Allgemeines
Die Osterau gehört zu den wenigen schleswig-holsteinischen Fließgewässern, die nicht vollständig begradigt wurden. Sie weist in längeren Abschnitten noch einen naturnah gewundenen (mäandrierenden) Verlauf auf. Das markante, tief in den Sanderflächen eingeschnittene Tal des typischen Geestbaches ist vielfältig gegliedert. Deshalb und aufgrund des insgesamt guten ökologischen Zustandes gehört die Osterau zu den besonders schützenswerten Fließgewässern in Deutschland.
Ein Erbe der letzten Kaltzeit
Die Osterau verläuft in einem alten Urstromtal, das zum Ende der Weichsel-Vereisung große Mengen an Schmelzwasser sowie Sand von den abtauenden Gletschern abführte. In der Nacheiszeit entstanden beidseitig der Osterau großflächige Flugsand- und Dünenfelder. Niederungen sowie ausgeblasene Dünensenken vermoorten und neben kleineren Dünen- und Kesselmooren entwickelten sich großflächige Hochmoorkomplexe wie das Stellbrookmoor (in der Nähe vom Wildpark-Eekholt). Trotz abschnittsweiser Begradigung der Osterau und teilweise intensiver Nutzung des Talraums blieben Reste der Ursprünglichkeit und Vielfalt der Geestlandschaft erhalten. So finden mit der Zeit immer mehr seltene Tier- und Pflanzenarten hier wieder großflächige Lebensräume mit ihnen zusagenden Bedingungen vor.
Mäander
Mäander ist die Bezeichnung für eine Flussschlinge in einer Abfolge von solchen, wie sie sich in Abschnitten mit geringem Sohlgefälle und gleichzeitig transportiertem Geschiebe (Sand, Kies, Steine) bildet. Als einfaches Maß für die Intensität des Mäandrierens wird die Sinuosität verwendet. Sie errechnet sich aus der Länge des Flussabschnitts und der Luftlinie (Distanz) zwischen Anfangs- und Endpunkt.
Ursache
Ursache der Mäandrierung ist eine durch die Bodenreibung des Wassers verursachte Querzirkulation, die entlang des Flussbodens von der kurvenäußeren Seite zur kurveninneren Seite führt und an der Flussoberfläche zurück zur kurvenäußeren Seite führt. Hierdurch wird Material des Flussbodens von außen nach innen getragen und die Kurven immer weiter. Auslöser können schon leichte Unregelmäßigkeiten im Flussbett sein (z.B. Gesteine, Felsbrocken oder Pflanzen), um die Flussströmung zu beeinflussen und an eine Uferseite zu lenken. Das Ufer, auf das die Strömung trifft, nennt man Prallhang. Dort wird durch das Wasser Material wie Sand, Steine und Boden abgetragen. Dieses Material wird dann mit der Strömung weitergetragen und am gegenüberliegenden Prallhang, dem Gleithang durch eine geringere Strömungsgeschwindigkeit wieder abgelagert. Bei diesem Zusammenspiel entsteht ein Prozess, indem sich der Flusslauf mit der Zeit in Richtung des Prallhangs ausbreitet. Dieser weicht mit der Zeit immer weiter zurück und der Gleithang auf der gegenüberliegenden Seite bildet sich immer weiter aus, sodass ein neues Ufer entsteht. Die Kurven im Flusslauf prägen sich nach und nach immer weiter aus und eine Mäanderform entsteht.
Hjulström-Diagramm
Um zu erkennen, ob an den Flusskurven eine Mäandrierung voranschreitet, kann man auch mittels des Hjulström-Diagrammes ablesen. Es ist benannt nach dem schwedischen Geographen Filip Hjulström (1902–82) und beschreibt die Stabilität von klastischen Sedimentablagerungen oder anderen Partikelakkumulationen (z. B. Regolith bzw. Boden) hinsichtlich der Fließgeschwindigkeit von Wasser. Das Hjulström-Diagramm zeigt somit den Zusammenhang zwischen Korngröße und Fließgeschwindigkeit. Es gliedert sich in drei Bereiche ein, der Erosion, dem Transport und der Sedimentation. Das Hjulström-Diagramm gilt nur für Lockermaterial, da andere Materialien wie beispielsweise Ton im Gegensatz zu Feinsand oder Schluff höhere Fließgeschwindigkeiten benötigen, damit eine Erosion einsetzt.
Erosion: Je nach Korngröße der Materialien sind Fleißgeschwindigkeiten notwendig, bei denen die Partikel erodiert (abgetragen) werden.
Transport: In diesem Übergangsbereich findet der Transport der Partikel statt. Mit den wechselnden Fließgeschwindigkeiten auf den Uferseiten werden die Korngrößen so unterschiedlich weit transportiert.
Sedimentation: Je nach Korngröße der Materialien sind die Fleißgeschwindigkeiten zu gering für einen Transport, sodass die Partikel hier abgelagert werden.

Uferbeschaffenheit
Auf den Flusslauf der Osterau projiziert zeigt sich folgendes Bild. Die Außenseite und die Innenseite des gezeigten Flussabschnitts der Osterau haben unterschiedliche Ufer. Dabei wechseln sich diese Ufer in jeder Kurve von Prall- und Gleithang ab. Der Prallhang charakterisiert sich oft durch ein Steilufer, welches immer leicht unterspült wird, wenn es keinen Eingriff von Menschen zum Schutz gibt. Der Gleithang charakterisiert sich als flaches Ufer, welches meistens aus Sandbänken besteht. Aufgrund der geringen Flussströmung der Osterau geht der Prozess der Mäandrierung hier sehr langsam voran.
