hier noch in die Stollen reingehen konnte. Um Kinder von den Stollen fernzuhalten wurde erzählt, das dort der böse Butzemann wohnt. Vielleicht kennt ihr auch Geschichten wie Eltern ihre Kinder vor möglichen Gefahren mit erdachten Erzählungen schützen wollten.
Damit diese Eisenerz Abbau Phase nicht in Vergessenheit gerät haben wir uns für diesen Earth entschieden und hoffen, das dir/euch das Thema gefallen hat.
Es gibt noch weitere Aufschlüsse, die wir hier auf Grund des Geländes und der Sicherheit nicht als Wegpunkte aufgenommen haben.
Wenn ihr mehr über dieses Thema wissen möchtet schaut mal im Internet nach, dort gibt es noch einige interessante Informationen.
Wir danken an dieser Stelle Herrn Dr. T. Krassmann dessen Daten wir zu diesem Thema nutzen dürfen. Alle Fotos wurden selbst erstellt.
Informationen Rund um das Thema Eisenerzförderung
Am 24.5.1834 feierte die Friedrich – Carls Hütte ihr 100 jähriges Jubiläum. Zu diesem Zeitpunkt waren ca. 80 Hütten und Bergleute beschäftigt. Es wurden Herdplatten und Kunstguss nach Bremen und Oldenburg geliefert. Nach dem Bau einer eigenen Turbine wurden auch Turbinenräder Schwungscheiben und Einrichtungen für Salz- und Kalibergwerke hergestellt. Ca. 1890 wurde die Kuppelkonstruktion für das Reichstagsgebäude in Berlin gefertigt.
Um 1896 wurde der Bergbaubetrieb der Carlshütte stillgelegt. Allerdings wurde der Betrieb in den Jahren 1914-1918 durch Kriegsgefangene im Untertagebetrieb nochmals aufgenommen. Im Jahre 1936 wurden die Eisenerze wieder wirtschaftlich interessant, dabei wurden in den alten Stollen die Erzproben analysiert. Der Zustand des Strecknetzes der Stollen wurde als außerordentlich gut vorgefunden. Der Abbau wurde trotz Gutachten aber nicht weiter fortgeführt.
Heute sind die Halden weitgehend beseitigt und die Stolleneingänge verfallen oder verfüllt.
Die Qualität des abgebauten Eisenerzes wurde trotz hohen Kieselsäuregehaltes bei den früheren Messungen als sehr gut befunden.
Rundgang ca. 3,5 km
Beginnend vom Parkplatz von Langen-Weg, Richtung Roter Fuchs kommt ihr rechts an einigen zugeschütteten aber noch erkennbaren Tagesstollen vorbei .
Weiter geht es in Richtung des 1. Stollen (Wepunkt R1 und R2). Hier könnt ihr noch den Weg zum Stollen sehen (virtuelle Station R3) Wenn ihr hier weiter in den Pfad hineingeht, seht ihr einen Spalt, welcher die obere Kante des Stolleneinganges ist. Auch hier könnt ihr evtl. noch Steine mit Spuren von Eisenerz sehen.
Von hier aus geht es zu Wegpunkt R4 zum 2. Stollen. Hier sieht man noch den Aufschluss bzw. die Freilegung des Stolleneinganges. Dieser ist inzwischen vermauert und mit einer kleinen Eisentür verschlossen. Hier wurden für die Fledermäuse Fluglöcher offen gehalten.
Achtung: Bitte nicht versuchen den Metallverschluss gewaltsam zu öffnen. Die Stollensysteme sind einsturzgefährdet. Betreten ist strengstens untersagt. Wenn ihr zu dem Eingang geht, findet ihr hier noch teilweise Steine mit Spuren von Eisenerz.
Von hier aus kommt man über den Wegpunkt R5 wieder zum Parkplatz zurück.
Logbedingung:
1)Wenn Ihr auf dem Rundgang eure Augen offen haltet, seht ihr am Weg manchen Tagesstollen. Schaut, ob ihr noch Spuren des anstehenden Gesteins finden könnt. Beschreibt mit eigenen Worten was ihr hier bzgl. des Erzes noch sehen könnt?
2)Wenn Ihr dicht an den Stolleneingangsbereich des ersten Stollens (R3) herangeht, was könnt ihr hier noch erkennen? Wie groß ist die Öffnung die ihr seht circa?
3)Schaue dich im Umkreis von ca. 10-20 Metern im Bereich des zweiten Stollens um, wo seht ihr noch weitere Auswirkung bzw. Spuren von oxidierten Eisenerz?
4)Beschreibe die Steine an dem zweiten Stollen (R4), seht ihr dort noch Spuren von Eisenerz, welche Farbe haben diese? Was schließt Ihr aus der Färbung? Um welches Erz und um welches Gestein handelt es sich hier wahrscheinlich?
5)Mache wenn du möchtest ein Foto (ohne Stolleneingänge) von dir – keine Logbedingung:
Schicke die Daten über unser Profil an uns, dann könnt ihr sofort loggen, sollte was nicht stimmen melden wir uns.
Quelle: Montagegeschichte im Leinebergland von Dr. Thomas Krassmann, Wikipedia,