Wo sich jetzt das Märktezentrum in Orwisch (für Auswärtige: Urberach) ausbreitet, stand bis 2002 eine Telefonfabrik: das Werk III der Telefonbau und Normalzeit GmbH (kurz T & N genannt). Sitz der Verwaltung und Werk I war in Frankfurt in der Mainzer Landstraße, Werk II in der Kleyerstraße, weitere Werke gab es zeitweilig in Grünberg und Landstuhl.
Die Grundfläche des Werkes Urberach betrug ca. 75.000 m², davon waren ca. 56.000 m² unter Dach. Die letzten Reste sind hier noch zu sehen: der Torbogen und das Bürogebäude, in dem es auch wieder T & N gibt: THEATER & nedelmann, das Wohnzimmertheater in Urberach.
Ich möchte euch hier das Freilichtmuseum zeigen, in dem die Geschichte des Fabrikgeländes zusammengefasst der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Eigentlich wollte ich es in meinen Stadtrundgang (GC7GT61) einbeziehen, aber ich denke, es hat doch einen eigenen Cache verdient. Andererseits: wenn ihr den Stadtrundgang macht, könnt ihr den Tradi als "Bonbon" noch mitnehmen.
Die Geschichte begann 1907, als der Inhaber der Offenbacher Firma Bloch & Hirsch, Robert Bloch, hier ein Hutstoffwerk baute, in dem bis 1930 Filz für Hüte produziert wurde. So sah das Werk damals aus:
Briefkopf der Firma Bloch & Hirsch
In diesem Jahr wurde das Werk aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen. 1934 konfiszierte das Naziregime das Gelände und benutzte es als Getreidelager. 1937 zog die T & N hier ein, um "kriegswichtige Erzeugnisse" fern von Frankfurt herstellen zu können. Nach dem Krieg begann im Sommer 1946 mit Erlaubnis der US-Militärregierung die Produktion von Telefonzentralen und Telefonapparaten. Eine kolorierte Zeichnung, die in der Zentralverwaltung in der Mainzer Landstraße in Frankfurt hing, zeigt das Werk in den Fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts:
Werk III Urberach
Mit bis zu 1300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern produzierte das Werk bis zu 1,2 Mio Telefonapparate im Jahr und war der größte Arbeitgeber in der näheren Umgebung. Es wurde 1996 geschlossen und 2002 abgerissen.
Der "Verein für ein Forschungs-, Ausstellungs- und Dokumentationszentrum des ehemaligen Fabrikgeländes Ober-Rodener Straße in Rödermark-Urberach e.V." (gegründet Oktober 2005; aufgelöst Oktober 2013) hat die Ausstellung bzw. das Freilichtmuseum um euch herum gestaltet.
Bitte nicht während einer Theatervorstellung suchen! Da hier doch häufig Muggelverkehr herrscht, sollt ihr nicht lange suchen müssen. Erschöpft vom Betrachten der Doku nehmt ihr auf der Bank an der Wand Platz und greift nach links unten in den Träger. Das ist ein U-Träger, bitte den Petling an den gleichen Platz in den Träger zurückhängen, sonst sieht man ihn von außen!
Anmerkung zum Copyright: die Bilder habe ich nicht aus der Dokumentation kopiert, sondern während der Zeit meiner Anstellung im Werk selbst aufgenommen.
Anmerkung zum Betreten des Grundstückes: es ist zwar Privatgrund, aber jederzeit ungehindert für jedermann zugänglich. Der Inhaber des Theaters ist unserem Hobby gegenüber positiv eingestellt und hat mir das Legen des Caches an diesem Ort erlaubt.