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Mystery Cache

Geyer #14 OleKirk der Verspielte

A cache by Jaks19 Send Message to Owner Message this owner
Hidden : 3/9/2016
In Sachsen, Germany
Difficulty:
4 out of 5
Terrain:
2 out of 5

Size: Size: small (small)

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Geocache Description:

Geschichten aus 1000 und einer Nacht


Die Geschichtsbücher der Saffaniden, jener alten Perserkönige, die ihre Herrschaft über Indien und über die großen und kleinen dazu gehörigen Inseln ausgedehnt hatten, ja bis weit jenseits des Ganges nach China, berichten, dass einst ein König dieses mächtigen Stammes lebte, welcher der vorzüglichste Fürst seiner Zeit war. Er machte sich durch seine Weisheit und Klugheit sehr beliebt bei seinen Untertanen. Genauso hatte er sich bei seinen Nachbarn durch den Ruf seiner Tapferkeit und das Ansehen seines streitbaren und wohl geübten Heeres furchtbar gemacht. Er hatte zwei Söhne, der ältere, namens Schachriar, war der würdige Erbe seines Vaters, und besaß alle Tugenden desselben. Der jüngere hieß Schachsenan, und hatte nicht minder Verdienste als sein Bruder. Nach einer eben so langen wie ruhmvollen Regierung starb der alte König, und Schachriar bestieg den Thron. Schachsenan, welcher durch die Reichsgesetze von der Nachfolge ausgeschlossen war, und als bloßer Privatmann leben musste, beneidete jedoch nicht das Glück seines älteren Bruders, sondern befliss sich auf alle Weise, ihm zu gefallen. Es wurde ihm nicht schwer, dies zu erreichen. Schachriar, der ihn so schon, als seinen Bruder, liebte, war erfreut über seine Gefälligkeit. In der Fülle der brüderlichen Liebe teilte er mit ihm sein Reich, und gab ihm die große Tatarei. Schachsenan reiste bald hin, um davon Besitz zu nehmen, und hielt seinen Hof zu Samarkand, der Hauptstadt dieses Königreichs. Es waren schon zehn Jahre, dass die beiden Könige voneinander getrennt waren, da beschloss Schachriar, der seinen Bruder gern einmal wieder zu sehen wünschte, ihm einen Gesandten zu schicken, um ihn zu einem Besuch einzuladen. Er wählte zu dieser Sendung seinen ersten Wesir, der mit einem seiner Würde angemessenen Gefolge dahin reiste, und sich soviel wie möglich beeilte. Als er in der Nähe von Samarkand war, kam Schachsenan, von seiner Ankunft benachrichtigt, ihm entgegen, mit den vornehmsten Herren seines Hofes, welche dem Minister des Sultans zu Ehren sich alle prächtig gekleidet hatten. Der König der Tatarey empfing ihn mit großen Freudenbezeugungen, und fragte sogleich nach dem Befinden des Sultans, seines Bruders. Der Wesir befriedigte seine Neugier, und eröffnete ihm dann die Absicht seiner Gesandtschaft. Schachsenan war gerührt darüber: "Weiser Wesir," sprach er zu ihm, "der Sultan, mein Bruder, tut myr zu viel Ehre an, und er könnte mir nichts entbieten, das mir lieber wäre. Wenn er mich zu sehen wünscht, so bin ich schon längst von demselben Verlangen erfüllt. Die Jahre, welche seine Liebe nicht vermindert haben, haben auch die meine nicht geschwächt. Mein Reich ist in Ruhe, und ich bedarf nur zehn Tage, um mich in den Stand zu setzen, mit dir zu reisen. Demnach ist es nicht nötig, dass du auf so kurze Zeit in die Stadt kommst. Ich bitte dich, an diesem Orte zu bleiben und hier deine Zelte aufschlagen zu lassen. Ich werde sogleich befehlen, dass man Erfrischungen in Überfluss hierher bringe für dich und alle Personen deines Gefolges." Dies ging sogleich in Erfüllung, und kaum war der König nach Samarkand zurückgekehrt, als der Wesir eine überschwängliche Fülle von Lebensmitteln aller Art ankommen sah, welche von den kostbarsten Geschenken begleitet wurden. Schachsenan rüstete sich unterdessen zur Reise, er ordnete die wichtigsten Angelegenheiten, setzte einen Staatsrat ein zur Regierung des Reichs während seiner Abwesenheit, und stellte an die Spitze desselben einen Minister, dessen Weisheit yhm bekannt war und zu welchem er volles Vertrauen hatte. Nach zehn Tagen war er zur Abfahrt bereit. Er nahm Abschied von seiner Gemahlin, verließ am Abend Samarkand, und begab sich mit seinem Reisegefolge zu dem königlichen Zelt, welches er bei den Zelten des Wesirs hatte aufschlagen lassen. Er unterhielt sich mit diesem Gesandten bis um Mitternacht. Da wollte er nochmals seine Gemahlin umarmen, die er sehr liebte, und kehrte allein in seinen Palast zurück. Er ging gerade nach dem Zimmer der Königin, welche, seiner