Wichtiger Hinweis: Die "Eiszerfallslandschaft Dobel S von Grafing" ist unter der Geotop-Nummer 175R007 im Geotopkataster Bayerns registriert. Der Dobel ist ein wertvolles geologisches Lehrobjekt und liegt in einem Landschaftsschutzgebiet (LSG). Bitte verhalte Dich entsprechend.
Die eiszeitlich geprägte Landschaft
Die Begriffe Eiszeit und Eiszeitalter beschreiben in erster Linie einen klimatischen Zustand. In unseren Breiten herrschte von vor etwa 2,6 Mio. Jahren bis vor etwa 11.700 Jahren ein überwiegend eiszeitliches Klima. Deshalb wird dieser Zeitraum, das Pleistozän, häufig vereinfacht als die Eiszeit bezeichnet. Allerdings gab es schon viel früher und mehrfach Eiszeiten, besser gesagt: Kaltzeiten.
Keinesfalls war das Pleistozän eine durchgängige Kaltzeit. Wie in jedem Eiszeitalter wechselten sich Kaltzeiten (Glaziale) und Warmzeiten (Interglaziale) ab. Innerhalb der Kaltzeiten gab es wiederum Kaltperioden (Stadiale) und Warmperioden (Interstadiale).

Abb. 1: Schematische Darstellung der Großklimata der Erde. (Quelle: eigenes Werk)
Die Kaltzeiten, die das Landschaftsbild des Voralpenlandes prägten, ereigneten sich allesamt im Pleistozän. Große Gletscher bedeckten die Alpen und reichten bis ins Alpenvorland. Die Gletscher formten die heutige Landschaft. Aufgrund der Anordnung der Moränenzüge, der Abfolge der Schotterablagerungen und der entstandenen Flussterrassen unterscheidet man die nach Flüssen benannten Kaltzeiten. So gibt es zum Beispiel die Biber-, die Donau-, die Günz-, die Mindel-, die Riß- und die Würm-Kaltzeit.
Die Würm-Kaltzeit war die letzte der großräumigen Vergletscherungen im Alpenraum, die über die Alpen hinausgingen. Die Würm-Kaltzeit begann vor etwa 115.000 Jahren und endete vor spätestens etwa 10.000 Jahren. Damit reichte sie über das Pleistozän hinaus bis ins beginnende Holozän. Das Holozän ist nach dem Pleistozän der zweite, jüngere Zeitabschnitt des Quartärs und zugleich der jüngste Zeitabschnitt der Erdgeschichte, in dem wir heute leben.
Während der Würm-Kaltzeit betrugen die Jahresmittel-Temperaturen im Alpenvorland unter –3°C. Zum Vergleich: Heute liegen sie bei etwa +7°C. Übrigens: Die gleichzeitig mit der Würm-Kaltzeit aktive Vereisung des Ostseeraums und weiter Teile Nordeuropas wird als Weichsel-Kaltzeit bezeichnet.

Abb. 2: Ausmaß der Vergletscherung während der Würm-Kaltzeit (violett) und während der älteren Mindel- und Riß-Kaltzeiten (blau). (Quelle: Wikipedia)
Die Arbeit des Inn-Chiemsee-Gletschers
Die in etwa von den Ortschaften Miesbach, Aying, Oberpframmern, Kirchseeon, Ebersberg, Maithenbeth, Haag i. OB, Gars am Inn, Schnaitsee, Altenmarkt a. d. Alz und Traunstein (im Uhrzeigersinn) eingeschlossene und im Süden von den Alpen begrenzte Landschaft wurde maßgeblich durch die Aktivitäten des Inn- und des Chiemsee-Gletschers während der Würm-Kaltzeit geprägt. Diese beiden Gletscher werden in den meisten wissenschaftlichen Darstellungen als ein großer Gletscher betrachtet: als der Inn-Chiemsee-Gletscher. Der Inn-Chiemsee-Gletscher hatte seinen Ursprung in den Zentralalpen zwischen Brenner und Engadin.
Das Gletschereis drang in einer Mächtigkeit von über 1.000 Metern aus dem Inntal und dem Tiroler Achental ins Alpenvorland vor. Während der Kaltperioden (Stadialen) reichte es weiter nach Norden, während der Warmperioden (Interstadialen) zog sich das Eis südwärts zurück. Durch diese Vor- und Zurück-Bewegungen überformte der Inn-Chiemsee-Gletscher die in vorangegangenen Kaltzeiten glazial gestaltete Landschaft sowie die während der Entstehung der Alpen abgelagerten Gesteinsmassen im Alpenvorland, die so genannte Molasse.
Zugleich brachte der Gletscher Gesteine aus den Zentralalpen mit ins Alpenvorland und lagerte sie an dafür geeigneten Stellen ab. Weil abgelagerte Gesteine wie Granite, Gneise und Serpentine in den nördlichen Kalkalpen nicht vorkommen, konnten Wissenschaftler den Ursprung des Inn-Chiemsee-Gletschers zweifelsfrei den Zentralalpen zuordnen.
Nach den größten Ausdehnungen des Gletschers vor einer Zurück-Bewegung, genannt Eisrandlagen, sowie den dadurch entstandenen Endmoränen-Staffeln unterscheidet man vier verschiedene Stadien des Inn-Chiemsee-Gletschers. Der Wissenschaftler Dr. Carl Troll bezeichnete diese Stadien nach naheliegenden Orten. Die nach ihm benannte Troll-Karte zeigt die vier Stadien, die sich nochmals untergliedern lassen:
- Kirchseeoner Stadium (größte Ausdehung des Gletschers, ältestes Stadium)
- Ebersberger Stadium
- Ölkofener Stadium
- Stephanskirchener Stadium (geringste Ausdehung des Gletschers, jüngstes Stadium)

