Ganz persönlich widme ich dieses Gedenk-Cache meinen persönlichen Freunden und auch Zeitzeugen, Maria und Johann Karner aus Rudersdorf-Berg, die wie Großeltern zu mir waren und auch noch sind. SIE mussten es als Jugendliche miterleben und haben Gott sei Dank überlebt!
Dieser Cache führt dich zu einem LOST PLACE. Es handelt sich um Schützen/Laufgräben sowie Schützenlöcher aus dem 2. Weltkrieg, die gerade jetzt um den Jahrestag unheimlich bewegend und mahnend mit einem Meer an Maiglöckchen überwachsen sind und mich tief bewegen.
Geschichtliches rund um Rudersdorf und den 2.WK:
Der Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Österreich erfolgte vom 11. auf den 12. März 1938. Diese Besetzung bedeutete das Ende der Existenz Österreichs als selbstständigen Staat. Auch Rudersdorf bzw. die hier lebende Bevölkerung musste sehr unter diesem Krieg leiden und war auch direkt betroffen.
Chronologie:
Im März 1938 wurde wegen der Angliederung ans Deutsche Reich, der Rudersdorfer Gemeinderat neu gewählt und der örtliche NSDAP Ortsleiter Karl S. stellte nach der Begrüßung fest, dass es ab nun an der "Reichsdeutsche Gemeindetag" ist und nicht mehr der Gemeinderat. Es wurden bereits Beschlüsse im Sinne Adolf Hitlers gefasst.
Der Anschluss ans Deutsche Reich brachte auch die Auflösung des Burgenlands mit sich. Die Landeshoheit wurde beseitigt, das Land zerrissen.
Am 10. April 1938 kam es zu einer bundesweiten Volksabstimmung über den Anschluss ans Deutsche Reich(Großdeutschland). Österreich weit stimmten 99,7% (!!) mit JA, wobei das Ergebnis in Rudersdorf dem Österreichschnitt entsprach.
In jeder Gemeinde - auch in Rudersdorf, versuchte man per Anordnung, Lokale bzw. Heime für die HJ bereit zu stellen. Am 5. September 1938 befasste sich auch der Rudersdorfer (Reichsdeutsche) Gemeindetag mit dieser Anordnung und fasste den Beschluss - Schotter, Holz, Sand, usw...dafür bereit zu stellen, wobei Baugründe zu diesem Zeitpunkt nicht verfügbar waren und die Gemeinde auch kein Geld für einen Kauf hatte. Kleinere Räumlichkeiten wollte man aber bereit stellen. Politische Schulungen wurden in der ehemaligen Volksschule durchgeführt.
Am 1. Februar 1939 wurde der Gemeindetag vereidigt.
Am 13. Februar 1939 scheidet der damalige Bgm. Karner aus dieser Funktion aus und übergab an J. Winter das Amt. Bei diesem Akt wurden anlässlich des bevorstehenden Geburtstag Adolf Hitlers, 100 Reichsmark als Unterstützung für junge Architekten und Städtebauer gespendet um die Dankbarkeit für die Heimholung der Ostmark zu dokumentieren.
Bald nach dem Anschluss setzte die Verfolgung Andersdenkender ein. Viele Mitbürger mussten öffentliche Erniedrigungen und Drohungen erleiden, wurden verhaftet oder ermordet. Minderheiten wurden aus rassischen Gründen zu Volksschädlingen erklärt und brutalst verfolgt und vernichtet. Zu ganz harten und unmenschlichen Ausschreitungen ist es gegenüber Juden und Zigeunern gekommen. Keiner der Zigeunersiedlung in Rudersdorf überlebte den Krieg! Auch mein Freund Johann Karner erzählte mir von Verschleppungen im nahen Neusiedel bei Güssing, wo Zigeunerfamilien(Kinder und Erwachsene) abgeholt wurden und nie wieder zurück kehrten. Ziel und Verbleib unbekannt, jedoch ist zu vermuten, dass auch sie in eines der grauenhaften Konzentrations- oder Vernichtungslager gebracht und ermordet wurden. Ein Großteil dieser Minderheiten wurde nach Auschwitz, Mauthausen, Dachau, Bergen Belsen, usw. gebracht und dort vergast oder auf andere Weise brutalst ermordet. Man geht von folgenden Opfern im Zuge der "Endlösung" aus:
- 65000 ÖsterreicherInnen kamen im Zuge der Endlösung in Konzentrations- oder Vernichtungslagern ums Leben.
