Vielleicht kennt ihr diese schöne Stelle am Rhein zwischen Büderich und Ilverich schon. Hier gibt es eine geologische Besonderheit, die sogar vom Geologischen Dienst des Landes NRW als Geotop anerkannt wird und damit besonderen Schutz geniesst:

Was sind das für Steine?
Es handelt sich um Braunkohlenquarzit (auch Lochquarzit oder Knollenstein genannt) aus dem Tertiär. Das Alter wird auf 23 Mio bis 5 Mio Jahre geschätzt. Da die Steine auf erdgeschichtlich jüngeren Schichten aufliegen, sind sie nicht hier entstanden, sondern vermutlich über Eisschollen antransportiert worden (Glazialer Transport, "Driftblöcke"). Charakteristisch sind die im Gestein enthaltenen Löcher.
Wie ist Tertiätquarzit entstanden?
Der Grundstoff der Quarzite ist Sand. Bei einem als Verkieselung bezeichnetem Vorgang versickerte siliziumhaltige Kieselsäure und kam als Quarz zur Ausfällung. Dieser verband sich mit den vorhandenen Sanden zu einem festen Gestein. Mit der im Namen genannten Braunkohle hat der Quarzit außer der Entstehung im gleichen Erdzeitalter nichts zu tun.
Welche Bedeutung haben die Steine in der jüngeren Geschichte?
Zunächst mitten im Rhein befindlich und bereits im 17. Jhd erwähnt, wurden diese langen Felsformationen als "Steinerne Bänke" bezeichnet. 1884/1885 wurden sie zum Schutz der Rheinschifffahrt gesprengt und an die linke (Meerbuscher) Rheinseite verfrachtet.
Die in der Bevölkerung bekannte Bezeichnung "Hungersteine" rührt daher, dass die steinernen Bänke bei Niedrigwasser besonders zu sehen waren. Dieses trat bei trockener Witterung, manchmal verbunden mit schlechten Ernten, auf.
Was hat es mit den Löchern auf sich?
Löcher in Steinen können ganz verschiedene Ursachen haben. Bei den bekannten "Hühnergöttern" handelt es sich um Feuersteine, bei denen weiche Kreideeinlagerungen herausgewittert sind. Grundsätzlich können Materialunterschiede zur Lochbildung führen, besonders in Verbindung mit Verwitterung durch Frost, Wasser etc.
Auch fossile Einschlüsse können für Lochbildung im Gestein verantwortlich sein. Löcher in Kalksteinen entstehen häufig durch Meeresbewohner.
Die Löcher in den hiesigen Tertiärquarziten haben eine besondere Geschichte: Sie entstanden durch Verwitterung der Wurzelgänge der zur Entstehungszeit vorhandenen Vegetation. Übrig blieben die Hohlräume. Selten ist noch die Maserung der Pflanzen als Abdruck in den Löchern erkennbar.
Die Vegetation zu dieser Zeit war geprägt vom Übergang der Nacktsamer (Lärche, Kiefer) zu Bedecktsamern (Buche, Blütentragende). Die an und in den Quarziten wachsenden Pflanzen versteinerten nicht, sondern verfielen der Fäulnis, übrig blieben die genannten Löcher.
Die Löcher haben ganz verschiedene Größen, einige sind durchgehend durch den ganzen Stein. Die größeren wurden nach der o.g. Sprengung genutzt, um die Brocken mit Stahlseilen ans Ufer zu bugsieren.
Wie entstehen Fossilien in den Löchern?
Stirbt eine Pflanze, so wird sie von Organismen wie Bakterien und Pilzen zersetzt. Zu einem Fossil wird sie dann, wenn die Umstände hierfür stimmen. Hierfür muss das Blatt bzw. die Pflanze an einem Ort sein, wo sie nicht durch Verwitterung und Zersetzung vollständig zerstört wird, sondern Überreste erhalten bleiben. Für die Fossilisation ist es also nötig, dass die Pflanze in Sand, Ton, Lehm oder Bernstein eingebettet wird. Ein geeigneter Ort hierfür ist ein Flussbett oder sogar der Meeresboden. Die Einbettung der Pflanze verhindert, dass Sauerstoff aus der Luft zu ihr gelangt und verlangsamt ihre Auflösung massiv. Sand und Schlamm bewirken nun Druck auf die Pflanze, das Wasser wird hinausgepresst. Hierdurch kommt es zur sogenannten Umkristallisation und eine Steinkopie entsteht. Die Lage der Steine im Flussbett verhinderte also die einfache Verwesung der Pflanzenteile, aber auch eine komplette Fossilisation fand hier nicht statt - denn wir finden keine versteinerten Pflanzenteile. Bei der Bildung dieser Tertiärquarzite ist der Fossilisationsprozeß also unterbrochen worden und führte zu der ungewöhnlichen Lochbildung.
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1. Messt exemplarisch einige der Löcher im Durchmesser. In welcher Größenordnung liegen sie?
2. Wie beschreibt ihr die Oberflächenstruktur des Gesteins? In wieweit unterscheidet es sich vom Inneren der Löcher?
3. Warum ist die Oberfläche nicht sandsteinartig-körnig? Was könnte der Grund dafür sein, dass es in den Löchern nicht so ist?
4. Wie kamen die Tertiärquarzite hierhin?
Schön wäre ein Foto von den Steinen, mit oder ohne euch/GPS-Gerät (optional), denn durch wechselndes Licht und Wetter entstehen an gleicher Stelle immer wieder wunderschöne und völlig unterschiedliche Aufnahmen.
Achtung: Gummistiefel könnten sinnvoll sein, um die Steine besser aus der Nähe in Augenschein nehmen zu können. Alternativ könnt ihr aber auch ein Handtuch einpacken! Beachtet zu eurer eigenen Sicherheit den Wasserstand des Rheins. Bei hohem Wasserstand sind die Fragen schlechter oder gar nicht zu beantworten.
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Quellen:
Die Webseiten der Stadt Meerbusch zu dem Themen "Rheinufer", "Steinerne Bänke" und "Tertiärquarzit" sind leider nicht mehr erreichbar.