Der alte Grindelwalder Marmorbruch liegt auf einer Anhöhe. Er ist über mehrere Wanderwege erreichbar. Man kann auch mit dem Auto bis fast an den Bruch fahren. Vor dem Bruch ist ein Restaurant mit Parkplatz. Der um die Jahrhundertwende vorgetriebene, heute gut begehbare und beleuchtete Stollen befindet sich im tieferen Teil des Areals. Er ist 23 Meter lang und endet in einer drei Meter hohen Kaverne von 9 x 6 m Grundfläche.
Die Marmorgewinnung in Grindelwald ist seit einem Jahrhundert Geschichte. Aber die Erinnerung daran ist erstaunlich wach. Der Steinbruch in Grindelwald mit seinen Abbauspuren ist erhalten geblieben. Das ist eine ganz große Ausnahme. Die meisten Brüche werden nach ihrer Stillegung zugeschüttet, eingeebnet und oft auch rekultiviert. Der Grindelwalder Bruch ist ein wertvolles erhaltenes- und schützenswertes Industriedenkmal!
In den Nordabstürzen der Gebirgskette Mettenberg - Wetterhorn - Wellhorn finden sich im Kalkstein schmale Lagen und Nester von vielfältig ausgebildeten bunten Marmoren. Diese Marmore sind bemerkenswert, ja einmalig. Es sind die wohl schönsten Gesteine der Schweiz, mit einer hochinteressanten Enstehungs- und Abbaugeschichte.
In der Gesteinskunde versteht man unter Marmor metamorphe karbonatische Sedimentgesteine. Es sind Kalksteine und Dolomite, die durch erhöhte Drücke und Temperaturen eine Kornvergrösserung (Rekristallisation) ihrer im ursprünglichen Zustand sehr kleinen Kristalle erfahren haben. Für den steinverarbeitenden Handwerker und die Steinindustrie hingegen sind Marmore alle weichen, polierbaren Gesteine. Dazu gehören neben echten Marmoren auch Kalksteine und Serpentingesteine.
Im Falle der Grindelwalder Marmore bestehen die Komponenten meist aus marmorisiertem Kalkstein. Viele klassische Marmore sind gleichförmig und nur diskret gemustert. Hier in Grindelwald hingegen führen Variationen von Form, Größe und Farbe der Komponenten sowie der unterschiedlichen Farben der Matrix zu einem unglaublich vielfältigen Material. Beim klassischen Grindelwalder Marmor zeigen die Marmorkomponenten zarte graue, weiße, rötliche bis fleischfarbene oder gelbliche Farbtöne, die alle fließend ineinander übergehen können. Ihre Größe schwankt zwischen einigen Zentimetern und einem bis mehreren Dezimetern. Die Zwischenmasse ist intensiv grün, seltener rotviolett. Zonenweise wirkt das Gestein zerrieben und verschiefert. Die weiße gelbliche Aderung ist ganz unterschiedlich ausgeprägt. (Quelle: Broschüre Die Marmore von Grindelwald, Toni P. Labhart)
Einzigartigkeit und Vielfalt verdankt der Grindelwalder Marmor einem zufälligen Zusammentreffen von zeitlich weit auseinanderliegenden geologischen Ereignissen, denn die Entstehungsgeschichte spiegelt zum einen die marine Vorgeschichte sowie die Auffaltung der Alpen wieder. Vor etwa 120 Millionen Jahren, zu Beginn der Kreidezeit, wurden in einem tropischen Ozean die Kalksteine der Marmorbestandteile in geordneten Schichten abgelagert. Das Ausgangsmaterial wurde demnach im Meer gebildet. Ursprungsort war der Nordrand des Ozeans, der rund 200 Mio. Jahre lang den alten europäischen Kontinent überflutet hat. Ungefähr 70 Millionen Jahre später zog sich das Meer vorübergehend zurück. Die Kalksteine wurden freigelegt, worauf ihre obersten Partien infolge Erosion durch fliessendes Wasser verkarsteten – ähnlich wie man es heute im Gebiet der Schrattenfluh beobachten kann. Im Untergrund