Berühmt wurde die Höhle im Jahre 1931 nach dem Auffinden der Vogelherd-Figuren aus dem Aurignacien, die als Kleinkunstwerke bis heute zu den ältesten Kunstwerken der Menschheit gehören. Die jahrzehntelang als zeitgleich eingestuften Menschenreste, unter anderem die Schädel „Stetten 1“ und „Stetten 2“, stammen nach neuen Datierungen stattdessen aus der späten Jungsteinzeit.
Topographie
Die Höhle hat drei Eingänge (Mundlöcher). Die zwei großen, 2,5 bis 3,5 m hohen Mundlöcher sind durch einen ca. 40 m langen gebogenen Durchgang miteinander verbunden und werden Große Vogelherdhöhle genannt. Die Kleine Vogelherdhöhle ist am Eingang sehr eng und ca. 40 m lang. Der Durchgang zwischen kleiner und großer Höhle ist, bis auf einen mehrere Zentimeter hohen Spalt, verschüttet. Die Fläche der Höhle beträgt etwa 170 m² und hatte eine ursprüngliche Höhe von drei bis vier Metern.
Der gute Erhaltungszustand der Höhle ist auf die Deckenversinterung zurückzuführen, die mit dem Beginn des Holozäns einsetzte. Da die Höhle sehr nah unter der Oberfläche liegt, wäre sie durch das warmzeitliche Klima schon längst zerstört worden.
Grabungsgeschichte
Am 23. Mai 1931 fand der Heidenheimer Heimatforscher Hermann Mohn im Aushub vor einem Dachsbau am Vogelherd mehrere Absplisse aus Feuerstein, was zur Entdeckung der Höhle führte. In der nur drei Monate dauernden Ausgrabung desselben Jahres durch den Tübinger Prähistoriker Gustav Riek wurde eine vorgeschichtliche Besiedlung der Höhle von der Basis der Sedimente (Eem-Warmzeit) bis in die obersten Schichten Bronzezeit nachgewiesen, die Artefakte der Bronzezeit enthalten.
Der eher sporadischen Begehung im Mittelpaläolithikum folgte eine Besiedlung im frühen Jungpaläolithikum, der archäologischen Kultur des Aurignacien. Bekannt ist die Höhle aufgrund der in den Aurignacien-Schichten gefundenen elf Figuren aus Mammut-Elfenbein, die sogenannten "Vogelherd-Figuren". Die Schichten des Aurignacien enthalten Knochen- und Steingeräte. Insgesamt wurden in der Höhle 910 Werkzeuge und 1223 unretuschierte Artefakte (Abschläge und Kerne) gefunden. Anhand der Artefaktstreuung konnte festgestellt werden, dass die Plätze unter dem Südwest- und Süd-Eingang sowie die Haupthalle zur Zeit des Jungpaläolithikums am intensivsten genutzt wurden. Die häufigsten Werkzeuge aus Hornstein sind Kratzer und Stichel, Werkzeuge aus Knochen sind vor allem Speerspitzen. Ein von Gustav Riek als "Schwirrblatt" bezeichneter Lochstab wurde zusammen mit einem durchlochten Anhänger aus Mammutelfenbein in der Einmündung des Ostganges in die Haupthalle gefunden.
Die Vogelherd-Figuren
Die Elfenbeinskulpturen des Vogelherds gehören zu den berühmtesten Werken jungpaläolithischer Kleinkunst. Nach der Entdeckung von elf Figuren während der Ausgrabung von 1931 galten diese lange Zeit als die ältesten Kunstwerke der Welt. Darunter war das ca. 32.000 Jahre alte Wildpferd (Vogelherd-Pferdchen), das entlang der Längsachse gebrochen ist und daher heute nur noch als Halbrelief vorliegt. Das Objekt ist 4,8 cm lang und stellt einen Hengst in typischer Imponierhaltung dar.[12]
Mammut vom Vogelherd
Das Mammut, das gefunden wurde, ist durch die Einlagerung im Sediment sekundär farbverändert. Daher reicht das Farbspektrum von verwittertem Elfenbeinweiß bis zu Schwarzblau. Die Skulptur wurde an einigen Stellen mit Markierungen versehen, wobei es sich um eingeritzte Kreuzreihen am Schädel, den Schultern, der Schwanzwurzel, den Lenden und der Bauchdecke handelt. Der Rüssel ist nicht mehr vorhanden.[2]
Weitere Figuren stellen ein Ren, ein Bison, einen Höhlenbär sowie mehrere Großkatzen (Panther oder Höhlenlöwe) dar. Im Jahre 2006 begann ein Projekt der Universität Tübingen (unter Leitung von Nicholas Conard), den Grabungsaushub von 1931 am Fundplatz abzutragen und systematisch durchzuschlämmen. Dabei wurden u. a. weitere Aurignacien-Kleinplastiken aus Mammutelfenbein gefunden, deren Alter aufgrund des bekannten Schichtzusammenhangs etwa 32.000 BP anzusetzen ist. Davon gilt eine 3,7 Zentimeter große und 7,5 Gramm wiegende Mammutfigur als das älteste vollständig erhaltene Kleinkunstwerk der Menschheit. Im Gegensatz zu den meisten der Figuren trägt sie verhältnismäßig wenige Verzierungen, nur die Sohlen sind mit einem feinen Kreuzmuster markiert und am Kopf gibt es sechs Einschnitte.[13]
Heute teilen die Vogelherd-Figuren ihren Ruf als älteste figürliche Kunstwerke gemeinsam mit weiteren, etwa gleich alten Kleinplastiken aus dem Hohlenstein-Stadel, dem Geißenklösterle sowie dem Hohlen Fels im Achtal.
Museale Präsentation der Funde
Archäopark Vogelherd
Die Vogelherd-Figuren von 1931 wie auch ein Teil der Neufunde seit 2006 werden im Museum der Universität Tübingen ausgestellt, das von dem als Grabungshelfer tätigen Student Markus Schumacher gefundene Mammut und ein Höhlenlöwe hingegen im Informationszentrum des Archäoparks Vogelherd. Neben der Mammutfigur wurden im Jahre 2007 auch Fragmente mehrerer Knochenflöten gefunden. Anhand ähnlicher Funde aus dem Geißenklösterle und dem Hohlen Fels können die drei gefundenen Stücke recht gut rekonstruiert werden.
Andere Grabungsfunde werden heute in verschiedenen Museen Baden-Württembergs gezeigt, wie dem Württembergischen Landesmuseum Stuttgart, dem Urgeschichtsmuseum Blaubeuren sowie den Heimatmuseen Heidenheim an der Brenz und Stetten ob Lontal.
Text: Wikipedia
Bilder: burgberger