Der "Schwarze Herzog" in Elsfleth
Dafür, dass der Marktplatz von Elsfleth nicht wirklich besonders groß ist, steht dort ein ziemlich großes Denkmal. Errichtet 1859, gewidmet dem "Schwarzen Herzog", Friedrich Wilhelm von Braunschweig-Oels, Generalmajor in der preußischen Armee Anfang des 19. Jahrhunderts, bis zur Besetzung weiter Teile Deutschlands durch Napoleons Truppen.
Auch er hatte sein Herzogtum an Napoleon verloren, und hatte – mit Unterstützung von Österreich – seine "Schwarze Schar", ein Freicorps aus über 2.000 Soldaten, zum Kampf gegen die Franzosen aufgestellt. Doch nach dem Waffenstillstand zwischen Österreich und Frankreich stand er isoliert da und musste den Rückzug antreten. Sein Plan war es, über das englisch kontrollierte Helgoland nach England zu fahren, um von dort ein weiteres Mal gegen Napoleon in den Kampf zu ziehen. Für die Einschiffung hatte der Schwarze Herzog den kleinen Hafen Elsfleth ausgewählt
Baskenmütze und Bart
![Der "Schwarze herzog" von Elsfleth [Quelle: Radio Bremen, Kristin Hunfeld] Der "Schwarze herzog" von Elsfleth [Quelle: Radio Bremen, Kristin Hunfeld]](https://imgproxy.geocaching.com/ff01ee2d467c5a1a082cf0edf7b9eb107a34eead/68747470733a2f2f7777772e726164696f6272656d656e2e64652f6e6f726477657374726164696f2f73657269656e2f7363686175706c61747a2d6e6f7264776573742f7363687761727a65722d6865727a6f672d656c73666c6574683130345f762d636f6e74656e74313678392e6a7067)

Der Marktplatz von Elsfleth samt Denkmal für den "Schwarzen Herzog".
Wie ein überdimensionaler gotischer Tabernakel ragt das Denkmal aus grauem Wesersandstein in den Himmel. Am Fuß findet sich das Profil des Herzogs, in Stein gemeißelt, und offenbar ganz gut getroffen: Mit Bart und Baskenmütze, an der Uniformjacke den Orden des Schwarzen Adlers.
Nur wenige Passanten interessieren sich heute für das Denkmal, überhaupt geht es ruhig zu rund um den kleinen Marktplatz zwischen Rathaus und Elsflether Kaje. Im August 1809 sah es hier ganz anders aus, erzählt Eik Reher, der ein Buch über den Herzog geschrieben hat. Zwei Tage lang campierte Friedrich Wilhelm von Braunschweig-Oels mit seiner Schwarzen Schar in Elsfleth.
Dabei waren sie schon ordentlich aufgeweicht, nach dem langen Marsch von Zwickau bis an die Weser, bei strömendem Regen und Tagesetappen von oft über fünfzig Kilometern, die Verfolger immer dicht auf den Fersen. In Hoya hatten sie die Weser überquert, und die Brücke – aus Zeitgründen nur zum Teil – hinter sich zerstört. Sie haben die Balken in den Bach geschmissen und sich so einen Vorsprung verschafft, erzählt Reher weiter.
Proviant aus Bremen
In Barrien teilte sich der Weg. Der Herzog, gar nicht dumm, entsandte ein kleines Kontingent Soldaten Richtung Bremen. Dort verlangte der Kommandant, ein Major Korfes, Proviant und Quartier für 5.000 Mann
Nicht nur Schiffe – kleinere Jollen und Lastensegler zumeist - mussten die Einheimischen dem Herzog und seiner Truppe zur Verfügung stellen, sondern auch reichlich Proviant, berichtet Gästeführerin Lina Walter.
Trotz der großen Anstrengungen, die der Herzog der Bevölkerung abverlangte, stand man ihm überwiegend wohlwollend gegenüber, sagt Eik Reher. "Natürlich brachte er ein bisschen Mut in die Bevölkerung zurück. Denn man darf nicht vergessen, die Franzosen hatten ja Deutschland, wie man so schön sagt, über’n Schnabel genommen."
Tod in Quatre Bras
Den Rebellen freiwillig zu helfen – das wäre lebensgefährlich gewesen. Das wusste auch der Schwarze Herzog. Deshalb händigte er seinen Unterstützern offizielle Schreiben aus, die den ausgeübten Zwang bescheinigten.
Am 7. August 1809 schifften sich der Herzog und seine Männer von Elsfleth und Brake aus ein. Drei Tage später erreichten sie Helgoland und am 14. August den englischen Hafen Grimbsby. Erst 1813 kehrte Friedrich Wilhelm nach Braunschweig zurück. 1815 starb er, zwei Tage vor der Schlacht von Waterloo, in einem Gefecht mit den Truppen Napoleons in Quartre Bras.