bildeten sich Karsthöhlen, die zum Teil einstürzten. In das eckige Einsturzmaterial wurden eisenhaltige rote Tone und Sande gespült. Bei erneuter, vielleicht auch nur lokaler Überflutung wurden in flachen Meeresbecken Kalkgerölle verschiedener Herkunft zu Konglomerat-Schichten zusammengeschwemmt. Vor etwa 15 Millionen Jahren zur Miozänzeit im mittleren Tertiär ergriff die Alpenfaltung den Alpennordrand. Das Ausgangsmaterial des Marmors wurde durch die helvetischen Decken überfahren, Kilometer mächtige, verfaltete, von Süden herangeschobene Sedimentmassen. Dabei wurden die Gesteine deformiert: die Konglomerate ausgewalzt, bei siderolithischen Brekzien (Bruchstücke aus dem Karst) das tonige Füllmaterial verschiefert und gleichzeitig die eckigen Komponenten in kleinere Stücke zerlegt. Erhöhte Drucke und Temperaturen bewirkten eine Marmorisierung der Kalke und – durch Stoffwanderungen – ihre Rot- und Gelbfärbung. Im Füllmaterial aus Sand und Ton kam es zu Mineralneubildungen, unter denen besonders der intensiv grüne Chlorit auffällt. Noch später entstanden die hellen Kalzitadern. Erst in jüngster geologischer Zeit erfolgte die Freilegung der Schichten durch die Abtragung. Massgeblich beteiligt waren dabei die eiszeitlichen Gletscher. (Quelle: myswissalpes.ch).

Der Besucher ist überrascht von den geringen Dimensionen des Steinbruchs, dessen Gesamtfläche 1000 m² kaum übersteigt. Das engere Abbauareal misst etwa 20 x 25 Meter. Das ausgebrochene Volumen beträgt lediglich einige hundert m³. Nur ein Viertel bis ein Drittel davon dürfte wirklich verwertbares Material gewesen sein. Im anstehenden Fels erkennt man bei einem Rundgang die große Vielfallt des Gesteins. Sehr instruktiv sind die gut erhaltenen Abbauspuren. An ihnen lässt sich die Art der Gewinnung leicht nachvollziehen. Es ist die klassische Art des Schrotens, wie sie weltweit Jahrtausende lang bis ins 20. Jahrhundert in weichen Gesteinen - Marmor, Kalkstein, Sandstein - angewendet worden ist. (Quelle: Broschüre Die Marmore von Grindelwald, Toni P. Labhart)
Der Abbau ging folgendermaßen vor sich: Auf der Gesteinsoberfläche wurden mit den Pickeln Kerben vorgezeichnet, welche die Lagen der Schrotgräben und damit die Größe der Quader festlegen. Dann wurden die Schrotgräben ausgehauen. War durch die Anlage mehrerer Schrotgräben ein Quader auf fünf Seiten freigelegt, wurde er an seiner Basisfläche durch das Eintreiben von Keilreihen losgelöst. Schließlich wurden die Blöcke mit Hilfe von Hebewerkzeugen auf Holzrollen geschoben und zu den Transportfahrzeugen gerollt.
Quellen: Broschüre Die Marmore von Grindelwald, Toni P. Labhart / www.myswissalpes.ch / Fotos eigen
Um diesen Earthcache zu loggen, beantworte bitte die folgenden Fragen. Auf eine Logfreigabe brauchst du nicht zu warten, ich melde mich wenn etwas nicht stimmt. Es ist nicht erforderlich in den Marmorbruch zu gehen.
1. Von wann bis wann war die erste und zweite Ausbeutungsperiode des Marmors (Infotafel an Listingkoordinaten)?
2. Hinter der Infotafel siehst du mehrere Blöcke liegen. Sie tragen Metallplättchen. Wie breit ist der Schrotgraben in cm.
3. Gehe nun zu dem fertig herausgelösten Block. Beschreibe das Gestein (Farbe, Oberflächenbeschaffenheit, Kristalle).
4. OPTIONAL - Über ein Foto von euch oder von eurem GPS-Gerät am Marmorbruch würde ich mich sehr freuen. Bitte keine Fotos einstellen, die die Antworten zeigen.
Ich wünsche euch viel Spaß.