Wiederkehr sich nicht erwartend, einen der niedrigsten Bedienten des Hauses in ihr Bett aufgenommen hatte. Beide lagen schon lange beieinander, und waren jetzt in tiefen Schlaf versunken. Der König trat ohne Geräusch ein, und wollte sich das Vergnügen machen, seine Gemahlin zu überraschen, von welcher er sich zärtlich geliebt glaubte. Wie groß aber war seine Überraschung, als er bei dem Schein der Kerzen, welche die ganze Nacht in den Zimmern der Fürsten und Fürstinnen brennen, einen Mann in ihren Armen erblickte! Er stand einige Augenblicke unbeweglich, ungewiss, ob er seinen Augen trauen sollte. Als er aber nicht mehr zweifeln konnte, sprach er bei sich selber: "Wie! Kaum bin ich aus meinem Palast, und noch unter den Mauern von Samarkand, und schon wagt man es, mich zu beschimpfen! Ha, Treulose, dein Verbrechen soll nicht ungestraft bleiben! Als König muss ich die Missetaten in meinen Staaten bestrafen. Als beleidigter Gatte muss ich dich meiner gerechten Rache opfern!" Kurz, in der ersten Aufwallung zog der unglückliche Fürst seinen Säbel, näherte sich dem Bett, und mit einem Streich sandte er die Schuldigen hinüber in den Tod. Hierauf nahm er einen nach dem anderen und warf sie aus dem Fenster in den Graben, welcher den Palast umgab. Nachdem er sich also gerächt hatte, ging er eben so heimlich aus der Stadt, wie er hinein gekommen war, und begab sich in sein Zelt. Kaum war er dort angekommen, so befahl er, ohne jemand etwas von dem zu sagen, was er eben getan hatte, die Zelte abzubrechen und abzureisen. Alles war schnell bereit, und es war noch nicht Tag, als sich der Zug in Bewegung setzte, unter dem Schall der Pauken und anderer Instrumente, welche alle mit Freuden erfüllten, außer dem König. Dieser Fürst war stets mit der Treulosigkeit seiner Gattin beschäftigt und einer tiefen Schwermut hingegeben, welche ihn während der ganzen Reise nicht verließ. Als er in der Nähe der Hauptstadt von Indien war, sah er den Sultan Schachriar mit seinem ganzen Hofstaat ihm entgegen kommen. Welche Freude für die beiden Fürsten, sich wieder zu sehen! Sie stiegen vom Pferd, sich zu umarmen, und nachdem sie sich tausend Zeichen der Zärtlichkeit gegeben hatten, saßen sie wieder auf, und ritten, unter dem Zujauchzen einer zahllosen Volksmenge, in die Stadt. Der Sultan führte den König, seinen Bruder, in den für ihn eingerichteten Palast. Dieser Palast stand mit dem seinen durch einen Garten in Verbindung. Er war um so prächtiger, als er zu den Festen und Vergnügungen des Hofes bestimmt war, und sein Glanz war noch durch eine ganz neue Ausschmückung erhöht. Schachriar verließ hier den König der Tatarei, und ließ ihm Zeit, ins Bad zu gehen und die Kleider zu wechseln. Sobald er aber vernahm, dass es geschehen war, kam er wieder zu ihm. Sie setzten sich auf ein Sofa, und während die Hofleute, aus Ehrerbietung, sich entfernt hielten, besprachen die beiden Fürsten sich über alles, was zwei Brüder, welche noch mehr durch Freundschaft als durch die Blutsverwandtschaft verbunden sind, nach so langer Trennung einander zu sagen haben. Als die Stunde des Abendessens gekommen war, speisten sie zusammen. Nach der Mahlzeit nahmen sie ihre Unterhaltung wieder auf, welche so lange währte, bis Schachriar bemerkte, dass es schon tief in der Nacht war, und sich zurückzog, um seinen Bruder ausruhen zu lassen. Der unglückliche Schachsenan legte sich nieder, aber wenn gleich die Gegenwart des Sultans, seines Bruders, auf einige Zeit seinen Gram zu beschwichtigen vermochte, so erwachte dieser jetzt wieder desto heftiger. Anstatt der Ruhe zu genießen, deren er bedurfte, rief er nur die qualvollsten Vorstellungen in sein Gedächtnis zurück. Alle Umstände der Treulosigkeit seiner Gattin traten so lebhaft vor seine Einbildungskraft, dass er ganz außer sich war. Endlich, da er nicht schlafen konnte, stand er wieder auf und indem er sich ganz so quälenden Gedanken hingab, erschien auf seinem Antlitz ein Ausdruck der Traurigkeit, welchen sein Bruder nicht unbemerkt ließ. "Was fehlt dem König der Tatarei?", sprach der Sultan, "wer kann diesen Kummer verursachen, den ich an ihm sehe? Sollte er Ursache haben, sich über die Aufnahme bei mir zu beklagen? Nein, ich habe ihn wie einen geliebten Bruder empfangen, und ich habe mir hierin nichts vorzuwerfen. Vielleicht macht die Entfernung von seinem Reich, oder von seiner Gemahlin, ihm diesen Kummer. Ja, wenn das ist, so muss ich ihm sogleich