Es war eine ganz besondere Puppe. Sie war fast so groß wie Momo selbst und so naturgetreu gemacht, daß man sie beinahe für einen kleinen Menschen halten konnte. Aber sie sah nicht aus wie ein Kind oder ein Baby, sondern wie eine schicke junge Dame oder eine Schaufensterfigur.
Momo starrte sie fasziniert an. Als sie sie nach einer Weile mit der Hand berührte, klapperte die Puppe einige Male mit den Augendeckeln, bewegte den Mund und sagte mit einer Stimme, die etwas quäkend klang, als käme sie aus einem Telefon: ‚Guten Tag. Ich bin Bibigirl, die vollkommene Puppe.‘ Momo fuhr erschrocken zurück, aber dann antwortete sie unwillkürlich: ‚Guten Tag, ich heiße Momo.‘ Wieder bewegte die Puppe ihre Lippen und sagte: ‚Ich gehöre dir. Alle beneiden dich um mich.‘ ‚Ich glaub’ nicht, daß du mir gehörst‘, meinte Momo. ‚Ich glaub’ eher, daß dich jemand hier vergessen hat.‘ Sie nahm die Puppe und hob sie hoch. Da bewegten sich deren Lippen wieder und sie sagte: ‚Ich möchte noch mehr Sachen haben.‘
Die Puppe sagte nichts und Momo stieß sie an. ‚Guten Tag‘, quäkte die Puppe, ‚ich bin Bibigirl, die vollkommene Puppe.‘ ‚Ja‘, sagte Momo, ‚ich weiß schon. Aber du wolltest dir doch was aussuchen, Bibigirl. Hier hab’ ich zum Beispiel eine schöne rosa Muschel. Gefällt sie dir?‘ ‚Ich gehöre dir‘, antwortete die Puppe, ‚alle beneiden dich um mich.‘ ‚Ja, das hast du schon gesagt‘, meinte Momo. ‚Aber wenn du nichts von meinen Sachen magst, dann können wir vielleicht spielen, ja?‘ ‚Ich möchte noch mehr Sachen haben‘ Und so verhinderte Bibigirl gerade dadurch, daß sie redete, jedes Gespräch. Nach einer Weile überkam Momo ein Gefühl, das sie noch nie zuvor empfunden hatte. Und weil es ihr ganz neu war, dauerte es eine Weile, bis sie begriff, daß es die Langeweile war.
Aus dem Buch „Momo“ von Michael Ende
Hier handelt es sich um ein Naturschutzgebiet/Biotop (Naturschutzgebiet Elster- und Pleiße - Auewald), die offiziellen Wege müssen zu keiner Zeit verlassen werden. Der Cache liegt nicht im Grünen.