Beim Stellmacher in Roda
Im angrenzenden Grundstück mit der Hausnummer 23 befand sich bis Anfang der 1950er Jahre eine Stellmacherwerkstatt. Ein Stellmacher stellte in seiner Werkstatt vorwiegend landwirtschaftliche Geräte für die Feld- und Gartenarbeit aus Holz her.
Dazu gehören Wagen, Wagenräder, Holzrechen, Sensenbäume, Schaufel-, Gabel- und Hackenstiele, Holzteile für Pflüge aber auch Leitern, Zäune und Scheunentore.
Strengenommen bezieht sich der Begriff Stellmacher nur auf die Anfertigung von Wagengestellen. Die Räder konnten auch unabhängig vom Stellmacher vom Radmacher angefertigt werden. Auf jeden Fall war die Anfertigung eines Speichenrades eine der anspruchsvollsten Arbeiten des Stellmachers. Das Anbringen von Eisenbeschlägen am Wagen war jedoch die Aufgabe des Schmiedes, eines weiteren wichtigen Berufsstandes im landwirtschaftlichen Umfeld.
Zur Ausrüstung einer Stellmacherei gehörten neben Hobelbänken verschiedene Maschinen.
Wichtige davon sind:
- Bandsäge
- Abrichte (Hobelmaschine)
- Radmaschine (eine Art Drechselbank zur Anfertigung der Holznaben und dem Bohren von Zapfenlöcher für die Speichen)
- Schleifstein zum Schärfen von Werkzeugen (oftmals im Freien aufgestellt und über eine Welle von der Werkstatt aus angetrieben)
- Schnittebank oder Schnitzelbank (Bearbeitung von Stielen mit dem Schnittemesser im Sitzen)
- Kessel zum Kochen der Naben (in die aufgeweichte Nabe wurden dann die Speichen gesteckt, nach dem Trocknen saß sie dann fest)
- Späneofen (zum Beheizen der Werkstatt mit den anfallenden Hobelspänen)
Der Antrieb der Maschinen erfolgte meist über eine Transmission (System aus Wellen Riemenscheiben und Treibriemen mit Abkoppelmöglichkeiten) von einem einzigen Drehstrommotor aus.
Von den aufgezählten Maschinen ist in der Werkstatt auf dem Grundstück Nr. 23 nur noch die Bandsäge und ein Rest der unter dem Fußboden installierten Transmission vorhanden. Im Garten hinter der Werkstatt stand früher noch ein Sägegatter, das ebenfalls von der Transmission angetrieben wurde. Dazu war die Transmissionswelle unterirdisch aus dem Gebäude herausgeführt worden. Die Zuführung des Holzes zum Gatter erfolgte mittels kleiner Feldbahnwagen, die auf schmalspurigen Schienen fuhren und bis zur Straße verlegt waren. Der Holzlagerplatz befand sich außerhalb des Grundstückes auf der anderen Straßenseite. In der Wand zum Nachbargrundstück gab es im Bereich der Abrichte ein kleines Türchen, das geöffnet werden konnte, wenn sehr lange Werkstücke gehobelt werden sollten. In der Wand der Scheune vom Nachbargrundstück gibt es ein ebensolches Türchen noch. Das Werkstück konnte dadurch sehr lang sein und bis in die Nachbarscheune geschoben werden.
Nebenbei soll nach erwähnt werden, dass der Cache am Ökumenischen Pilgerweg von Görlitz nach Vacha liegt.
Hausnummer 23 früher
Stellmacher vor der Werkstatt
Bierkrugdeckel der Rodaer Stellmacher