die für ihn bestimmten Geschenke zu geben, damit er, sobald er will, abreisen und nach Samarkand heimkehren kann." Und wirklich, sogleich am folgenden Morgen sandte er ihm einen Teil dieser Geschenke, welche aus dem Seltensten, dem Reichsten und Wunderbarsten bestanden, das Indien nur hervorbrachte. Dabei unterließ er nicht, ihn täglich durch neue Vergnügungen zu erheitern, aber auch die fröhlichsten Feste, anstatt ihn zu erfreuen, erregten nur noch mehr seinen Kummer. Eines Tages hatte Schachriar eine große Jagd angestellt, zwei Tagesreisen von der Hauptstadt, in der Gegend, wo es viele Hirsche gab. Schachsenan bat, daheim bleiben zu dürfen, weil der Zustand seiner Gesundheit ihm nicht erlaubte, an der Jagd Teil zu nehmen. Der Sultan wollte ihm nicht Zwang antun, sondern ließ ihm volle Freiheit, und ritt mit seinem ganzen Hofe zu dieser Jagdlust aus. Nach seiner Abreise verschloss der König der großen Tatarei sich einsam in sein Zimmer. Er setzte sich an ein Fenster, welches die Aussicht auf den Garten hatte. Die Anmut dieses Ortes und der Gesang unzähliger Vögel, welche sich hier aufhielten, hätten ihm Vergnügen gebracht, wenn er fähig gewesen wäre, es zu empfinden. Aber stets gequält von dem leidigen Andenken der ehrlosen Handlung der Königin, verweilten seine Augen weniger auf dem Garten, als er sie zum Himmel aufhob, um sich über sein unglückliches Schicksal zu beklagen. So sehr er mit seinem Schmerz beschäftigt war, so unterließ er jedoch nicht, einen Gegenstand zu beobachten, der seine ganze Aufmerksamkeit auf sich zog. Eine geheime Tür des Palastes seines Bruders öffnete sich plötzlich, und heraus traten zwanzig Frauen, in deren Mitte die Sultanin ging, welche durch ihre Haltung sich leicht kenntlich machte. Die Fürstin, im Glauben, dass der König der großen Tatarei mit auf der Jagd wäre, kam dreist bis unter die Fenster seines Zimmers. Er, aus Neugier sie zu beobachten, stellte sich so, dass er alles sehen konnte, ohne gesehen zu werden. Er bemerkte, dass die Personen, welche die Sultanin begleiteten, um allen Zwang zu entfernen, den Schleier vom Gesicht nahmen, der sie bisher verhüllte, und die langen Gewänder ablegten, welche sie über andern kürzeren Kleidern trugen. Aber wie groß war sein Erstaunen, als unter dieser Gesellschaft, welche ihm nur aus Frauen zu bestehen schien, sich zehn Schwarze befanden, deren jeder ein Liebchen zu sich nahm. Die Sultanin ihrerseits blieb auch nicht lange ohne Liebhaber; sie klatschte in die Hände und rief: "Masud, Masud!", und bald stieg noch ein Schwarzer von einem Baum herab, und lief mit großer Inbrunst auf sie zu. Die Schamhaftigkeit erlaubt nicht, alles zu erzählen, was zwischen diesen Weibern und ihren Schwarzen vorging. Es genügt zu sagen, dass Schachsenan genug sah, um zu erkennen, dass sein Bruder nicht weniger zu beklagen wäre, als er selber. Die Vergnügungen dieser verliebten Bande dauerten bis um Mitternacht. Sie badeten sich alle zusammen in einem großen Wasserbecken, welches eine der schönsten Zierden des Gartens war, worauf sie ihre Kleider wieder anlegten, und durch die geheime Tür wieder in den Palast des Sultans schlüpften. Masud aber, der von außen über die Gartenmauer gekommen war, nahm denselben Rückweg. Da alle diese Dinge unter den Augen des Königs der großen Tatarei vorgegangen waren, so gaben sie ihm Anlass zu zahllosen Betrachtungen: "Wie sehr hatte ich Unrecht," sagte er, "mein Unglück so einzig zu wähnen! Das ist ohne Zweifel die unvermeidliche Bestimmung aller Ehemänner, da der Sultan, mein Bruder, der unumschränkte Beherrscher so vieler Reiche, der größte Fürst der Welt, es nicht vermeiden konnte. Wie töricht bin ich also, mich so vom Gram aufzehren zu lassen? Es sei drum: Das Andenken eines so gemeinsamen Unglücks soll fortan nicht mehr die Ruhe meines Lebens stören!" Und wirklich, von diesem Augenblick an hörte er auf, sich zu grämen, und weil er nicht eher zu Nacht speisen wollte, als bis er das ganze Schauspiel gesehen hatte, welches unter seinen Fenstern aufgeführt wurde, so ließ er sich nun auftragen, aß mit größerer Lust, als er seit seiner Abreise von Samarkand getan hatte, und hörte sogar mit Vergnügen ein angenehmes Konzert von Gesang und Saitenspiel, welches seine Mahlzeit begleitete. Die folgenden Tage war er sehr aufgeräumt und sobald er vernahm, dass der Sultan zurückkam, ging er ihm entgegen, und bewillkommnte ihn mit heiterer Miene. Schachriar