Liaston im Leinetalgraben
- Geologische Zeitzeugen einer Meeresstraße
Hinweis:
Da sich dieser Cache in einer ehemaligen Tongrube befindet muss mit Rutschungen und Steinschlag gerechnet werden!
Einleitung
Der geologische Aufbau von Göttingen und seinem Umland ist durch die Steine des Trias (ca. 250-200 Mio. Jahren) gekennzeichnet. Es lassen sich vorwiegend Keuper, Buntsandstein und Muschelkalk finden. Neben den drei genannten Gesteinsgruppen lassen sich noch vereinzelt Spuren von ehemaligen vulkanischen Aktivitäten im Westen von Göttingen finden, wie etwa der
EC „Hoher Hagen“, sowie die durch die (Ur-)Leine transportierten Kiese am Göttinger Kiessee. Doch hier im Drei-Länder-Eck, am unteren Teil des Leinetalgrabens, lässt sich eine geologische Seltenheit entdecken. Eine fossilienreiche Schicht im Liaston (Unterer Jura - vor 195 - 175 Mio. Jahren), die eines der wenigen Relikte für die Existenz der Hessischen Straße, als verbindenden Meeresarm zwischen nord- und süddeutschem Raum, für den Unterjura belegt.
Blick in die ehemalige Tongrube
Geologische Zeitzeugen einer Meeresstraße
Nicht nur bei den ansässigen Ziegeleien war das Vorkommen der schwarzgrauen, leicht kalkhaltigen Tone sehr beliebt, die im Unteren Jura abgelagert wurden, sondern auch bei Fossiliensammlern. In den tonigen Ablagerungen dieser Zeit finden sich viele versteinerte Muscheln, Schnecken, Schwämme, Seelilien, Fische und Kopffüßer. Anhand dieser Fossilen und einer 2,5 m mächtigen Schicht aus bituminösen, dünnschichtigen Mergelschiefern („Ölschiefer“), ist es Geologen möglich dieses abgelagerte Gestein zeitlich dem Unterjura zuzuordnen. Die Gesteine aus dem Unterjura sind nur noch in wenigen Gegenden in Süddeutschland erhalten geblieben, da diese Gesteine über die Jahrmillionen entweder wieder abgetragen oder durch andere Sedimente überlagert wurden. Der Leinetalgraben ist hier für den norddeutschen Raum eine Besonderheit, denn er ist dank einer Störungszone noch heute als ein Teil des Grabenbruchs in der Mittelmeer-Mjösen-Zone erhalten geblieben. Diese Bruchzone in der kontinentalen Erdkruste, durchzog einst Europa vom Mittelmeer her über Marseille, den Rheingraben entlang, bis in den Mjøsa-See in Südnorwegen auf einer Länge von 2.000 km.

Das europäische Grabenbruchsystem (mygeo.info)
Fossile Zeugen der Meeresstraße
Auch die vor Ort auffindbaren Fossilien stellen eine Besonderheit dar. Zum einen finden sich viele dieser urzeitlichen Zeugen, wie bereits erwähnt, nur in Süddeutschland und zum anderen lassen sich hier nicht nur bloße Abdrücke finden, sondern sogenannte Konkretionen. Eine Konkretion ist ein unregelmäßiges, häufig auch rundlich gestaltetes Mineral-Aggregat. Hierbei setzen sich an einem Kristallisationsmittelpunkt (z.B. Ammonit) weitere Kalkteilchen an und wachsen so immer weiter an. Diese Ansammlung von Teilchen muss zum einen aus einem anderen Material sein als die Sedimente (Gesteine) der Umgebung und zum anderen müssen sie sich in einer wässrigen, zirkulierenden Lösung (Porenwasser) bewegen, um ihre runde bis knollenartig Form zu erlangen. Bei Porenwasser handelt es sich um sehr mineral- / kalkreiche Wässer, die sich in bereits verfestigten Lockermassen (Sedimentgesteine) des Sandsteins befinden. Wenn sich in diesen kalkgesättigten Lösungen organische Reste befinden können sich die Kalkteilchen ansetzen und bilden so eine Kruste um das Objekt. Die Ausfällung wird durch pH-Unterschiede um die organischen Reste ausgelöst. Das ausgefällte Mineral unterscheidet sich gewöhnlich vom Mineralbestand der unmittelbaren Umgebung. Konkretionen wachsen so von innen nach außen. Je nach Dauer des Vorgangs und Menge des kalkhaltigen Porenwassers und Größe der Pore im umliegenden Gestein können sich Formen von wenigen Millimetern bis zu mehreren Zentimetern bilden. Mit der Zeit sintern (versteinern) diese Formen aus und werden dadurch fest wie Stein.

Beispielfunde einer Konkretion
Begebt euch an die angegebenen Koordinaten und beantwortet anhand eurer Beobachtungen die folgenden Fragen und schickt uns hier die Antworten.
Ihr dürft gleich loggen, wenn es Probleme gibt dann melden wir uns.
Schön wäre es, wenn ihr ein Foto mit hochladen würdet, dies ist zum Loggen des Caches aber nicht zwingend erforderlich.
Fragen:
Untersuche das auffällige blau-graue Gestein und beschreibe es.
1. Wie ist es vor Ort Beschaffen?
a) Massiv und fest?
b) Tonig und Sandig?
c) Platten und brüchig?
Zerreibe ein wenig (feuchtes) Gestein zwischen deinen Fingern!
2. Beschreibe wie es sich anfühlt!
Suche nun eine Konkretion (diese liegen meist schon verstreut auf dem Boden und müssen nicht ausgegraben werden).
3. Beschreibe ihre Beschaffenheit von außen und von innen!
a) Wie groß ist?
b) Gibt es (farbliche) Unterschiede zwischen der Außenhaut und dem Inneren?
c) Lässt sich im inneren erkennen, dass sich die Konkretion von innen nach außen entwickelt hat?
Quellen / Bilder / weitergehende Informationen:
Bilder / Skizzen: Nine&Dido
Karte: www.mygeo.info/landkarten_europa.htm (GNU-Lizenz) / Bearbeitet von Nine&Dido
Exkursionsführer „Trias und Jura von Göttingen und Umgebung“
Murawski / Meyer: Geologisches Wörterbuch
http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelmeer-Mj%C3%B6sen-Zone
http://www.goettingerland.de/lkgoe/dynamic/show_poi.php?id=777
http://www.steinkern.de/fundorte/niedersachsen/180-der-lias-im-raum-goettingen.html
Happy Hunting wünschen


