Ihr befindet euch hier bei einem Kunstwerk mit geologischer Bedeutung. In Zusammenarbeit mit Experten der OMV hat der Künstler Manfred H. Bauch im Jahre 1997 die genau unter diesem Standort vorzufindenden geologischen Schichten mittels Keramikkacheln auf den Säulen des Protteser Tors abgebildet. Die bunte Oberfläche der zwei Säulen bildet die verschiedenen Schichten dieses Standortes im Maßstab 1:1.000 ab.
Geologisch betrachtet ist das Weinviertel Teil des Wiener Beckens. Der Untergrund desselben ist interessanter, als es die Ebene vermuten lässt.
Die Tektonik des Wiener Beckens resultiert aus den zeitlich verschieden lange dauernden alpinen Überschiebungen und der dadurch entstandene Ausweitung im Gebiet zwischen den Alpen und den Karpaten. Grundsätzlich lässt sich die Formation des Wiener Beckens im Neogen (vor 23,03 bis 2,588 Millionen Jahren) in vier Etappen unterteilen: 1. Bildung eines „piggy-back“ Beckens (Eggenburgium – Karpatium), 2. Entwicklung eine „pull-apart“ Beckens (Karpatium – Pannonium), 3. Ost-West-Kompression und Beckenumkehrung (Pannonium – Pliozän) und 4. Ost-West-Ausbreitung (Pliozän – bis heute). (vgl. Strauss et. al, 2006)
Die jüngste Schichtgruppe, die auf den Säulen ganz oben zu finden ist, die aus dem Neogen (Miozän) stammt, teilt sich in sechs verschiedene Einzelschichten.
Zuoberst dargestellt sieht man Pannonium. Im Zeitalter des Pannoniums, das international auch als Tortonium bezeichnet wird und in etwa mit dem Zeitraum von vor etwa 11,608 Millionen bis 7,246 Millionen Jahren datiert wird, fand man im Wiener Becken einen Teil des abgeschnürten Pannonischen Sees mit geringem Salzgehalt (Faupl, 2003).
Die nächste, als zweites Muster dargestellte Schicht bezeichnet das Sarmatium. International als chronostratigraphische Stufe des Serravallium bekannt, zeitlich also von 12,7 bis 11,6 Millionen Jahren anzusiedeln, zeigt diese Schicht eine weitere Abschnürung vom Mittelmeer auf, aufgrund derer sich sand-mergelige Sedimente einerseits und Kalksandsteine andererseits absetzten (Wessely, 2006).
Das gepunktet dargestellte Badenium (ca. 16 bis 13,3 Millionen Jahre) enthält einerseits Tonmergel und andererseits Deltasandelemente, die als zentral für die Eröl- und Erdgaslagerung gelten.
Direkt darunter befindet sich das schmale Aderklaa Konglomerat, das auf dem etwas breiteren Karpatium (17 bis 16 Millionen Jahre) liegt, welches sich von der Struktur her mergleig, sandig und marin zeigt.
Die letzte Schicht des Neogen, hier gemeinsam dargestellt, besteht aus Ottnangium (18,3 bis 17 Millionen Jahren) und Eggenburgium (20,8 bis 18,3 Millionen), wobei es sich um marine bis terrestrische Mergel, Sandsteine und Konglomerate handelt (Wessely, 2000).
Wer noch weiter zurückschauen möchte, hat in der folgenden Grafik eine Übersicht, die bis in die Jura zurückreicht (also vor zwischen 201,3 Millionen Jahren und 145 Millionen Jahren).
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Die zuvor beschriebene neogene Schichtgruppe liegt auf zwei größeren Schichtgruppen, sogenannten „Stockwerken“, auf. Direkt unter dem Eggenburgium beginnt das allochthone Stockwerk, das aus alpin-karpatischen Überschiebungsdecken besteht. Darunter befindet sich das tiefere, autochthone, subalpin-karpatische Stockwerk (autochthones Mesozoikum) (Wessely, 1993).
Das allochthone Stockwerk, das auf den Säulen durch gröbere Strukturen, die ineinander übergreifen, zu erkennen ist, gliedert sich in das kalkalpine Ötscher Deckensystem, das teilweise von Kalkgestein-Molasse (Oberkreide) (hier orange gepunktet dargestellt, Entstehung vor etwa 65,5–23,03 Millionen Jahren) überlagert wird, gleichzeitig aber auch darauf aufliegt. Darunter schließt eine Schicht von Kalkstein aus der Unterkreide, die Flyschzone, dieses Stockwerk ab. Flysch besteht vor allem aus marinen Sedimenten, die sich vor allem als Tonsteine oder Sandsteine zeigen. Oft wurden diese Sedimente nachträglich in gebirgsbildenden Prozessen so verformt, dass man von metamorphem Gestein sprechen kann.