gab nicht sogleich Acht auf diese Veränderung. Er war nur bedacht, sich freundlich zu beklagen, dass er es versagt hatte, ihn auf die Jagd zu begleiten. Ohne ihm Zeit zu lassen, auf diese Vorwürfe zu antworten, erzählte er ihm von der großen Anzahl von Hirschen und anderen Tieren, die er erlegt, und von allen Vergnügungen, die er gehabt hatte. Nachdem Schachsenan ihn mit Teilnahme angehört hatte, nahm er auch das Wort, und da der Gram seinen Geist nicht mehr umwölkte, so sagte er tausend angenehme und scherzhafte Dinge. Der Sultan, welcher ihn in demselben Zustand wieder zu finden erwartete, in welchen er ihn verlassen hatte, war erfreut, ihn so heiter zu sehen. "Mein Bruder," sprach er zu ihm, "ich sage dem Himmel Dank für die glückliche Veränderung, welche er während meiner Abwesenheit in dir hervorgebracht hat: Ich empfinde eine wahrhafte Freude darüber, aber ich habe eine Bitte an dich, und ich beschwöre dich, sie mir zu gewähren." - "Wie könnte ich dir etwas versagen?", antwortete der König der Tatarei. "Du vermagst alles über Schachsenan. Rede, ich bin voll Ungeduld, zu wissen, was du von mir wünschst." - "So lange du an meinem Hofe bist," fuhr Schachriar fort, "habe ich dich in eine düstere Schwermut versunken gesehen, welche ich durch alle Arten von Lustbarkeiten vergeblich zu zerstreuen suchte. Ich bildete mir ein, dass dein Gram von der Entfernung aus deinem Reich herrührte. Ich glaubte sogar, dass die Liebe großen Teil daran hätte, und dass die Königin von Samarkand, zu welcher du ohne Zweifel eine vollkommene Schönheit erwählt hast, die Ursache davon wäre. Ich weiß nicht, ob ich mich in meiner Vermutung geirrt habe, aber ich bekenne dir, dass ich besonders aus diesem Grunde nicht weiter in dich dringen wollte, aus Furcht, dir zu missfallen. Nun aber, ohne dass ich im geringsten dazu beigetragen habe, finde ich dich bei meiner Heimkehr in der besten Laune von der Welt. Den Geist völlig befreit von diesem schwarzen Gewölke, welches seine Heiterkeit trübte. Sage mir, ich bitte dich, warum warst du bisher so traurig, und warum bist du es jetzt nicht mehr?" Auf diese Anrede blieb der König der großen Tatarei eine Weile nachdenklich, als wenn er sich besänne, was er antworten sollte. Endlich erwiderte er folgendes: "Du bist mein Sultan und mein Herr; aber erlass mir, ich bitte dich darum, dir die Aufklärung zu geben, die du verlangst." - "Nein, mein Bruder," erwiderte der Sultan, "du musst sie mir gewähren, ich dringe darauf, versage sie mir nicht." Schachsenan konnte Schachriars Anbringen nicht länger widerstehen: "Wohlan denn, mein Bruder," sagte er zu ihm, "ich will dir genugtun, weil du es befiehlst." Hierauf erzählte er ihm die Treulosigkeit der Königin von Samarkand, und als er die Erzählung davon beendigt hatte, fuhr er fort: "Da siehst du nun den Grund meiner Traurigkeit. Erwäge selber, ob ich Unrecht hatte, mich ihr hinzugeben." - "O mein Bruder!", rief der Sultan aus, "welche furchtbare Geschichte hast du mir da erzählt! Mit welcher Ungeduld habe ich sie bis zu Ende gehört! Ich lobe dich, dass du die Treulosen so bestraft hast, welche dir solchen empfindlichen Schimpf antaten. Man kann dir keinen Vorwurf über diese Handlung machen: Sie ist gerecht. Und was mich betrifft, so bekenne ich, dass ich an deiner Stelle noch weniger Mäßigung gehabt hätte, als du. Ich hätte mich nicht begnügt, einem Weibe allein das Leben nehmen. Ich glaube, ich hätte ihrer wohl tausend meiner Wut geopfert. Ich bin nicht mehr verwundert über deinen Gram. Die Ursache davon war zu lebhaft und zu kränkend, um ihm nicht zu erliegen. Welche Begebenheit! Nein, ich glaube, dass niemals einem Mann, außer dir, dergleichen begegnet ist. Aber am Ende muss man Gott danken, dass er dir Trost gewährt hat. Da ich nicht zweifle, dass derselbe auch wohl begründet sei, so habe doch die Güte, mich davon zu unterrichten, und schenke mir dein ganzes Vertrauen." Schachsenan machte über diesen Punkt mehr Schwierigkeit, als über den vorigen, wegen des Anteils seines Bruders daran. Aber er musste dessen wiederholten dringenden Bitten nachgeben. "So will ich dir denn gehorchen," sagte er, "weil du es durchaus willst. Ich fürchte aber, dass mein Gehorsam dir noch mehr Leid verursachen wird, als ich empfunden habe. Aber du hast es dir allein beizumessen, weil du mich zwingst, dir eine Sache zu enthüllen, welche ich in ewige Vergessenheit begraben wünschte." "Was du mir