Seit Bernie, die bekannte ostfriesische Moorleiche, im Emder Landesmuseum ausgestellt wurde, gibt es immer wieder mysteriöse Vorfälle mit den Wissenschaftlern, die die Leiche untersuchten. Die Vorfälle reichen bis zum Jahr 1907 zurück, als Moorarbeiter Bernie bei Tannenhausen (Lkr. Aurich) aus dem Moor Hogehahn zogen. Viele Wissenschaftler haben sich seitdem mit der Moorleiche beschäftigt, allesamt verschwanden für immer. Keine Spur von ihnen, keine Anhaltspunkte. Auch vor kurzem verschwand die Restauratorin, die die Kleidung Bernies entschlüsselte. Kurz darauf verschwand der Museumsdirektor. Kommissar G. Scheidt nahm daraufhin die Ermittlungen auf. Unter anderem führte ein interessantes Gespräch mit dem Historiker G. Schmidt. Dieser arbeitete zuletzt eng mit der Restauratorin G. Schwindt zusammen. Am nächsten Tag verschwand auch dieser spurlos. Der Kommissar fand in dessen Wohnung ein Notizbuch, in dem sich ein merkwürdiger Zettel befand.
Der letzte Eintrag von Schmidt lautete:
Emden, den 28.12.18
Gegen Mittag suchte ich bei meiner Recherche um Bernie nochmals die „Johannes a Lasco-Bibliothek“ und die „Bibliothek der Emder Hochschule“ auf. Leider ergaben sich in den Büchern und Papers um Bernie keine neuen Erkenntnisse. Aber irgendwo muss der Schlüssel liegen…
Auch wenn der Museumsdirektor und Gisela verschwunden sind, werde ich so kurz vor dem Ziel nicht aufgeben und das letzte Rätsel von Bernie lüften. Auch auf die Gefahr hin, dass auch ich Bernies Fluch erliege, werde ich den Bann von Bernie brechen. Seit dem Fund am 24.05.1907 sind laut meinen Recherchen mindestens 65 Personen, u.a. die beiden Brüder de Jonge, die Bernie gefunden hatten, verschwunden. Ich muss das stoppen, vor allem Gisela bin ich das schuldig!
Am Spätnachmittag nochmals in das Landesmuseum und Bernie ein weiteres Mal besucht. Ganz ruhig steht Bernie da, mit seinem Wanderstock in der Hand. Eine Tunika aus bunten Flicken schützt den Mann vor Kälte. Wahrscheinlich liegt sein letztes Bad schon etwas länger zurück: Füße und Fingernägel sind schmutzig, im Gesicht wachsen Bartstoppeln. Sehr lebendig wirkt Bernie auf Besucher, dabei ist er schon 1200 Jahre tot. So hat Gisela ihn zum Leben erweckt. Seinen Kopf und seine Gesichtszüge hatte sie zusätzlich nach einer forensischen Analyse als 3D-Modell nachgebildet. Und nun ist Gisela auch verschwunden. Meine geliebte Gisela…
Der Mann aus Bernuthsfeld ist der Sensationsfund, nicht nur für Ostfriesland, sondern für ganz Nordeuropa. Er ist der einzige Fund, der so gut erhalten ist und damit ein Zeugnis aus dem frühen Mittelalter darstellt, aus der Zeit Karls des Großen (!).
Wie in der Grube mitten im Moor, in der die Torfstecher das Skelett vor mehr als hundert Jahre fanden, liegt die Moorleiche in einer Vitrine im Ostfriesischen Landesmuseum in Emden da: auf der Seite, die Beine etwas angezogen. Die Knochen sind dunkel verfärbt. Im Schädel klafft ein großes Loch, der Rest ist mit blondem Haar bewachsen. Schulklassen jagte dieser Anblick lange Zeit Schauer über den Rücken. Ab 2011 wurde Bernie dann zum begehrten Forschungsobjekt. Ich umrunde die Vitrine und versuche nochmals alle Details in mich aufzusaugen. Wo ist der letzte Hinweis, wie kann ich das Rätsel lösen?
