Geschichte:
Der Bergbau Seegraben war der älteste Kohlenbergbau Österreichs. Er erstreckte sich untertags in ca. zwei Kilometern Ausdehnung nördlich der Leobener Murschleife.
Erste Kohlenfunde erfolgten 1606, ab 1726 der Abbau in größerem Umfang. Die ursprünglich drei Reviere wurden bis 1900 in die Österreichisch-Alpine Montangesellschaft aufgenommen. Gefördert wurde eine hochwertige Glanzkohle, die zum größten Teil firmenintern in Donawitz verwendet und nur zu einem geringen Teil als Hausbrand verkauft wurde. In Seegraben wurde erstmals in Österreich der Achtstundentag eingeführt (1889), 30 Jahre vor der gesetzlichen Verankerung. Der Abbau wurde 1964 auf Grund der Erschöpfung der Flöze eingestellt. Die Zentralförderanlage, der Zahlbruckner Schacht, ein von weitem sichtbares Wahrzeichen der Stadt, wurde am 27. August desselben Jahres gesprengt.

Entstehung von Kohle:
Vor etwa 400 Millionen Jahren markierte das Erdzeitalter Devon den Beginn der weltweiten Eroberung des Festlandes durch Pflanzen. Die ersten großen Wälder breiteten sich aus, pflanzenfressende Lebewesen gab es noch nicht. Gegen Ende des Devon traten die ersten amphibischen Lebewesen auf, die sich zeitweise auch an Land aufhielten. Der Gehalt des Luftsauerstoffes stieg durch die Verbreitung der Landpflanzen und ihre Photosynthese-
Aktivität an. Im Karbon erreichte die Konzentration des Luftsauerstoffes etwa 100 Millionen Jahre später mit 35 % ihren Höhepunkt. Der hohe Anteil des Luftsauerstoffes ermöglichte
das Wachstum riesenhafter Insekten und Gliedertiere. Es wurden Fossilien von Riesenlibellen mit einer Flügelspannweite von über 70 cm gefunden.
Das warme und feuchte Klima begünstigte den üppigen Pflanzenwuchs, ausgedehnte Sumpflandschaften bedeckten die Erde. Absterbende Pflanzen versanken im Sumpf und gelangten dadurch unter Luftabschluss. Durch das Fehlen von Sauerstoff wurde die natürliche Verrottung unterbunden und es entstand Torf. Infolge tektonischer Prozesse wurden die Sümpfe im Laufe
der Zeit von Gesteinssedimenten bedeckt. Unter wachsendem Druck und mit steigender Temperatur begann der Prozess der Inkohlung. Wasser und flüchtige Bestandteile wurden durch die Einwirkung des hohen Drucks aus dem Torf gepresst und es entstand Braunkohle. Aufgrund weiterer Ablagerungen von Gestein erhöhten sich der Druck und die Temperatur. Der Prozess der Inkohlung
setzte sich unter Abgabe von Kohlendioxid und Methan immer weiter fort, bis die Kohle zu Steinkohle oder in seltenen Fällen zu Grafit wurde. Der Anteil an Kohlenstoff nimmt mit steigendem Grad der Inkohlung immer weiter zu. Mit zunehmender Tiefe und zunehmendem Alter der Lagerstätte steigt die Qualität der Kohle. Der Entstehung der mächtigen Steinkohlelager verdankt dieses Zeitalter seinen Namen Karbon, der sich aus dem lateinischen Wort carbo für Kohle herleitet.