- 20000 geistig- oder körperlich Behinderte wurden Opfer der Euthanasie
- 2700 wurden als aktive Widerstandskämpfer zum Tode verurteilt und hingerichtet
Bereits die Jahre 1938/39 standen im Zeichen der Kriegsvorbereitungen. Das Ziel Hitlers durch begrenzte Kriege den Lebensraum des deutschen Volkes zu erweitern, führte durch den Angriff auf Polen am 1. September 1939 zum Ausbruch des 2. Weltkrieges. Was die unfassbaren Folgen waren, ist der jetzt noch lebenden Bevölkerung von damals, noch in guter und trauriger Erinnerung.
Es wurde durch gezielte Propaganda versucht die Bevölkerung zu manipulieren. Bald schon wurde mit Rationalisierungsmaßnahmen begonnen und man musste um Schuhe oder Kleidung zu bekommen, beim Landrat in Fürstenfeld(und das mit Unterstützung des Bürgermeisters) vorstellig werden um einen Bezugsschein zu bekommen.
Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus dem Osten wurden im Hinterland in der Landwirtschaft und Rüstungsindustrie zur Arbeit verpflichtet. In Rudersdorf wurden Frauen aus Belgien in der Fabrik Sattler zur Arbeit zwangsverpflichtet. Die Zigeunersiedlung beherbergte französische Kriegsgefangene und Ostarbeiter aus Polen waren bei Landwirten tätig. Jeglicher engere Kontakt zu diesen Menschen war für die Ortsbevölkerung strengstens verboten, doch diese verstand es gut, heimlich und mit Würde den Kontakt aufrecht zu erhalten. Noch heute bestehen Kontakte zu noch lebenden Zwangsarbeitern und manche besuchten in jüngerer Vergangenheit sogar die ehemaligen Arbeitgeber. Bei meinen Freunden(Familie Karner) war sogar eine ehemalige russische Zwangsarbeiterin zu Gast.
Je näher und stärker die militärische Kraft der künftigen Befreiungsmächte wurde, desto erbarmungsloser wurde die Staatsführung Hitlers. Das Kriegsende war schon voraus zu sehen. Luftangriffe wurden mehr und auch Rudersdorf bekam dies zu spüren. Beim Retourflug nach einem Luftangriff auf Wr. Neustadt, warf ein amerikanischer Bomber über unserem Ort planlos Bomben ab um Ballast los zu werden. Diese rissen teils riesige Krater entlang der Gartenäcker. Zum Glück gab es keine Opfer unter der Bevölkerung. Weit schlimmere Bombenabwürfe musste Fürstenfeld hinnehmen. Es mussten auch Tote beklagt werden.
Wie aussichtslos die militärische Situation für die Nazis zusehends wurde, zeigt ein Tagebucheintrag des damaligen Propagandaministers Josef Göbbels: "Wir haben sowieso so viel auf dem Kerbholz....."
http://www.zeit.de/1987/42/wir-haben-sowieso-so-viel-auf-dem-kerbholz
http://www.holocaust-chronologie.de/chronologie/1941/juni/16-23.html
Im Herbst 1944 ging man daran, an der burgenländischen Ostgrenze mit dem Bau des Südostwalls zu beginnen. Dafür wurden hauptsächlich 14-16 jährige Jugendliche heran gezogen. Auch in Rudersdorf wurde im Winter 44/45 mit der Errichtung eines Panzergrabens am südlichen Ortsende begonnen. Dafür wurden alte Männer und Frauen, Jugendliche sowie Fremdarbeiter heran gezogen. Ortsparteileute hielten über diese Arbeiten Aufsicht und man wurde mit der Tötung bedroht wenn man sich weigerte.
Am gesamten Ostwall arbeiteten Angehörige von mehr als 123 Nationen. Ein Wall der dem Krieg nicht Stand hielt.
Die Front der Roten Armee rückte immer naher an das Deutsche Reich heran. Ende März 45 waren diese Truppen bereits in Heiligenkreuz wo sie nur kurz gestoppt werden konnten.