da sagst," unterbrach ihn Schachriar, "reizt meine Neugier nur noch mehr; säume nicht, mir dieses Geheimnis zu entdecken, von welcher Art es auch sein mag." Der König der Tatarei konnte nicht länger sich weigern, und erzählte ihm nun umständlich alles, was er erblickt hatte. Die Verkleidung der Schwarzen, die Ausschweifungen der Sultanin und ihrer Frauen, und vergaß auch nicht den Masud. "Nachdem ich Zeuge dieser Schandtaten gewesen war," fuhr er fort, "so gedachte ich, dass alle Weiber von Natur ihnen ergeben sind, und dass sie ihrer Neigung nicht widerstehen können. In dieser Überzeugung dünkte es mich eine große Torheit für einen Mann, seine Ruhe an ihre Treue zu knüpfen. Diese Betrachtung erzeugte andere, und am Ende erkannte ich, dass ich keine bessere Partei ergreifen könnte, als mich zu trösten. Es hat mich einige Überwindung gekostet, jedoch bin ich zum Ziele gelangt, und wenn du mich hören willst, so folge meinem Beispiel." So verständig dieser Rat war, so wollte er dem Sultan doch nicht eingehen. Er geriet vielmehr in Wut: "Wie!", rief er aus, "die Sultanin von Indien ist fähig, sich auf eine so unwürdige Weise preiszugeben! Nein, mein Bruder," fügte er hinzu, "ich kann's nicht glauben, was du mir sagst, wenn ich es nicht mit meinen eigenen Augen sehe. Die deinen müssen dich getäuscht haben. Die Sache ist wichtig genug, dass ich mich selber davon überzeuge." - "Mein Bruder," antwortete Schachsenan, "wenn du Zeuge davon sein willst, so wird das eben nicht schwer sein: Du brauchst nur eine neue Jagd anzustellen. Wenn wir mit deinem ganzen Hof und mit meinen Leuten außerhalb der Stadt sind, so bleiben wir dort unter unseren Zelten, und in der Nacht kehren wir beide ganz allein zurück in mein Zimmer: Ich bin gewiss, du wirst am nächsten Morgen dasselbe sehen, was ich gesehen habe." Der Sultan billigte diese List, und befahl sogleich eine neue Jagd, so dass noch an demselben Tag die Zelte an dem bestimmten Ort aufgeschlagen wurden. Am folgenden Morgen ritten die beiden Fürsten mit ihrem ganzen Gefolge hinaus. Sie kamen zu der Lagerstatt, und blieben dort bis in die Nacht. Da rief Schachriar seinen Großwesir. Ohne ihm seine Absicht zu entdecken, befahl er ihm, in seiner Abwesenheit seine Stelle zu vertreten, und nicht zu erlauben, dass jemand aus dem Lager ginge, aus welchem Grunde es auch sein möchte. Sobald er diesen Befehl erteilt hatte, stieg er mit dem König der großen Tatarei zu Pferde. Beide ritten unerkannt durch das Lager zurück in die Stadt, und begaben sich in Schachsenans Palast. Hier legten sie sich schlafen, und am folgenden Morgen nahmen sie dieselbe Stelle am Fenster ein, wo der König der Tatarei den Auftritt mit den Schwarzen gesehen hatte. Sie genossen einige Zeit der Frische des Morgens, denn die Sonne war noch nicht aufgegangen. Während ihrer Unterhaltung warfen sie oft einen Blick nach der geheimen Tür. Sie öffnete sich endlich: Die Sultanin erschien mit ihren Frauen und den zehn verkleideten Schwarzen. Sie rief: "Masud!", und der Sultan sah mehr, als er bedurfte, um völlig von seiner Entehrung und seinem Unglück überzeugt zu sein. "O Himmel!", rief er aus, "welche Herabwürdigung, welche Abscheulichkeit! Die Gemahlin eines Fürsten, wie ich bin, kann einer solchen Ehrlosigkeit fähig sein? Welcher Fürst darf nun noch sich rühmen, vollkommen glücklich zu sein? Ach, mein Bruder!", fuhr er fort, indem er den König der Tatarei umarmte, "lass uns beide der Welt entsagen. Treue und Glauben ist daraus entwichen: Schmeichelt sie auf der einen Seite, so verrät sie auf der anderen. Wir wollen unsere Reiche und allen Glanz, der uns umgibt, verlassen, und in fremden Ländern unser Leben in Dunkelheit hinschleppen und unser Unglück verbergen." Schachsenan billigte diesen Entschluss nicht. Bei der Heftigkeit, worin er seinen Bruder sah, wagte er jedoch nicht, ihm zu widersprechen. "Mein Bruder," sagte er zu ihm, "ich habe keinen anderen Willen, als den deinen: Ich bin bereit, dir überall zu folgen, wohin du willst: Aber versprich mir, dass wir zurückkehren, wenn wir jemand finden, der noch unglücklicher ist, als wir." - "Ich verspreche es dir," antwortete der Sultan; "aber ich zweifle, dass wir einen solchen finden können." - "Ich bin hierin nicht deiner Meinung," erwiderte der König der Tatarei, "vielleicht werden wir sogar nicht weit dafür reisen müssen." Während diesem Gespräch gingen sie heimlich aus dem Palast, und schlugen