GEOLOGIE:
Die Entstehung des Leobener Neogenbeckens ist eng mit der Entwicklungsgeschichte der Alpen verbunden. Während der alpidischen Gebirgsbildung führte zunächst das Nordwestwärtswandern der apulischen Platte gegen die europäische Kontinentalplatte zu einer Einengung und dem daraus resultierenden Aufstieg der Alpen. Schließlich wichen große Teile der Ostalpen gegen Osten in den panno- nischen Raum aus. An den Rändern der sich ostwärts bewegenden Krustenteile traten starke Relativbewegungen (Seitenverschiebungen) auf, die bis heute andauern. Dies äußert sich unter anderem durch das
häufige Auftreten von Erdbeben in diesen Bereichen. Praktisch alle großen Alpenlängstäler (Salzachtal, Ennstal, Gailtal, ...) folgen diesen Seitenverschiebungszonen. So auch die Norische Senke, welche sich weitgehend mit dem oberen Murtal zwischen Tamsweg und Bruck/Mur sowie dem Unterlauf der Mürz deckt und sich über den Semmering bis Gloggnitz fortsetzt.
Als Folge dieser Seitenverschiebungen entstand im Neogen (Zeitraum vor 24,6 bis 1,6 Mio. Jahren) entlang der Norischen Senke eine Aneinanderreihung von kleinen Becken - bis 3 km tiefe Einsenkungen, welche mit vorwiegend klastischen Sedimenten (Sande, Tone, Kiese, Kohlen, ...) ausgefüllt worden sind.
Das Leobener Becken ist eines dieser Neogenbecken, wobei der zeitliche Umfang der hier abgelagerten Sedimente vom oberen Untermiozän (Karpatium) bis ins Mittelmiozän (Badenium) reichen dürfte.

GEOLOGISCHER AUFBAU:
Die neogenen Sedimente des Leobener Beckens lagern dem oberostalpinen Paläozoikum der Grauwackenzone auf. Dies sind zum überwiegenden Teil Phyllite der Norischen Decke. Im äußersten Nordwesten bilden Kalke den Beckenuntergrund. Im südwestlichen Teil am Münzenberg wurden dunkle Schiefer als Liegendes angetroffen. Diese gehören zur Veitscher Decke der Grauwackenzone, die südlich von Leoben aufgeschlossen ist.
Die Sedimentationsgeschichte im Leobener Neogenbecken startet in einzelnen Grundgebirgs- mulden mit der Ablagerung von bis zu 50 m mächtigen Basisschichten. Diese sind eine Wechselfolge von Phyllitbrekzien mit Sanden und Tonen. Lokal ist ein dünnes Kohle- flöz (Liegendflöz) eingeschaltet (LACKENSCHWEIGER, 1937).
Ein bis 16 m mächtiges Kohleflöz bedeckt diese Basisschichten, liegt aber zum überwiegenden Teil als Grundflöz direkt dem Grundgebirge auf. Der hängendste Anteil des Kohleflözes ist lokal als Sapropelit („Brandschiefer“) ausgebildet. Uber der Kohle bzw. dem Sapropelit lagert ein bis 25 m mächtiger, bituminöser Tonschiefer, der durch seine reiche Fossilführung charakterisiert ist. Zahlreiche, oft nur wenige Millimeter dünne, bisher undatierte Tuffe und Tuffite treten sowohl in der Kohle, als auch in den Tonschiefern auf (PETRASCHECK, 1922-1924). Zum Hangenden hin gehen die Tonschiefer in Mergel und schließlich in Sandsteine über (LACKEN- SCHWEIGER, 1937). Diese Abfolge ist mit etwa 140 m im südlichen Abschnitt des Beckens am mächtigsten und verjüngt nach Norden.
Diskordant lagern darüber bis zu 60 m mächtige Konglomerate („Hauptkonglomerat“). Sie greifen teilweise an den Beckenrändern transgressiv auf das Grundgebirge über. An Komponenten finden sich vor allem Kalk- und Kalkmarmor- gerölle. Die Komponentengröße erreicht im Tollinggraben bis zu 40 cm und nimmt zum südlichen Beckenrand hin ab. Das sehr harte
Konglomerat formt obertags steile Wände mit canyonartigen Erosionseinschnitten (z.B. „Birkenwandl“ zwischen See- und Prentgraben) und bildet weit klaffende Spalten in Bergschadensgebieten (z.B. Veitsberg) aus. Darüber sind vor allem im westlichen Beckenteil blaugrüne mergelige Sandsteine ausgebildet.
Sie lieferten die reiche Säugerfauna von Leoben. Die hängendste Einheit der Beckenfüllung bildet ein überwiegend Phyllitkomponenten führendes, sandiges Konglomerat, das von HÖFER (1903) als „Hangendkonglomerat“ bezeichnet wurde.

