Hangover in Delwahna
Gestern war wieder einer dieser Tage, wie man sie so oft und Regelmäßig aus Delwahna kennt. Im örtlichen Gastronomie Betrieb herrscht ein stetiges kommen und gehen. Nur an einem Tisch bleibt die Besetzung die gleiche, Kennern des Nachtlebens von Delwahna auch als „Tisch Rot“ bekannt. Woher allerdings diese Bezeichnung kommt, oder ob es eventuell sogar nur ein Anagramm für irgendwas sein könnte, ist nicht genau überliefert. Es gibt viele Vermutungen. Doch die Männer und Frauen, welche sich regelmäßig an diesem Tisch treffen, zeigen nur ein breites Grinsen und antworten, dass man dieses Rätsel doch selbst lösen müsse.
Ab und zu verschwinden die Protagonisten Richtung Toilette oder ziehen sich am Automaten eine neue Schachtel Zigaretten um kurz danach vor der Tür sich eben selbige zu gönnen… Am Anfang ist die Stimmung noch ein wenig verhalten, kamen doch manche der Personen grade erst von der Firma, direkt hier her. Andere weilten dagegen wohl schon mehrere Stunden im Feierabend und waren hoch entspannt. Bei Weizenschorle, Wein oder Havanna-Cola stößt die Truppe gemeinsam an. Langsam steigt die Stimmung und der Lärmpegel geht auch etwas in die Höhe. Der Barkeeper versucht dezent die Lautstärke der Musik zu erhöhen, damit die anderen Gäste nicht nur von diesem Tisch unterhalten werden. Es wird sich ausgetauscht, man erinnert sich an Geschichten von früher, lacht und spaßt herum. Einer der Männer am Tisch fängt immer wieder mit irgendwelchen Stichwörtern an: „wisst ihr noch…“ Der Barkeeper stellt die Musikanlage noch etwas lauter. Er wollte wohl anscheinend nicht wissen, was die Schweden für neumodische Ange(l)-wohnheiten haben. Fast im gleichen Atemzug winkte eine der Personen, die immer sehr freundliche Kellnerin Lisa herbei, die grade eben erst Dienstbeginn hatte. „Hey, euch geht’s heute wohl wieder echt gut. Gibt es einen besonderen Grund, dass ihr es euch so gut gehen lasst?“, fragt Lisa. „Nein“ sagte Malte breit grinsend, „man muss aber einfach mal das Leben genießen und kann nicht nur jeden Tag auf der Arbeit schuften und dann zu Hause versauern. Bring uns doch bitte gleich, wenn die Happy Hour beginnt, eine Runde Long Island Icetea.“
Die Augen der anderen Personen in der Runde wurden größer, aber so wirklich Widerworte wollte auch niemand von sich geben. „Wenn das mal nicht morgen früh einen dicken Kater geben wird, Malte? Aber dein Wunsch ist natürlich notiert. Der Icetea kommt gleich“, sagte Lisa und verschwand wieder.
Der Abend zog weiter und es wurde immer später. Wer nun wirklich noch anwesend war, konnte man schlecht abschätzen. Die Personen pendelten immer häufiger zwischen Tresen, Toilette, Raucherpause und dem ein oder anderen Nachbartisch.
Als der Laden dann irgendwann schließen wollte, wurden die letzten Personen langsam aber bestimmt zur Kasse gebeten und gefragt wer noch ein Taxi benötigen würde. Aber an diesem sternenklaren Frühsommerabend wollte keiner auf dieses Angebt zurück kommen. Malte und Justus bestellten noch ein Wegbier und zahlten ihre Deckel. „Komm mit Malte, wir können ja noch zwei Straßen zusammen schlendern bis wir getrennte Wege gehen müssen“, sagte Justus und zog an dem Ärmel von Malte. Sie durchstreiften Delwahna und sahen diese harmonische Stille am Horizont. „Ist das Universum nicht unendlich?“ frage Malte. „Genau wie dein Durst heute!“ lallte Justus und trieb ihn an, weiter zu gehen. Auf seinem Handy hatte Justus schon wieder eine Nachricht von seiner Frau, wo er denn bleiben würde. Als sich die Wege nun trennten war es für Justus nicht mehr weit. Trotzdem blieb ihm zu Hause nur ein Platz auf dem Sofa übrig. Kurz nachdem er lag, kam auch schon eine Nachricht von Malte und gleich danach noch ein Foto. Wer will schon schlafen, wenn man wach sein kann, schrieb er darunter. Die letzte Antwort von Justus war, „Geh nach Hause und leg dich Schlafen“, bevor er sein Handy ausgeschaltet auf den Couchtisch legte.
Am nächsten Morgen wird Justus unsanft geweckt mit den Worten „Aufstehen du alte Schlafmütze“ es ist schon fast Mittag. Wir wollen doch noch zusammen einkaufen“. Mit einem riesen Brand steht Justus auf und nach einem großen Schluck, kaltem Wasser springt er unter die Dusche und macht sich Gedanken, was gestern Abend wohl passiert ist. „Verdammt, ich weiß es nicht mehr genau“, sagt sich Justus und schaut erst mal auf sein grade eingeschaltetes Mobiltelefon. „Oh Gott, was ist denn da los.“ 14 Nachrichten und 3 Voicemails von Malte. Von den Voicemails ist aber nichts brauchbares zu verstehen. Er liest eine Nachricht nach der anderen und in der letzten Nachricht steht nur noch - „ich wiöll nioch nihht nach Hause…. Brinck Bier mit, bin am ausgmahte Finle PlatZ…“
Und nun ist sein dämliches Mobiltelefon aus, denkt sich Justus, der gerade versucht bei Malte anzurufen. Also versucht er die Frau von Malte zu erreichen, um nachzufragen und erfährt, dass Malte immer noch nicht zu Hause ist.
Er schaut in den Bilderspeicher von seinem Mobiltelefon und findet ein paar Fotos und Memos, teilweise in sehr komischer Reihenfolge…
Justus hat die vage Erinnerung, wollte er doch mit Malte zusammen mal ein richtig cooles Mysterie basteln…
Hangover!

PS. An den Listingkoordinaten werdet ihr keine Dose finden...