Hinweis: Wie bei Mystery-Caches üblich sind die Cache-Koordinaten frei gewählt. Hier befindet sich (höchstwahrscheinlich) nichts. Die Koordinaten an denen die Cachedose versteckt wurde, müssen errätselt werden.
Kennst Du Christian Schwarz? Nein? Gut, es ist auch schon etwas her, dass er hier in der Gegend war. Erstaunlicherweise (oder auch nicht) war er am Todestag des Gelben Wageners hier im Oberharz zugegen.

Die Geschichte:
Gut, zugegeben, es war nicht sonderlich erstaunlich, dass Schwarz an jenem 09. August hier war. Er war mehr oder minder eine der Hauptpersonen. Allerdings war es auch nicht sein erster “Besuch”.
aus 1: »Christian Schwarz war der letzte in Hannover ansässige Scharfrichter, er lebte von 1793 bis 1867. … Christian Schwarz hatte zuvor für die Hansestadt Bremen seit 1827 Hinrichtungen vollstreckt. Er wurde Halbmeister in Hagen und Bremervörde, dann Scharfrichter in Hannover und sollte bei Gelegenheit des Übergangs zur Guillotine 1859 in den Ruhestand versetzt werden.
Christian Schwarz aus Groß Rhüden im Landkreis Goslar übte einen „unehrlichen“ Beruf aus. Er hatte seinen Lebensmittelpunkt und seinen Arbeitsplatz in Hannover ab dem Jahr 1844. Schwarz, der von hünenhafter Gestalt und an die 1,95 Meter groß gewesen sein soll, wurde am 18. Mai 1793 in Seesen geboren und auf den Namen Johann Christian Schwarz getauft, wo sein Vater, Georg Thomas Schwarz, das Nachrichteramt innehatte.«
Kommen wir nochmal auf diesen oben angedeuteten zeitigeren Besuch zurück. aus 1: »Am 27. April … stellten Richter und Rat in Clausthal dem Scharfrichter ein Attest folgenden Wortlauts aus: “Dem Herrn Scharfrichter Schwarz aus Hannover wird hiemit von dem unterzeichneten Gericht sehr gern bescheinigt, daß er die, wegen Tödtung ihres, 20 Monat alten Kindes, zur Enthauptung verurtheilte 36 Jahr alte Auguste Henriette Stopp am heutigen Tage in Gegenwart unserer und einer Menschenmenge von 12,000 bis 15,000 eben so schnell als sicher mit dem Schwerdte enthauptet hat, so daß mit Einem Hiebe der Kopf vom Rumpfe getrennt wurde, und sich allgemeiner Beyfall bekundete.”«
Zum Vergleich: Dies ist nur unwesentlich weniger, als die gesamte Berg- und Universitätsstadt Clausthal-Zellerfeld mit all ihren Ortsteilen heute Einwohner hat, lt. Wikipedia im Dezember 2013 - 15769 (sicherlich damals noch als Einwohnerzahl der Samtgemeinde Oberharz), die Kernstadt Clausthal-Zellerfeld (ohne Buntenbock) hat demnach 12173 Einwohner. (die zweite Quelle spricht aber “nur” von mehr als tausend Schaulustigen … diese Anzahl erscheint mir persönlich etwas wahrscheinlicher)
Aber wer war Henriette Stopp, warum wurde sie zur Kindsmörderin?
aus 2: »Augustine Henriette Stopp wird am 24. Februar 1809 unehelich geboren und kurz darauf in der Clausthaler Marktkirche getauft.« Ihre Mutter kümmert sich nicht um sie. Ihr Vater sorgt dafür, dass sein Bruder die Tochter als Pflegekind aufnimmt. aus 2: »Auf Anweisung der Pflegeeltern verdingt sich das Mädchen nach der Konfirmation als Magd.« Es folgen mehrere Anstellungen in Clausthal und Zellerfeld, 1828 geht sie schließlich für sieben Jahre als Dienstmagd nach Hannover. Nach kleineren Diebereien und der Geburt eines unehelichen Sohnes gerät sie in den Sog existenzieller Probleme - erstmals verurteilt wird sie im Jahr 1830 (sechs Monate), es folgen bis 1835 zwei weitere Verurteilungen (drei und zwölf Monate). aus 2: »Die ihr zur Last gelegten Straftaten hatte sie weitgehend gestanden. Demnach bestand das ‘Diebesgut’ vorwiegend aus Lebensmitteln und Textilien von geringem Wert, allerdings auch einem Paar goldener Kinderohrringe, …« Die Entlohnung durch die Herrschaften erfolgte damals oft unregelmäßig, da meist eine vertragliche Grundlage für die Anstellung fehlte. Dies führte oft zu einer gesteigerten Versuchung, sich selbst zu bedienen. Auf der anderen Seite ließen sich Dienstmägden, die vorher bereits ‘auffällig’ geworden waren, leicht weitere Delikte anhängen.