In der Rudersdorfer Bevölkerung herrschte Unruhe und einzelne Bewohner suchten Zuflucht bei Bekannten und Verwandten in den Rudersdorfer Bergen. Andere Flüchteten in die Steiermark und westlichere Bundesländer. Es wurde versucht notwendige Güter zuvor von den heran nahenden, plündernden Russen zu verstecken, was nur selten gelang.
Am 15. April 1945 stand Rudersdorf mitten im Kampfgebiet zwischen russischen und deutschen Truppen. Letztere verlegten ihre Hauptkampflinie nach Fürstenfeld. Bei der Verlegung sprengten sie dann noch die Bundesstraßenbrücke über die Lahn.
Die russischen Truppen rückten zur Überraschung der Deutschen über die Rudersdorfer Bergen heran und machten den Panzergraben nutzlos.
Am Nachmittag des 15. April 1945 bekamen die Rudersdorf Bergler den ersten Russen zu Gesicht. Mädchen und Frauen waren besonders gefährdet und mussten sich gut verstecken, da die russischen Truppen zahlreiche Vergewaltigungen verübten. Doch leider wurden doch viele Frauen Opfer dieser abscheulichen Übergriffe. Auch für diese Taten gibt es noch lebende Zeitzeugen!
Während der letzten Monate der Kampfhandlungen, wurden die noch im Ort verbliebenen Menschen für die Arbeit an Schutzvorrichtungen heran gezogen. Im Ortsgebiet wurden Schützenlöcher und Laufgräben gegraben.
Die evakuierte Bevölkerung konnte erst am 4. Mai 1945 nach Rudersdorf zurück kehren. Die Frontlinie hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon weit in die Steiermark hinein verschoben. Sie fanden ihre Häuser teilweise ausgeraubt und geplündert vor.
Am 8. Mai 1945 wurde die bedingungslose Kapitulation des (Nazi) Deutschen Reiches verkündet, was zwar (Gott sei Dank) den Krieg beendete, jedoch nicht die Freiheit für Österreich. Erst nach der Unterzeichnung des Staatsvertrages am 15. Mai 1955 verließen uns im September dieses Jahres die letzten Besatzungssoldaten.
Die grauenvolle Zeit forderte einen unbegreiflichen Blutzoll: nach Schätzungen ca. 55 Mio. Tote!!!
Zum Cache:
Die Dose ist nicht direkt aber in der Nähe des LOST PLACE versteckt. Dennoch kann man diese historische Stätte besuchen und ansehen.
Dennoch bitte ich EINDRINGLICH, die Anlagen NICHT DIREKT ZU BETRETEN - zur EIGENEN SICHERHEIT, aus RESPEKT und zur ERHALTUNG dieses mahnenden Ortes!!!
Jeder ist für sein Handeln selbst verantwortlich und muss wissen was er tut, doch ist hier absolute Disziplin und Vorsicht geboten!
Rätsel:
1.) Welche Kriegsnation hat diese Wehr/Schützen/Laufgräben in den Rudersdorfer Bergen errichtet? Nimm die Quersumme als A
2.) Welcher Verwaltungseinheit wurde das Lafnitztal mit seinen 9 Gemeinden nach dem Anschluss an das Deutsche Reich untergeordnet(2 Worte)? Nimm die Anzahl der Buchstaben als B
3.) In welchem Rudersdorfer Gasthaus wurden die belgischen Frauen(Zwangsarbeiterinnen) untergebracht, die bei der Firma Sattler arbeiteten? Nur den Familiennamen. In der Nähe gibt es Semmeln und Gebäck. Das Gasthaus besteht auch heute noch! Anzahl der Buchstaben = C
4.) In welchem Jahr wurde das Gebäude errichtet wo bei einem schweren Bombenabwurf der größte Bombentrichter(Südspitze) die Folge war? Das Gebäude war zu diesem Zeitpunkt noch nicht erbaut. Es ist das letzte Jahr der Bauzeit gefragt. Nimm die Summe der Zahlen als D
5.) Auf welchen Namen wurde der Kirchenplatz in Rudersdorf 1938 umbenannt? Nur der Name OHNE Platz. Nimm die Quersumme als E
6.) In welche beiden Ortschaften wurde die Rudersdorfer Bevölkerung evakuiert als die Kampfhandlungen sehr nahe waren? Nimm die Anzahl der Buchstaben als F
Berechnung:
N 47° 03.(A*2+10*B)+(C+100)
E 016° 07.(D+E*4)+(2*E+F+C*11)