Mit dem Abriss geht auch ein Stück Wirtschaftsgeschichte der Freiherr-vom-Stein-Stadt zu Ende, das bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückreicht. 1850 gründete Heinrich Winterwerb die Brauerei, sein Sohn Carl errichtete 1873 den großen Bierkeller, der heute als Veranstaltungsraum im Günter-Leifheit-Kulturhaus dient. 1889 wurde die Brauerei an die Nassauer Aktienbrauerei Lahntal veräußert.
Die Geschichte der heute in Singhofen ansässigen „Nassauer Löwenbrauerei“ begann im Jahr 1905. Damals erwarb das neu gegründete Unternehmen die Brauerei im Obertal. Sechs Jahre später, 1911, ließen die Eigentümer die alten Firmengebäude abreißen und durch größere ersetzen, die nach Aussage eines Zeitgenossen eine „Zierde im Stadtbild“ gewesen sein sollen. Nach dem Ersten Weltkrieg verlor die Löwenbrauerei ihre Eigenständigkeit: Im Jahr 1922 wurde zum letzten Mal Bier im Obertal gebraut; neue Eigentümerin wurde die Koblenzer Königsbacher Brauerei. Zurück blieb ein Getränkehandel mit Kunden in Westerwald und Taunus.
Am 19. März 1945, dem Tag, an dem Koblenz kapitulierte, wurde die Nassauer Löwenbrauerei stark zerstört. Doch gleich nach dem Krieg begann der Wiederaufbau, um baldmöglichst die Kunden an der Lahn, im Westerwald und Taunus wieder beliefern zu können. Um- und Anbauten ließen das Unternehmen und das Einzugsgebiet schnell wachsen.
1998 verlegte die Löwenbrauerei ihren Firmensitz nach Singhofen, wo sie ihren Schwerpunkt als Dienstleistungsbetrieb setzte.
Auf dem ehemaligen Brauereigelände in Nassau will die Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft Rhein-Lahn für rund 1,7 Millionen Euro ein Haus mit zwölf Wohneinheiten für generationenübergreifendes Zusammenleben errichten. Außerdem ist ein Parkdeck mit 40 Stellplätzen und 13 Stellplätzen im Hof geplant.