aus 2: »Im Januar 1836 kommt … Stopp erneut, jetzt für drei Jahre, ins Zuchthaus nach Celle. Im März 1838 richtet sie ein Gnadengesuch an das Justizministerium, in dem sie die letzten Taten damit entschuldigt, dass sie ihr 1835 geborenes Kind notdürftig zu kleiden und ernähren versuchte.« Das Kind stirbt während der Haftzeit. Es ist in der Quelle nicht klar erkennbar, ob das Kind mit ihr im Gefängnis ‘sitzt’. Ich nehme aber an nein. Das Gnadengesuch wird abgeschlagen. Nach der Entlassung findet sie, trotz ihrer Vorstrafen, aus 2: »wieder eine Anstellung als Dienstmagd, diesmal in Braunschweig; sie wird erneut schwanger und wieder einer kleinen Dieberei überführt.« Sie kehrt daraufhin nach Clausthal zurück und bringt hier im aus 2: »April 1843 ihren zweiten Sohn zur Welt. Nachdem sie eine Gelegenheit zur Betreuung ihres Kindes gefunden hat, tritt sie in Braunschweig, bzw. Wolfenbüttel die ausstehende Haftstrafe an.«
Nach der Entlassung kehrt sie wiederum nach Clausthal zurück, nimmt das Kind zu sich, mietet zusammen mit einer älteren Witwe eine Stube und versucht als Kiepenfrau (Kleinhandel von Gemüse und Obst) sich und ihr Kind durchzubringen. Das Kind erkrankt und benötigt ärztliche Hilfe. Ohne die Alimente des Vaters ist Henriette aber überfordert. aus 2: »Im Dezember 1844 beabsichtigt sie offenbar, das Kind von Clausthal zum Vater, einem Bauernsohn, oder den Großeltern zu bringen. Mit dem Kind in der Kiepe zieht sie los, setzt es aber unterwegs, unweit Wolfenbüttel, bei strengem Frost aus.« Sie wird im Februar 1845 festgenommen und gesteht den Mord. Während der Untersuchungshaft suchte sie wiederholt um geistigen Zuspruch und seelsorgerische Hilfe nach. Diese wurde ihr auch gewährt. Henriette Stopp wird schließlich wegen Mordes an ihrem Kind zum Tode verurteilt.
Der Cache:
Über die Taten und das Ableben der Wageners ist ja an anderer Stelle schon viel geschrieben worden. Es sollte also kein Problem sein, die Jahreszahl seines Todesjahres zu finden.
aus 2: »Die obrigkeitlich inszenierte Hinrichtung, deren Ablauf bis ins Detail protokollarisch geplant war, wurde zum öffentlichen Spektakel. Eigens nach Clausthal beordertes Militär sorgte angesichts einer Menge von mehr als tausend Schaulustigen für Sicherheit und Ordnung. In aller Öffentlichkeit begann morgens um acht Uhr das “peinliche Hals-Gericht” auf dem Clausthaler Marktplatz. Unter Glockenschlägen führte der Gefangenenwärter Augustine Henriette Stopp in Begleitung von zwei Geistlichen und einem Kommando berittener Soldaten in die Schranken des Gerichtsplatzes. In der Mitte des durch Zäune begrenzten und durch Soldaten abgeriegelten Karrees stand der schwarze Richterisch. Der Clausthaler Amtsrichter verlas zuerst das Geständnis der Henriette Stopp, das diese bestätigte, und darauf das Todesurteil. Dann brach der Richter nach alter Sitte den Stab. Auf einem offenen zweispännigen Leiterwagen, erskortiert von Kavallerie und Kürassieren, wurde die Delinquentin unter Glockengeläut zum Richtplatz außerhalb der Stadt gefahren.
Eine große Menschenmenge folgte dem Zug die Osteröder Straße hinauf zum Schafott auf der sogenannten Galgenwiese bei der Clausthaler Ziegelhütte. Dort wurde Henriette Stopp vor den Augen des Publikums durch das Schwert des aus Hannover bestellten Scharfrichters enthauptet. Die öffentliche Hinrichtung ... war ein Massenspektakel, das viele, auch auswärtige Schaulustige anzog.«
Auch das Todesjahr der Henriette Stopp sollte für Dich leicht zu finden sein.
Hast Du beide Zahlen gefunden, ziehe die Werte (ohne enthaltene Einsen) einfach von den Cachekoordinaten oben ab. Wagener im Norden, Stopp im Osten.
Vor Ort weiß man Bescheid. Sogar mehr als ich gedacht hätte. Henriette Stopp gehört wohl zur angeheirateten Familie. Falls Du gar nicht weiter weißt, fragen gehen. :D=
Die 1l-Lock-Lock-Box sollte aber relativ einfach zu finden sein.
Wieder ein klein wenig Gruselei und Happy Hunting wünscht
ΣΑΠ
Vielen Dank an Herrn sund-clz für die Lieferung des Stichwortes, was zu dieser Geschichte wurde.
Quellen:
1. Blazek, Matthias: (Online-Artikel) - Etwa 15- bis 20000 Menschen riefen nach der Urteilsvollstreckung durch Scharfrichter Christian Schwarz "Bravo!"
2. Laufer, Johannes: Lebenswelten und Lebenswege in den Oberharzer Bergstädten : Alltag und soziale Verhältnisse des Bergvolks im 19. Jahrhundert
Die “Oberharzer Geschichte(n)” sind eine Cachereihe, die von SigmaAlphaPi ins Leben gerufen, inzwischen aber auch von anderen Cachern aufgegriffen wurde. Es sind Caches mit lokalem Bezug zu Geschichtlichem und zu Wissenswertem à la ‘Dinge, die man nicht unbedingt wissen muss, damit aber blendend angeben kann’. In den überwiegenden Fällen sind (oder waren) es Mystery-Caches, bei denen sich mit der Geschichte hinter dem Cache beschäftigt werden muss. Einige dieser Mysterys leben als neuer Tradi weiter - mehr Oberharzer Geschichte(n)