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Lost Place - Alte Flussbadeanstalt Monschau Traditional Cache

This cache has been archived.

mocridh: Da der Verschluss immer wieder mit Gewalt zerstört wurde, gebe ich diesen Cache auf .

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Hidden : 4/24/2019
Difficulty:
1.5 out of 5
Terrain:
1.5 out of 5

Size: Size:   small (small)

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Geocache Description:


Alte Flussbadeanstalt Monschau

Bitte Stift mitbringen

Im Rurtal ist allgemein ein sehr schlechter Internetempfang, es empfiehlt sich, die Cachebeschreibung runterzuladen oder im Vorfeld genau durchzulesen, da sie nötig ist, um die Dose zu öffnen


An der Stelle, wo heute an der Rur der Jugendzeltplatz Dreistegen ist, befand sich knapp 35 Jahre lang, bis etwa 1960, mit Unterbrechungen, die Flussbadeanstalt der Stadt Monschau.




Die Zuwegung erfolgt vom Wanderparkplatz Dreistegen, als Hin- und Rückweg ist er für Kinderwagen geeignet.

Man kann an der Stelle des alten Wehres die heutige Brücke benutzen und auf der anderen Rurseite zurückgehen oder auch noch ein Stückchen Weg dran hängen und an der Fischerhütte die Rur überqueren.

Ihr befindet Euch im Naturschutzgebiet "Oberes Rurtal", die offiziellen Wege müssen zu keiner Zeit verlassen werden, dies ist auch nicht zum Heben der Dose nötig!
Hunde sind im Naturschutzgebiet an der Leine zu führen!


Aus folgendem Text sind drei Fragen zu beantworten, was zum Öffnen der Dose notwendig ist:

Wieviel kostete eine Dauerkarte 1927 für die ganze laufende Badesaison für Jugendliche?
Der Wert sei A.

Durch wieviele gezogene Nadeln wurde 1927 die Frau hindurchgezogen?
Der Wert sei B.

Wieviele Herrenumkleidekabinen wurden 1950 neu gebaut?
Der Wert sei C.

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Ursprünglich befand sich an dieser Stelle der Uebachsbau:



Der Uebachsbau stand 150 Meter flussabwarts am Beginn der großen Wiese, die nun als Zeltplatz genutzt wird, kurz hinter der rot/weißen Barriere. Dort sieht man im Weg noch eine größere Anzahl industriell hergestellter Steine, z.B. Feldbrandsteine, die von der Lage/ den Koordinaten, genau passen zur Darstellung des Gebäudes in einer alten topografischen Karte. Nach meiner Auffassung sieht man dort letzte Reste des Gebäudes. Der Uebachsbau hatte eine Zuleitung vom Wehr her, von diesem sind aber keine Reste mehr auffindbar.

1841 wird dem Tuchfabrikanten Johann Reiner Uebach eine Konzession zum Bau einer Tuchfabrik mit Walkerei, Färberei, Schererei und Wollwäsche erteilt, das Gelände hat er von der Familie Deberghes gepachtet.
Diese Anlage ging aber wohl nie in Betrieb, sie wird 1860 an einen Herrn Th. Merkelbach verpachtet. Die weitere Nutzung ist nicht mehr eindeutig rekonstruierbar, entweder wird dort eine Flockenreinigungsfabrik oder eine Wolltapetenfabrik betrieben, der Bau brennt 1863 ab.
1865 ist Johann Reiner Uebach, der immer noch Eigentümer ist, zahlungsunfähig, sein Besitz wird zwangsversteigert, wahrscheinlich an die Firma J.W. Jansen, denn 1878 beantragt Herr Ivo Jansen die Anlegung einer Holzstofffabrik und einer Holzschneidemühle. Die Umbauarbeiten verliefen sehr schleppend, die im Bau befindliche Stauanlage wurde 1883 größtenteils weggespült. 1886 ordnete die Aachener Regierung wegen des langsamen Fortschreitens der Arbeiten das Erlöschen der Konzession an und den Rückbau der Wehranlage. 1887 wurde der Bau des Wehres erneut in Angriff genommen und diesmal wurde er auch tatsächlich im Dezember 1887 fertiggestellt. Ob allerdings anschließend auch tatsächlich dort eine Produktion welcher Art auch immer stattfand, ist nicht mehr rekonstruierbar.

1909 wird das Wehr des Uebachsbaues durch ein Hochwasser zerstört.

Nun aber zum eigentlichen Grund dieses Caches, die Monschauer Flußbadeanstalt.