Das unterste Stockwerk beginnt auf unseren Säulen als schwarz-weiß gemusterter Streifen, der aus der Oberkreidezeit (vor 100,5 – 66 Millionen Jahre) stammt, aus einer als mergeligen Beckenfazies besteht und als „Klement Bed“ bezeichnet wird. Diese Mergel bilden laut Wessely das Hauptmuttergestein des Wiener Beckens. Direkt darunter kann man die Schicht der Klentnice Beds erkennen, die auf einer Karbonatschicht aufliegt. Unter dieser befinden sich Gräben aus Deltasedimenten, die wiederum das kristalline Basement bedecken, das aus Granatglimmerschiefern besteht.
Nun zu den Fragen für die Formel:
Wieviele verschiedene Schichten zählst du jeweils auf jeder Säule? Die Antwort sei A.
Welchen Durchmesser hat das Stahlrohr? Nimm diese Zahl für B.
In welchem Jahr wurden die Säulen errichtet? Ermittle die Ziffernsumme und nenne die Antwort C.
Peile nun (B-(Ziffernsumme von A)) Meter in (A*2+B+C) Grad.
P.S. Über ein Foto von dir oder deinem GPS-Gerät bei den Säulen würde ich mich freuen, es ist jedoch selbstverständlich optional!
Short English description
The text is about the geological formation of this area, which is part of the Wine Quarter. As part of the Vienna basin, this area has a long geological history. The two columns which you can see at the header coordinates were designed by the sculptor Manfred H. Bauch in collaboration with the OMV and depict the different layers underneath this very spot. The columns themselves represent virtual drilling cores and the colourful tiles show the geological layers on a scale of 1:1000, so down to a depth of 10,000 metres.
Here are the questions for the formula you need to find the container:
How many different layers can you count on each column? The answer is A.
What is the diameter of the steel tube ("Stahlrohr")? Call this number B.
In which year were the columns erected? The crossfoot of the year is C.
Use the following formula to calculate the bearing:
Go (B-(crossfoot of A)) metres in the direction of (A*2+B+C) degrees.
P.S. A picture of you or your GPS device in front of the columns would be appreciated, but is, of course, optional.
Quellen:
Bauch, M. – Auskunft über E-Mail
Faupl, P., 2003. Historische Geologie. Eine Einführung. Wien (Facultas), pp.271.
Hamilton, W. et al., 2000. Oil and Gas in Austria. Mitteilungen der Österreichischen Geologischen Gesellschaft. Vol. 92, pp. 235-262.
Hofer, G., 2009. Geochemische Untersuchungen an lakustrin-marinen Sedimenten der Bohrung Markgrafneusiedl T1 (Oberkreide, Gosau-Gruppe). Masterarbeit, pp. 9 – 19.
Strauss, P., Harzhauser, M., Hinsch, R. & Wagreich, M., 2006. Sequence stratigraphy in a classic pull-apart basin (Neogene, Vienna Basin). A 3D seismic based integrated approach. Geologica Carpathica. vol.57, no.3, pp.185-197.
Wessely, G., 1993. Der Untergrund des Wiener Beckens. In.: Brix, F. & Schultz, O. (Ed.), Erdöl und Erdgas in Österreich. pp.249-280.
Wessely, G., 2000. Sedimente des Wiener Beckens und seiner alpinen und subalpinen Unterlagerung. The Vienna Basin and its alpine and subalpine basement. Mitteilungen der Gesellschaft der Geologie- und Bergbaustudenten in Österreich vol.44, pp.191-214.
Wessely, G., 2006. Niederösterreich. Geologie der österreichischen Bundesländer. Wien (Geologische Bundesanstalt).
Zimmer, W. & Wessely, G., 1996. Exploration results in thrust and subthrust complexes in the Alps and below the Vienna Basin in Austria. In: Wessely, G. & Liebl, W. (Ed.), Oil and Gas in Alpidic Thrustbelts and Basins of Central and Eastern Europe. EAGE Special Publication. no.5, pp.81-107.