






Das Spukschiff von der Wittower Küste
Lang ist es her, als einmal ein stattlicher Dreimastschoner die Nordküste von Wittow entlangfuhr. Da wurde dem Kapitän gemeldet, an Bord sei das Trinkwasser ausgegangen. Sogleich gab er Order, so dicht wie möglich an die Küste heran zu segeln und auf der Höhe Varnkevitz, westlich von Arkona, ruderten zwei Matrosen in einem kleinen Boot an Land, um Trinkwasser zu holen.
Während sie noch dabei waren, auf dem Gutshof zu Varnkevitz ihr mitgebrachtes Faß zu füllen, kam von See her unversehens ein heftiger Sturm auf. Fieberhaft bemühte sich die Mannschaft, verzweifelt lief der Kapitän hin und her und schrie seine Kommandos, alles war vergeblich, das Schiff kam von der Küste nicht frei und machte keine Fahrt. So war es nur zu bald ein Spielball der wild heranbrausenden Wellen und zerschellte schließlich am steinigen Ufer unterhalb Varnkevitz, nicht weit vom Höllenliet.

Seit jenem Tage soll der Dreimastschoner dann und wann als Spukschiff nahe der Küste gesehen worden sein. Ja, einige Fischer schworen Stein und Bein deswegen. Bei hellem Sonnenschein war es plötzlich, ein völlig schwarzes Schiff in sausender Fahrt vor dem Wind, und an Bord war alles still, niemand ließ sich blicken. Auch behaupteten sie, das Gespensterschiff tauche jedesmal auf, wenn eine Sturmflut bevorstehe. Dagegen meinten andere, es lasse sich nur sieben Jahre einmal sehen.
Immer aber, wenn die Küstenbewohner es gesehen hatten, war es von Varnkevitz aus in Richtung auf die dänische Insel Möen zu gewesen.
(Quelle: Sagen und Märchen aus Putgarten auf Rügen, Carola Kühl)