einen andern Weg ein, als der, auf welchem sie gekommen waren. Sie wanderten den ganzen Tag, und brachten die erste Nacht unter einem Baum zu. Frühmorgens standen sie auf, und setzten ihre Wanderung fort, bis sie auf eine schöne Wiese am Ufer des Meeres kamen, wo hin und wieder hohe und dichtbelaubte Bäume standen. Sie setzten sich unter einem dieser Bäume nieder, um sich auszuruhen und zu erfrischen. Die Treulosigkeit ihrer Frauen war der Gegenstand ihres Gesprächs. Sie hatten noch nicht lange so gesessen, als sie ganz nahe bei sich ein furchtbares Getöse und ein schreckliches Geheul hörten, welches sie mit Grauen erfüllte. Bald tat das Meer sich auf, und es erhob sich daraus, eine dicke schwarze Säule, welche sich in den Wolken zu verlieren schien. Diese Erscheinung verdoppelte ihr Schrecken, sie standen eilig auf und stiegen auf einen Baum, der ihnen am tauglichsten schien, sie zu verbergen. Kaum waren sie droben, als sie, sich umschauend nach der Stelle, wo das Getöse herkam und das Meer sich aufgetan hatte, bemerkten, dass die schwarze Säule das Wasser durchfurchte und sich gegen das Ufer bewegte; sie konnten im Augenblick nicht unterscheiden, was es eigentlich war. Aber bald erblickten sie deutlich einen furchtbaren Gegenstand. Es war einer von jenen bösen und den Menschen todfeindlichen Geistern. Er war schwarz und scheußlich. Er hatte die Gestalt eines Riesen von ungeheurer Größe, und trug auf seinem Haupt einen großen Glaskasten, der mit vier Schlössern von feinem Stahl verwahrt war. Mit dieser Bürde betrat er die Wiese, und setzte sie an dem Fuß desselben Baumes nieder, auf welchem die beiden Fürsten versteckt waren. Da sie nun die große Gefahr erkannten, in welcher sie schwebten, und sich schon verloren glaubten. Der Geist setzte sich neben dem Kasten nieder, öffnete ihn mit vier Schlüsseln, welche er an seinem Gürtel trug, und ließ eine Frau heraus, die höchst kostbar gekleidet, von stolzem Wuchse und vollkommener Schönheit war. Das Ungeheuer ließ sie an seiner Seite nieder sitzen, blickte sie verliebt an, und sprach: "Vollkommenste aller Weiber, welche durch ihre Schönheit bewundert sind, liebenswürdigste Frau, die ich an ihrem Hochzeittag entführt, und seitdem immer so standhaft geliebt habe, erlaube, dass ich ein wenig bei dir ruhe. Ich fühle mich vom Schlaf überwältigt, und habe diesen Ort erwählt, um der Ruhe zu genießen." Indem er dieses sagte, ließ er sein großes Haupt in den Schoß der Frau sinken. Nachdem er seine Füße ausgestreckt hatte, welche bis ans Meer reichten, schlief er bald ein, und schnarchte dermaßen, dass das Gestade davon wieder hallte. Da blickte die Frau zufällig empor, und als sie die beiden Fürsten oben auf dem Baume sah, gab sie ihnen ein Zeichen mit der Hand, leise herab zu steigen. Beider Schreck war nicht klein, als sie sich entdeckt sahen. Sie baten die Frau durch andere Zeichen, ihnen den Gehorsam zu erlassen. Sie aber, nach dem sie das Haupt des Geistes säuberlich von ihrem Schoß gehoben und sanft auf die Erde gelegt hatte, stand auf, und rief ihnen mit leiser, aber lebhafter Stimme zu: "Steigt herab, ihr müsst durchaus zu mir kommen." Vergeblich wollten jene noch durch Gebärden ihr begreiflich machen, dass sie sich vor dem Riesengeist fürchteten. Sie erwiderte ihnen mit demselben Ausdruck: "Wenn ihr nicht eilt, mir zu gehorchen, so werde ich ihn aufwecken und selber euren Tod von ihm verlangen." Diese Worte erschreckten die beiden Fürsten derart, dass sie langsam hinab stiegen, mit aller möglichen Vorsicht, um den Geist nicht aufzuwecken. Als sie drunten waren, nahm die Frau sie bei der Hand, und nachdem sie sich mit ihnen ein wenig unter die Bäume entfernt hatte, machte sie ihnen freimütig einen sehr lebhaften Antrag. Jene weigerten sich anfangs. Die Frau aber zwang sie durch neue Drohungen, ihr zu willfahren. Nachdem sie von ihnen erlangt hatte, was sie wünschte, bemerkte sie, dass jeder von ihnen einen Ring am Finger trug, und begehrte diese von ihnen. Sobald sie dieselben in Händen hatte, ging sie hin und holte eine Schachtel aus dem Bündel, welches ihre Putz enthielt. Daraus zog sie eine Schnur hervor, auf welche viele andere Ringe aller Art gereiht waren, und zeigte sie ihnen, indem sie sagte: "Wisst ihr wohl, was diese Kleinode bedeuten?" - "Nein," antworten sie, "aber es kommt nur auf dich an, es uns zu erklären." - "Dies sind," fuhr sie fort, "die Ringe von all den Männern, denen