Um 1912 werden erste Anstrengungen unternommen, an diesem Rurabschnitt eine Badegelegenheit für die Monschauer Bevölkerung zu realisieren. Die Stadt Monschau pachtet das Wehr vom Eigentümer, Erben der Familie Jansen, ab August 1913 steht eine einfache Badestelle zur Verfügung, der Zugang erfolgte von der linken Rurseite vom Reichensteiner Weg über die große Wiese oberhalb der heutigen Brücke, wie auch heute noch möglich.
Im Juni 1926 stellt die Stadt Monschau beim Regierungspräsidenten in Aachen einen Antrag auf finanzielle Beihilfe zum Bau einer "richtigen" Badeanstalt. Die Argumentation der Notwendigkeit des Baues lässt uns heute schmunzeln. Die Tatsache, dass Menschen jeden Alters und Geschlechtes die Badegelegenheit gleichzeitig aufsuchen, löste sittliche Diskussionen aus.



Mit der Familie Jansen schließt man 1926 einen Pachtvertrag ab zur Nutzung der Uebachswiese und über die Wasserstaurechte durch das wieder aufzubauenende Wehr gegen einen Jährlichen Pachtbetrag von 10 Mark; Bedingung ist, dass die Steinkonstruktion der alten Wehranlage unbeschadet bleibt.

Im selben Jahr wird ein neues Nadelwehr zur Stauung des Wassers errichtet, genau dort, wo heute die Holzbrücke ist.
Ein Nadelwehr ist eine genial einfache Konstruktion:
Im Bachbett wird eine Betonsohle eingebaut, die das Unterspülen der Anlage verhindert. An dieser wird ein Riegel angebracht, gegen den das untere Ende der Nadeln – lange Holzstangen – gegengelehnt wird und die durch den Wasserdruck nicht abrutschen können. Oberhalb des Wasserstandes wird ein Steg von der einen zur anderen Uferseite angebracht, in diesem Falle hier wurde in der Mitte noch ein Stützpfeiler eingebaut. Dieser ist heute nicht mehr vorhanden. Gegen diesen Steg wurden die „Nadeln“ einfach dicht nebeneinander gegengelehnt. Zur Regulierung des Wasserstandes zog man sie heraus, das Wasser floss unten heraus.

Auch Wikipedia hat Erläuterungen zum Nadelwehr, Ihr werdet auf deren Seite weitergeleitet!:

Wikipedia - Nadelwehr

Hier die Baubeschreibung des Nadelwehres:

Der Badebetrieb ist also maximal vorgesehen von Mai bis September, dann werden die Nadeln heraus gezogen, was den Fischen den Aufstieg zu ihren Laichgründen ermöglicht.

Im Juni 1926 wird der Badeweiher eingeweiht.

Per Bekanntmachung werden im Juni 1927 Öffnungszeiten und Preise veröffentlicht:



Aus dem Jahre 1927 gibt es einen Bericht des Bademeisters, der unter anderem von 3 Unfällen im ersten Jahr spricht. Eine Frau ist unter dem Wehr hindurchgezogen worden, da 5 der Nadeln zwecks Wasserstandsregulierung gezogen waren. Aber „außer einigen Fleischwunden und einer Verstauchung der Hand hatte dieser Unfall keine weiteren Folgen“… Ich male mir gerade aus, welche Wellen dies in unserer Zeit schlagen würde.

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In seinem Bericht des Jahres 1928 weist Bademeister Stindt auf einige Mängel hin.
Eine der Begrenzungsmauern besteht nur aus Lehm, wodurch dem Badeweiher über Gebühr Wasser entzogen wird. Er bittet darum, dass dafür gesorgt wird, dass ständig Wasser am Wehr überläuft, um Verunreinigungen und Tierkadaver etc abzuleiten, weil sich dies dort ansonsten aufstaut. Er bittet darum, ein Schütz einzubauen, was den Wasserablauf ermöglicht, ohne die Nadeln ziehen zu müssen.

1929 findet eine Besichtigung statt mit Staatsobersekretär Küpper, Bademeister Stindt und Kreisarzt Dr. Rütters. Daraufhin wird u.a. 100m weiter stromaufwärts ein Vorreiniger angebracht, der grobe Verunreinigungen herausfiltert, größere Steine im Flussbett werden durch Sprengungen entfernt, da sie Unfallgefahren darstellen und der Nichtschwimmerbereich wird durch ein Seil zum Schwimmerbereich abgetrennt. Regelmässige Chlorungen werden angeregt. Die Baracke = Umkleideräume bekommt 2 Fenster für bessere Übersicht des Bademeisters und wird renoviert.

