Berühmte Nordhäuser der Neuzeit

(Artikel vom 22.10.2018)
Der Nordhäuser Altmeister geht
Mit dem verstorbenen Klaus Großmann verlor die
Rolandstadt ein Urgestein der Stadt- und Gästeführergilde.

Klaus Großmann
* 28.10.1936, Benneckenstein
† 19.10.2018, Nordhausen
Klaus Großmann war seit 1968 als Stadtführer aktiv. 1995 war er maßgeblich an der Gründung der Stadt- und Gästeführergilde beteiligt. Ob als Nachwächter oder Martin Luther verkleidet, führte er Tausende Gäste durch die Rolandstadt, wusste viele spannende Geschichten zu erzählen. Klaus Großmann war ständig im Einsatz, egal ob als Geschichtenerzähler in der Traditionsbrennerei, Dozent für Nordhäuser Platt an der Volkshochschule oder in Begegnungszentren mit seinen Vorträgen über Nordhausen und Umgebung. Zudem war er Gründungsvorsitzender des Harzklubzweigvereins Nordhausen.
Geboren wurde er in Benneckenstein, aber seine Mutter stammt aus (Nordhausen) Salza und auch er selbst fand 1946 in Nordhausen sein Zuhause. So war es nicht verwunderlich, dass sich Klaus Großmann als echter Nordhäuser fühlte und mit seiner Heimatstadt eng verbunden war.
Gelernt hatte er Maschinenschlosser, arbeitete beim kommunalen Wirtschaftsunternehmen, der IFA und Schachtbau Nordhausen. Für die Geschichte der Region hatte er schon immer ein Faible. Und so fing er 1968 gemeinsam mit einem weiteren Mitstreiter an, Kindern aus dem Pionierhaus bei Geländeführungen und Schnitzeljagden die heimische Landschaft zu erklären. Bald kamen Stadtführungen dazu. "Leider maß man der Erforschung der Geschichte zu DDR-Zeiten nicht so viel Bedeutung bei wie heute, so dass die Sache mit den Stadtführungen mehr oder weniger so vor sich hinplätscherte", schaute Klaus Großmann damals zurück.
Mit der Wende änderte sich das. Und so wurde am 29. Mai 1995 die Gilde der Stadt- und Gästeführer gegründet. Unter den 29 Gründungsmitgliedern war natürlich auch Klaus Großmann. In den fast zwanzig Jahren Stadt- und Gästeführergilde wurden viele neue Mitglieder ausgebildet und aus den unterschiedlichsten Gründen hat man sie auch wieder verloren. Dennoch konnte man immer auf knapp 30 Mitglieder zählen, die gern über die Geschichte der über 1.000-jährigen Stadt sowie den Südharz berichten mochten. Drei dieser Mitglieder stellte allein die Familie Großmann. Denn neben Vater Klaus führten auch Tochter Roswitha Prescher und Enkelin Jacqueline regelmäßig durch die Straßen und Gassen von Nordhausen.

Die Mitglieder der Stadtführergilde Klaus Großmann und seine Tochter Roswitha Prescher in der Traditionsbrennerei Nordhausen.
(Foto: Roland Obst)
„Geschichte war von jeher mein Hobby“, sagte der gebürtige Benneckensteiner am 07. November 2014 in einem Interview mit Renate Rusche. „Das hat mit meinen Cousins zu tun.“ Mit ihnen hatte er bis dato 1.435 Jahre der Familiengeschichte erforscht.
Die Geschichte seiner Familie ist eng mit der Region verknüpft. Zu Großmanns Vorfahren gehören Burglehensherren der Fürsten und Grafen Stolberg-Wernigerode. So war es nur ein kleiner Schritt von der Familien- zur Regionalgeschichte. Die Geschichte ist eine Art Familienvirus - mittlerweile in der sechsten Generation.
„Meine Tochter und meine Enkelin sind auch Stadtführer in Nordhausen. Ich selbst auch“, erzählte Klaus Großmann. „Im Jahr 1995 habe ich meine offizielle Ausbildung zum Stadtführer gemacht. Da habe ich noch einmal die Schulbank gedrückt. Seit 1963 habe ich aber schon Schülergruppen durch Nordhausen geführt“, erinnerte sich der Nordhäuser, der die Stadt- und Gästeführer Gilde Nordhausen mitgegründet und neun Jahre geleitet hat.

