Alter Bahnhof
Der alte Bahnhof bei Wackernheim war ein Teil der Linie I zwischen Wackernheim, Finthen und der Kaiserbrücke, deren Bau im Jahre 1912 begonnen und ein Jahr später abgeschlossen wurde. Die soeben genannte Linie I war wiederum Teil des neuen Schienennetzes, welches die Festungslinie der Selzstellung durch eine Eisenbahn erschließen sollte. Vor diesem Hintergrund berichtete die Mainzer Zeitung am 7. Dezember 1908 über ein Ereignis, das für Rheinhessen sehr bedeutsam war: Dem Bau einer neuen Eisenbahn im Halbkreis von Rhein zu Rhein.
Zunächst war vorgesehen, an der Kaiserbrücke in Mainz eine Entladestelle zu errichten, die mit der Entladestelle in Weisenau durch eine eigene Militärische Bahn verbunden sein sollte. Zu diesem Zweck war der größte Teil der Linie I im Herbst 1912 mit einer Spurbreite von 600 mm fertiggestellt worden. So konnte am 23. Oktober 1912 der Offizier vom Platz dem Mainzer Oberbürgermeister berichten, eine weitere Linie Wackernheim - Finthen sei im Bau.
Zu Beginn des Jahres 1913 wurde jedoch die zu großen Teilen fertig gestellte Bahnstrecke umgespurt. Demnach wurden die 600-mm-Gleise abgerissen und neue Gleise wurden mit einer Spurbreite von 1000 mm zwischen Wackernheim und dem neuen Endpunkt Finthen verlegt. Da die Festungswerke der Selzstellung von dort aus noch mehrere Kilometer entfernt waren und die transportierten Güter von der Kaiserbrücke dort hn gebracht werden mussten, wurde kurzfristig ein großer Umladebahnhof in Wackernheim gebaut. Mit diesen Umbaumaßnahmen wurde offensichtlich, dass der Plan eines durchgehenden eigenständigen militärischen Bahnrings um Mainz von Rhein zu Rhein gescheitert war und nicht mehr umgesetzt werden sollte.
Nach dem Ende des ersten Weltkrieges hatte es so ausgesehen, als könnte die Bahn zivil genutzt werden. Dies belegt ein Foto, welches Männer, Frauen und Kinder vor der Lokomotive und den Wagen einer Festungsbahn zeigt, auf denen das Schild mit der Aufschrift "Wackernheim - Weisenau" zu sehen ist. Der hohe Baumbewuchs im Hintergrund und das Fehlen von Soldaten sprechen dafür, dass dieses Foto nach dem Krieg gemacht wurde und die Festungsbahn auch für den Personenverkehr eingesetzt worden war.
Allerdings mussten im Jahr 1921 die Festungsbahnen gescdhleift werden, die deutschen Behörden jedoch glaubten, für den Erhalt der Bahnen einen guten Kompromiss gefunden zu haben. In deren Erhaltungsantrag machten sie zur Geltung, dass die Streckenführung der Bahn auf die spätere wirtschaftliche Nutzung ausgerichtet gewesen sei. Insbesondere für die landwirtschaftliche Nutzung durch das Abtransportieren von landwirtschaftlichen Erzeugnissen wie Zucker und Dickrüben sowie Interessen von verschiedenen Unternehmen sei der Erhalt der Bahn von Bedeutung. Auch für eine bessere Anbindung durch den ÖPNV sei dadurch gesorgt.
Die IMKK (Interalliierte Militär-Kontrollkommission) ließ sich von diesen Argumenten jedoch nicht überzeugen. In ihren Entscheidungen vom 1. Juni und 12. September 1921 genehmigten die Alliierten lediglich die dauerhafte Erhaltung des Streckenabschnittes von Finthen bis Wackernheim wegen der Anbindung an den französischen Flugplatz. Dies bedeutete das Aus für die Festungsbahn, so dass die Gleise bis zum 15. März 1922 entfernt wurden und der Schotter für Straßenausbesserungen genutzt wurde.
Wegen technischer Probleme mit den eingesetzten Benzoltriebwagen verzichteten die Franzosen im September 1927 auch auf die Benutzung der Strecke zwischen Wackernheim und Finthen. Die Schienen wurden abgebaut. Heute sind einzelne Abschnitte der Festungsbahn noch am angrenzenden Bewuchs mit Bäumen zu erkennen. Das fast 76 m lange Gerippe des Umladebahnhofes ist in Wackernheim erhalten geblieben. Es handelt sich dabei um das größte Bauwerk, das vom äußeren Ring der Festung übrig geblieben ist. Der zerfallende Bahnhof erinnert daran, dass bei einem anderen Kriegsverlauf eine große Menge an Kriegsmaterial umgeladen worden wäre, das Tod und Zerstörung in Rheinhessen zur Folge gehabt hätte.
Quelle: Büllesbach, Rudolf; Hollich, Hiltrud; Tautenhahn, Elke, 2014: Bollwerk Mainz - Die Selzstellung in Rheinhessen, S.96, 103, 104, 109, 189, 190, morisel Verlag, 2. Auflage, München
Beim Loggen der beiden Mysteries in Mainz Layenhof ist uns bereits auf der Karte dieser alte Bahnhof aufgefallen. An einem so interessanten Ort aus dem 1. WK fehlte einfach noch ein Cache, sodass wir unseren ersten dort auslegen und euch diesen Ort näher zeigen möchten.
In das Gelände selbst kommt man leider nicht rein, da alles abgezäunt ist.
Der Weg dorthin kann sehr matschig sein. In unmittelbarer Nähe des Bahnhofs befindet sich eine Pferdekoppel, weshalb auf Muggelgefahr hingewiesen wird. Bitte verhaltet euch dementsprechend.
Wenn jemand nähere Infos zu diesem Bauwerk erzählen kann, freuen wir uns sehr etwas darüber in euren Logeinträgen zu erfahren.
Viel Spaß beim Finden.