Aus dem Jahre 1931 gibt es aus Planungsunterlagen eine Skizze der gesamten Anlage, die mir den ganzen Komplex zum ersten Mal verdeutlichte. Ich wusste zwar immer, dass hier ein Schwimmbad war, konnte mir das Ganze aber nie vorstellen. Mit dieser Zeichnung wurde die Badeanstalt für mich wieder 'lebendig':





Die Beschriftungen bedeuten "Schwimmbassin" in dem großen Feld, darunter der 4,50m breite "Nichtschw." - Bereich, darunter der"Sandliegeplatz", links das kleine Kästchen sind die "Zellen" = Umkleidekabinen und darunter der "Weg".

Wenn Ihr Euch also auf eine der zwei Rastbänke unterhalb des Weges setzt, dann sitzt Ihr im Nichtschwimmerbecken. Schließt die Augen und Ihr schaut über eine 16,60m breite Wasserfläche auf die gegenüberliegende 90 Meter lange Begrenzungsmauer. Das Schwimmbad hatte also eine 90 Meter lange Schwimmbahn! Davon können heutige Schwimmbäder nur noch träumen!
Vielleicht springt gerade neben Euch jemand vom Sprungbrett in das tiefere Becken oder winkt Euch vom Steg zu, der links von Euch über das Nadelwehr verläuft, nimmt die Abkürzung und springt von dort ins Wasser. Das Nichtschwimmerbecken ist nur mit einem Seil gegen das Schwimmerbecken abgeteilt. Von links schaut der Bademeister Herr Stindt vielleicht aus seinem Büro, dem rechten Fenster des Gebäudes, mit Argusaugen zu Euch herüber, ob Ihr Dummheiten macht, oder er verkauft aus dem linken Fenster heraus Kekse und andere Süssigkeiten an Kinder, die in einer Schlange davor warten.
Wenn Ihr von Eurer Bank aufsteht und nach links geht, dann ist dort noch die Treppe, die in den Schwimmerbereich hinab führte, gut zu erkennen.

Leider währte diese Zeit nur kurz, die unseelige Zeit des Zweiten Weltkrieges ging auch an der Flußbadeanstalt nicht spurlos vorrüber.
In einem Schreiben vom März 1940 wegen der Bezahlung des Beitrages der Berufsgenossenschaft steht, dass die Anlage seit 1939 geschlossen ist, die Baracken abgerissen seien und mit einer Wiederaufnahme des Badebetriebes nicht mehr zu rechnen sei...

Im Juni 1950 wurde erneut ein Bauantrag gestellt zur Errichtung einer Umkleide und eines Abortes.



Es gab 7 Umkleidekabinen, vom Gang aus gab es 2 Durchreichen, durch die die Badenden ihre Wäsche dem Bademeister reichten, der sie in einem dahinterliegenden, für die Badenden unzugänglichen Raum an Haken hängte. An der Stirnseite mit Blickrichtung zur Rur und hauptsächlich Richtung Nichtschwimmerbereich hatte der Bademeister wieder sein Büro sowie einen kleinen Verkaufsraum.



1959 wurde ein Schieber eingebaut, der gezielt das bodennahe Wasser ablaufen ließ und somit das erwärmte Wasser in höheren Wasserschichten zurückhielt.

Um 1960 wird die Anlage geschlossen, da sie durch Bakterien der Mützenicher Mülldeponie zu stark verunreinigt wurde.

Ich hoffe, ich konnte Euch ein paar Jahrzehnte zurück entführen und die alte Badeanstalt vor Eurem geistigen Auge wieder lebendig werden lassen!

Wenn Ihr die 3 Zahlen richtig habt, dann könnt Ihr das Dösschen jetzt öffnen in der Reihenfolge ABC. Bitte macht Eure Lösung anschließend wieder unkenntlich, wendet keine Gewalt an und versteckt die Dose wieder wie vorgefunden.

Happy hunting!

Quellen: Herzlichen Dank an
den Geschichtsverein des Monschauer Landes,
das Monschauer Stadtarchiv,
Wikipedia (Konstruktion Nadelwehr)

Additional Hints (Decrypt)

Uvre ortvaag qre Fpujvzzreorervpu

Decryption Key

A|B|C|D|E|F|G|H|I|J|K|L|M
-------------------------
N|O|P|Q|R|S|T|U|V|W|X|Y|Z

(letter above equals below, and vice versa)