Klaus Großmann war ein engagierter „Ehrenamtler“ und führte nicht nur über das holprige Kopfsteinpflaster in der Nordhäuser Altstadt und erzählte dabei spannende Geschichten aus dem Mittelalter. Als Wanderführer zeigte er auch die grünen Seiten der Region und hatte nach der Wende auch den Harzklubzweigverein Nordhausen mit wiedergegründet. Ausgebildet hat er auch die Führer unter Tage im Kupferschiefer-Schaubergwerk „Lange Wand“ in Ilfeld. Dies alles ist nur eine Auswahl der Ehrenämter von Klaus Großmann. In der Hochzeit hatte er 16 Ehrenämter zur selben Zeit inne.

(Artikel vom 16.06.2017:)

Stadtführer Klaus Großmann im Gewand von Martin Luther neben dessen Denkmal
(Foto: Henri Demel)
Stadtführung auf den Spuren von Justus Jonas
Unter der Leitung von Klaus Großmann von der Nordhäuser Stadt- und Gästeführergilde fand am 13. Juni 2017 die zweite Stadtführung im Rahmen der Festwoche zum Lutherjahr „Auf den Spuren von Justus Jonas“ statt.
Start der Führung war in der St.-Blasii-Kirche, in der Klaus Großmann über das Bild „Die Auferstehung des Lazarus“ von Lukas Cranach dem Jüngeren berichtete. Auf diesem sind Justus Jonas, aber auch Martin Luther und einige weitere Geistliche zu sehen. Danach wies Klaus Großmann darauf hin, dass sich derzeit drei Glaubensgemeinschaften in der Kirche aufhalten. Zum einen die evangelische Gemeinde, die Nordhäuser Juden und auch die Katholiken. Anschließend erklärte der Stadtführer, dass die meisten Bäume an der St.-Blasii-Kirche bereits über hundert Jahre alt sind.
Die Teilnehmer begaben sich zur Baltzerstraße, wo einst das Gebäude von Michael Meyenburg stand, in dem Martin Luther Zuflucht suchte. Nächste Station war das Thomas-Müntzer-Denkmal in der Töpferstraße. Am Rathaus verwies Klaus Großmann auf den dort startenden Lutherweg und beendete die Stadtführung am Lutherdenkmal. Dort berichtete der Stadtführer, dass Justus Jonas‘ eigentlicher Name Jobst Koch lautete. Dieser war der erste evangelische Pfarrer, der heiratete und während der Pestzeit nach Nordhausen floh. Außerdem erfuhr man, dass Jonas einst in der Roland-Apotheke, in der sich heute die Post befindet, lebte.
Klaus Großmann erzählte einige interessante Fakten zur Stadtgeschichte. Wie zum Beispiel, dass die Nordhäuser Stadtmauer an einigen Stellen bis zu 32 Meter hoch war, wodurch die Stadt in der Geschichte nicht ein einziges Mal erobert wurde. Eine weitere Besonderheit ist, dass die Nordhäuser als einzige Gemeinschaft das Martinsfest am 10. statt am 11. November feiern. Die Führung endete schließlich mit viel Applaus auf dem Lutherplatz.
So oder so ähnlich sind die Erinnerungen vieler Teilnehmer an seine Vorträge und Führungen…
Wir gedenken einem Nordhäuser „Urgestein“…
(Alle Texte und Fotos entnommen aus Artikeln der "Thüringer Algemeine", leicht verändert und ggf. auch als zitiert angegegeben)
Zum Cache:
Ihr findet hier unmittelbar in der Nähe des früheren Wohnortes von Klaus Großmann ein kleines Häuschen…
Behandelt den Inhalt liebevoll und tauscht fair…