ich meine Gunst geschenkt habe. Es sind ihrer 98, wohl gezählt, welche ich zu ihren Andenken bewahre. Ich habe aus demselben Grunde die eurigen von euch verlangt, und um endlich das hundert voll zu haben." "So sind es denn," fuhr sie fort, "hundert Liebhaber, welche ich bis auf diesen Tag gehabt habe, trotz der Wachsamkeit und Vorsicht dieses schnöden Geistes, welcher mich nimmer verlässt. Er mag mich immerhin in diesen Glaskasten einschließen und mich im Grunde des Meeres verbergen, ich ermangele dennoch nicht, alle seine Vorkehrungen zu Schanden zu machen. Ihr seht hieraus, dass wenn eine Frau einmal einen Vorsatz gefasst hat, weder ein Ehemann noch ein Liebhaber vermag, sie an der Ausführung zu verhindern. Die Männer würden besser tun, uns keinen Zwang aufzulegen: Das wäre das Mittel, uns vernünftig zu machen." Nachdem die Frau also zu ihnen geredet hatte, zog sie ihre beiden Ringe auf dieselbe Schnur, auf welche die übrigen gereiht waren. Darauf setzte sie sich wieder auf ihre Stelle hin, hob das Haupt des Geistes auf, ohne dass er erwachte, legte es wieder in ihren Schoß, und gab den Fürsten ein Zeichen, sich zu entfernen. Sie kehrten denselben Weg zurück, den sie gekommen waren, und als sie der Frau mit dem Unhold aus dem Gesicht waren, sagte Schachriar zu Schachsenan: "Wohlan, mein Bruder, was dünkt dich von dem Abenteuer, das uns soeben aufgestoßen ist? Hat der Geist nicht ein recht treues Liebchen? Und musst du nicht gestehen, dass der Weiberlist nichts gleichkommt?" - "Ja wohl, lieber Bruder," antwortete der König der großen Tatarei. "Und du musst auch eingestehen, dass der Geist mehr zu beklagen und unglücklicher ist, als wir. Drum also, weil wir gefunden haben, was wir suchten, lass uns heimkehren in unser Reich, und uns hierdurch nicht abhalten, uns wieder zu vermählen. Was mich betrifft, so weiß ich wohl ein Mittel, durch welches die mir schuldige Treue unverletzt gehalten werden soll. Ich will mich gegenwärtig nicht weiter darüber erklären. Aber du wirst einst davon hören, und ich bin sicher, dass du meinem Beispiel folgen wirst." Der Sultan stimmte seinem Bruder bei und beide setzten ihren Weg fort und kamen mit Ende der Nacht wieder ins Lager zurück, drei Tage nach ihrer Auswanderung. Als die Neuigkeit von der Rückkehr des Sultans sich dort verbreitet hatte, versammelten die Hofleute sich frühmorgens vor seinem Zelt. Er ließ sie eintreten, empfing sie heiterer, als gewöhnlich, und ließ ihnen Geschenke austeilen. Darauf erklärte er, dass er nicht weiter jagen wollte, befahl ihnen aufzusitzen, und kehrte nach seinem Palast zurück. Kaum war er angekommen, so rannte er nach dem Zimmer der Sultanin. Er ließ sie auf der Stelle binden, und überlieferte sie seinem Großwesir, mit dem Befehl, sie erdrosseln zu lassen. Was dieser Minister auch sogleich ausrichtete, ohne sich zu erkundigen, welches Verbrechens sie schuldig wäre. Der gereizte Fürst blieb dabei nicht stehen: Er schlug mit eigener Hand allen Weibern der Sultanin die Köpfe ab. Nach diesem scharfen Gerichte beschloss er, in der Überzeugung, dass es keine getreue Frau gäbe, jede Nacht eine neue zu nehmen, und, um ihrer Treulosigkeit zuvorzukommen, dieselbe am folgenden Morgen hinrichten zu lassen. Nachdem er sich dieses grausame Gesetz auferlegt hatte, schwur er, es sogleich nach der Abreise des Königs der Tatarei zu beobachten. Dieser nahm bald darauf Abschied von ihm, und begab sich, mit kostbaren Geschenken überhäuft, auf den Weg. Nachdem Schachsenan abgereist war, befahl Schachriar sogleich seinem Großwesir, ihm die Tochter eines seiner Feldherren vorzuführen. Der Wesir gehorchte. Der Sultan schlief mit ihr eine Nacht, und am Morgen übergab er sie ihm, um sie hinrichten zu lassen, zugleich mit dem Befehl, ihm eine andere Frau für die nächste Nacht zu bringen. Wie sehr es dem Wesir widerstrebte, dergleichen Befehle auszuführen, gleichwohl war er dem Sultan, seinem Herrn, einen blinden Gehorsam schuldig, und musste sich ihnen unterwerfen. Er brachte ihm also die Tochter eines unteren Beamten, welche ebenfalls am nächsten Morgen hingerichtet wurde. Auf diese folgte die Tochter eines Bürgers aus der Hauptstadt. Kurz, jeden Tag wurde also eine Jungfrau vermählt und eine Frau getötet. Das Gerücht von dieser Unmenschlichkeit ohne Beispiel verbreitete eine allgemeinen Bestürzung in der Stadt. Man hörte darin nur Heulen und Wehklagen. Hier war es ein weinender Vater, in