Abb. 3: Troll-Karte der Stadien des Inn-Chiemsee-Gletschers. (Quelle: Toteiskesselweg Haag, bearb.)
Landschaftsbau nach der Glazialen Serie
Durch jeden Vorstoß und Rückzug eines Gletschers während der pleistozänen Vergletscherungen bildeten sich Landschaftsformen in einer bestimmten Reihenfolge – so auch beim Inn-Chiemsee-Gletscher. Diese Reihenfolge bezeichnet man als Glaziale Serie. Bestandteile einer idealen, vollständigen Glazialen Serie sind:
- eine Grundmoräne mit typischen Formen wie Zungenbecken (dem Gletscherrand vorgelagerte Seen), Söllen (Toteislöchern), Drumlins, Oser und Kames
- eine (bogenförmige) Endmoränen-Staffel, die den Eisrand markiert
- ein Ablagerungsgebiet vor der Endmoränen-Staffel: das Schotterfeld oder der Sander
- ein Urstromtal, in dem die Schmelzwässer der Gletscher abflossen
Eine ideale, vollständige Glaziale Serie ist selten anzutreffen. Sie kann nur entstehen, wenn der Eisrand des Gletschers über längere Zeit stabil bleibt. Zudem ist sie nur da anzutreffen, wo die Landschaft nicht erneut von einem Gletscher überformt wurde.
Das Kame, ein typisches Grundmoränen-Element
Als Kame (Mehrzahl: die Kames) bezeichnet man eine Erhebung, die ein Gletscher und seine Schmelzwässer durch Ablagerung losen Gesteinsmaterials gebildet haben. Kames entstehen immer am Rande des Eises und gegen ein Widerlager. Widerlager können Toteisblöcke, bereits vorhandene große Gesteinsblöcke, Schotter oder auch Talhänge sein.
Kames haben normalerweise unregelmäßige, rundliche Grundrisse. Sie sind selten wallartig geformt, häufiger wie Bergrücken oder Kuppen. Steilere Seitenhänge begrenzen oft ein flacheres Plateau.

Abb. 4: Verschiedene Elemente der Glazialen Serie. (Quelle: Wikipedia, bearb.)
Die Kames des Dobels entstanden im Stirnbereich der Gletscherzunge des Ölkofener Stadiums. Parallel zum Eisrand verliefen tiefe Spalten im Eis, die vom Schmelzwasser mit Schottern ausgefüllt wurden. Beim Abschmelzen des Eises blieben diese Schotterfüllungen stehen.
Einzigartig: Streifenkames des Dobels
Eine Besonderheit der Kames des Dobels ist ihre gestaffelte Anordnung in Südwest-Nordost-Richtung. Die Kames bilden ungewöhnlich langgezogene Wälle und werden daher als Streifenkames bezeichnet. Die zwischen den Streifenkames liegenden Gräben können als besondere Form von Toteislöchern betrachtet werden, auch wenn sie heute nicht immer als solche erkennbar sind.
Toteislöcher, wissenschaftlich Sölle, sind durch Abschmelzen des Gletschereises entstandene Kleingewässer von oft runder oder ovaler Form. Im Laufe der Zeit verlanden die Toteislöcher, bilden zunächst Sumpfflächen, später Feuchtflächen. Toteislöcher sind wertvolle Lebensräume für seltene Pflanzen und Tiere, jedoch durch menschliche Eingriffe in die Landschaft bedroht.

Abb. 5: Streifenkames (schwarz, Bildmitte) des Dobels. (Quelle: Carl Troll, 1924)
Der EarthCache: Deine Aufgaben
Bitte sende uns zuerst Deine Antworten über den Nachrichten-Link in unserem Profil, danach kannst Du sofort loggen. Wir melden uns, wenn etwas nicht stimmt.
Hier sind Deine Aufgaben:
- Startpunkt: An den Listing-Koordinaten findest Du ein besonderes Landschaftselement. Worum handelt es sich Deiner Meinung nach? Beschreibe die Form des Landschaftselements mit eigenen Worten. Ist diese Form typisch für das Landschaftselement im Allgemeinen? Ist sie auch typisch für das Gebiet des Dobels?
- Referenzpunkt R2: Scheinbar verläuft der Bach in einem eiszeitlichen Schmelzwassertal. Er schließt die Ablagerungen des Inn-Chiemsee-Gletschers auf. Beschreibe, welche Ablagerungen Du im Bachbett erkennen kannst. Benutze dabei Größen-, Form- und Farbangaben.
- Referenzpunkt R3: Ein besonders hoher Streifenkame bot sich an, um die Höhenburg Elkofen zu errichten, deren Geschichte bis ins 10. Jahrhundert zurückreicht. Sie gilt als eine der am besten erhaltenen Burganlagen in Oberbayern.
Betrachte den Hang, während Du zur Burg hinaufgehst. Handelt es sich um die natürliche Form des Streifenkames oder eine künstliche Böschung? Begründe bitte Deine Annahme. Wenn Du von oben nach Osten hinunter blickst, siehst Du einen Teich. Könnte sich an dessen Stelle früher ein Toteisloch befunden haben? Wenn ja: Warum?
- Freiwillig: Mache Fotos, die Deinen Besuch vor Ort zeigen, und stelle sie in Dein Log ein. Achte aber bitte darauf, keine Spoiler einzustellen.