Fünf Jahre lang nahmen zahlreiche Wissenschaftler Knochen, Haare und Kleidung unter die Lupe. Bernie kam unter anderem in die Rechtsmedizin, zur DNA-Analyse und zum Röntgen. Diese Moorleiche erzählt uns viel über eine schriftarme Zeit. Besonders wertvoll für die Forscher ist, dass die Kleidung, eine Messerscheide und ein lederner Riemen im Moor viele Jahrhunderte überdauerten.
Die Fundstücke liefern wichtige Erkenntnisse darüber, wie sich die Menschen zur Zeit Karls des Großen kleideten, aus welchen Materialien die Anziehsachen waren und wie sie hergestellt wurden. Dafür haben Gisela und ich die Originalkleidung noch einmal genau untersucht.
Bernie trug bei seinem Tod eine Tunika, Wadenbinden um Füße und Unterschenkel, Mantel und Kapuze aus Schafswolle. Außerdem war er in ein großes Tuch gehüllt. Alles ist in verschiedenen Brauntönen in einer Vitrine im Museum ausgestellt. Die Wolle verfärbte sich durch die Moorsäure. Andere Kollegen haben in den Jahren zuvor bei Untersuchungen aber Rückstände von pflanzlichen Farbstoffen festgestellt. Daher wissen wir: Die Kleidung bestand aus gelben, grünen, braunen und blauen Stoffen.
Ich blicke ein letztes Mal auf die Vitrine mit der bekleideten Schaufensterpuppe und unserer vollendeten Arbeit: die Rekonstruktion von Kopf, Gesicht und seiner Kleidung. Ich drehe mich um und sehe nochmals auf den echten Bernie. Ich zermartere mir mein Hirn. Ich muss jetzt nach Hause…
Nachtrag:
Als ich am Abend das Landesmuseum verlassen habe, kam ein merkwürdiger alter Mann auf mich zu. Unter dem Rathausbogen sprach er mich an, ich solle Bernie ruhen lassen. Schon viele wollten das Geheimnis lüften, keiner hat es geschafft. Es bringt Unglück über einen. Nur die Moorhahntjes wissen das Geheimnis von Bernie. Er drückte mir einen seltsamen Zettel in die Hand und verschwand in der Dunkelheit. Ich höre jetzt noch sein schallendes Gelächter in der Nacht. Mir war so als hörte ich die Stimme des Museumsdirektors, aber der ist mittlerweile mehr als eine Woche verschwunden. Als ich zu Hause den Zettel genauer ansah, fiel es mir wie Schuppen von den Augen… Ich muss nochmals los, ein Detail habe ich wohl bei meiner jetzigen Recherche übersehen… Das Rätsel scheint fast gelöst zu sein…..
G. Scheidt bemerkt nun den mysteriösen Zettel und stellt fest, dass dieser aus einem transparenten Pergamentpapier besteht. Er hält ihn gegen das Licht und erkennt seltsame Zeichen darauf…
Kannst du dem Kommissar helfen, den Historiker rechtzeitig zu finden und das Rätsel um Bernie endlich und für allezeit zu lüften? Spute dich, die Zeit läuft nun auch gegen dich, sonst ereilt auch dich der Fluch Bernies…
PS: Das Folgende dient nur zur Information und hat nichts mit dem Rätsel zu tun, führt euch daher auch nicht zum Ziel:
Dieser Mystery entstand nach der Grundidee meines ersten geloggten Geocaches vor mehr als zehn Jahren (H.P. Lovecrafts dunkle Schriften: DeVeMy – GC1G278). Evtl. könntet ihr dort einen Hinweis finden, aber das wäre eher reiner Zufall. Erweitert wurde das Rätsel durch Ideen, die beim Lösen der bekannten Exit- und Escape-Room-Spielen entstanden ist.
Weiterhin wurden für Hintergrundinformationen zum Mann von Bernuthsfeld folgende Seiten verwendet: https://de.wikipedia.org/wiki/Mann_von_Bernuthsfeld & http://www.haz.de/Nachrichten/Der-Norden/Uebersicht/Wie-eine-Moorleiche-aus-Ostfriesland-Mittelalterforschern-hilft (auch hier werdet ihr keine entscheidenden Hinweise finden).
Ich wünsche euch viel Spaß mit diesem Mystery und bin gespannt, wer das Rätsel um Bernie lösen kann…