Verzweiflung über den Verlust seiner Tochter, dort waren es zärtliche Mütter, welche, für ihre Kinder dasselbe Schicksal befürchtend, die Luft mit ihrem Jammergeschrei erfüllten. Und anstatt der Lobeserhebungen und Segnungen, welche der Sultan sich bisher erworben hatte, stießen gegenwärtig alle seine Untertanen nur Verwünschungen gegen ihn aus. Der Großwesir, welcher, wie gesagt, wider seinen Willen der Vollstrecker einer so empörenden Ungerechtigkeit war, hatte zwei Töchter, von denen die ältere Scheherasade und die jüngere Dinarsade hieß. Diese letzte war nicht ohne Vorzüge. Die erste aber besaß einen Mut über ihr Geschlecht hinaus, viel Geist und bewundernswürdigen Scharfsinn. Sie hatte dabei eine große Belesenheit und ein erstaunliches Gedächtnis, so dass ihr nichts entfiel von allem, was sie gelesen hatte. Mit Erfolg hatte sie sich der Weltweisheit, der Arzneikunde, der Geschichte und der schönen Künste beflissen und sie machte bessere Verse als die berühmtesten Dichter ihrer Zeit. Über dies alles war sie mit einer außerordentlichen Schönheit begabt und eine fest gegründete Tugend krönte alle ihre schönen Eigenschaften. Der Wesir liebte aufs innigste eine seiner Zärtlichkeit so würdige Tochter. Eines Tages, als er sich mit ihr unterhielt, sprach sie zu ihm: "Mein Vater, ich habe euch um eine Gnade zu bitten, und ich flehe inständigst, sie mir zu gewähren." - "Ich werde sie dir nicht versagen," antwortete er, "vorausgesetzt, dass sie gerecht und verständig sei." - "Was jenes betrifft, so kann nichts gerechter sein, und ihr könnt davon aus dem Beweggrund urteilen, welcher mich antreibt, euch darum zu bitten. Ich habe die Absicht, den Lauf dieser Barbarei zu hemmen, welche der Sultan über die Familien unserer Stadt verhängt. Ich will die Besorgnisse so vieler Mütter zerstreuen, welche ihre Töchter auf eine so unselige Weise zu verlieren fürchten." - "Deine Absicht ist sehr löblich, meine Tochter," sagte der Wesir. "Aber das Übel, welches du heilen willst, scheint mir ohne Heilmittel. Auf welche Weise gedenkst du zum Ziel zu kommen?" - "Mein Vater," entgegnete Scheherasade, "da der Sultan durch eure Vermittlung täglich eine neue Hochzeit feiert, so beschwöre ich euch, bei der herzlichen Zärtlichkeit, welche ihr für mich habt, mir die Ehre seines Beilagers zu verschaffen." Der Wesir konnte diese Rede nicht ohne Entsetzen anhören. "O Gott!", unterbrach er sie mit Ungestüm, "hast du den Verstand verloren, meine Tochter? Wie kannst du mir eine so gefährliche Bitte tun? Du weißt, dass der Sultan bei seiner Seele geschworen hat, nur eine einzige Nacht mit derselben Frau zu schlafen, und ihr am nächsten Morgen das Leben nehmen zu lassen, und du willst, dass ich ihm antrage, dich zu heiraten? Bedenkst du wohl, welcher Gefahr dein unzeitiger Eifer dich aussetzt?" - "Ja, mein Vater," antwortete diese tugendhafte Tochter, "wohl kenne ich alle die Gefahr, die mir droht, und doch vermag sie mich nicht abzuschrecken. Wenn ich umkomme, so wird mein Tod ruhmvoll sein, wenn aber mein Unternehmen mir gelingt, so werde ich meinem Vaterland einen wichtigen Dienst leisten." "Nein, nein," sagte der Wesir, "was du mir auch vorstellen magst, um mich zu der Erlaubnis zu bewegen, dich in diese furchtbare Gefahr zu stürzen, bilde dir nicht ein, dass ich einwillige. Wenn der Sultan mir befehlen würde, dir den Dolch in die Brust zu stoßen, wehe mir! Ich müsste ihm ja gehorchen. Welch ein Auftrag für einen Vater! Ach, wenn du den Tod nicht fürchtest, so fürchte wenigstens doch, mir den tödlichen Schmerz zu verursachen, dass ich meine Hand mit deinem Blut färben müsste." "Noch einmal, lieber Vater," sagte Scheherasade, "gewährt mir die Gnade, um welche ich euch bitte." - "Dein Starrsinn," erwiderte der Wesir, "erregt meinen Zorn. Warum willst du selber in dein Verderben rennen? Wer nicht das Ende einer gefährlichen Unternehmung absieht, wird nimmer glücklich daraus kommen. Ich fürchte, es wird dir begegnen, was jenem Esel begegnete, welcher sich in einer glücklichen Lage befand, aber sich nicht darin zu erhalten wusste." - "Welches Unglück begegnete denn diesem Esel?", fragte Scheherasade. "Ich will es dir erzählen," antwortete der Wesir, "höre mir zu:"..."

Wie es weiter geht, könnt ihr unter folgendem Link lesen:

Geschichten aus 1000 Nacht

http://www.maerchen.org/1001nacht/geschichte-des-koenigs-kalad.htm


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