BECKENENTWICKLUNG:
Das Leobener Becken besteht aus den beiden asymmetrischen Teilbecken Tollinggraben und Seegraben. Diese sind jeweils im Süden durch einen steilen Randbruch begrenzt. Heute ist ein Vertikalversatz von etwa 360 m erhalten.
Die Beckenentwicklung begann mit der Ablagerung von Brekzien in einer flachen Senke. Darüber entstand ein ausgedehntes Hochmoor, welches weit über die Basisschichten hinausreichte und direkt auf die Phyllite des Grundgebirges Übergriff. Nach einer raschen Absenkung des Untergrundes bildete sich ein See, das Moor ertrank und bituminöser Ton wurde abgelagert (GRUBER & SACHSENHOFER, 2001). Anschließend kam es im gesamten Gebiet um das Leobener Becken zu einer Nordwest-Südost gerichteten Einengung, wodurch die noch unreifen, weichen Kohlen und Tone gefaltet wurden. In weiterer Folge traten sogar Überschiebungen, besonders entlang des streckenweise nach Norden überkippten Beckensüdrandes auf.
Die gesamte Region wurde anschließend südwärts verkippt und der so entstandene Ablagerungsraum mit einer nach oben gröber werdenden Abfolge von Tonen, Mergeln und Sandsteinen aufgefüllt. Diskordant darüber lagerten sich mächtige, vorwiegend aus Norden eingeschüttete Konglomerate und Sandsteine ab.
In einer weiteren Dehnungsphase wurden nach NW und SO gerichtete Abschiebungen angelegt. Das Kohleflöz ist entlang dieser Störungsbahnen zerrieben. Die jüngste beobachtete sprödtektonische Struktur sind N-S streichende rechtsseitige Seitenverschiebungen. Bis heute ist ein großer Teil der ehemaligen neogenen Schichtfolge wieder abgetragen worden.
DAS KOHLEFLÖZ:

Das Hauptflöz erreicht im zentralen Teil östlich des Wartinberg-Schachtes bis zu 16 m Mächtigkeit. Diese nimmt nach Norden auf 10 - 12 m ab, in Münzenberg werden 5-7 m und bei Proleb generell unter 4 m Kohle angetroffen. Das Flöz fällt im Mittel mit 10° nach Süden ein. Einzelne Grundgebirgsrücken, gegen die das Flöz teilweise auskeilt, ragen bis in die Hangendserien. Entlang des Südrandes steilt es um max. 40 m auf bzw. ist im Südwesten in mehrere Falten gelegt. Dabei sind durch Moorsäuren zersetzte, gebleichte Phyllite aus dem Grundgebirge eingefaltet. Die Kohle selbst ist trotz intensiver Deformation fest, woraus LACKENSCHWEIGER (1937) eine Deformation noch im Moorstadium ableitet. Innerhalb des Flözes treten nur unbedeutende NO-SW streichende Brüche auf, am Nordrand und im Tollinggraben hingegen versetzen sie das Flöz zur Gänze.
Die Kohle ist dadurch samt dem Hangenden zerrieben.
Die Qualität der Leobener Kohle ist außerordentlich hoch. Aschereiche Abschnitte treten nur im untersten Flözabschnitt und dem Liegendflöz auf, während die Kohle sonst sehr arm an Asche und Schwefel ist.
Zum Cache:
An den angegebenen Koordinaten befindet Ihr Euch am ehemaligen Traugottstollen.
Das Mundloch sowie daneben die Aussortierhalde zeugen von der Blütezeit des Kohlebergbaues in diesem Raum. Wer mit offenen Augen durch das Gelände streift, kann so manches Kohlestück als Erinnerung an die einstig rege Bergbautätigkeit finden.
Ganz in der Nähe des Eingangs kommt ihr zu einem kleinen aufgeschlossenen Magerkohleflöz. Bitte kratzt selbst nicht an dem Flöz herum, was dazu führen würde, dass die Front tiefer in das Nebengestein rutscht. Die anstehenden Flöze verläuft parallel zur Gesteinsschichtung und hatte keine große Mächtigkeit um bergmännisch abgebaut zu werden.

Die Kohle kommt hier an einigen Stellen als schwarzes Sedimentgestein an der Tagesoberfläche zum Vorschein. Zu Beginn des Kohlebergbaus wurde nur oberflächennah nach Kohle gegraben. Diese Form von Kohlengräberei ging aber bereits im 18. Jahrhundert zu Ende, da die Nachfrage nach Kohle schnell anwuchs. An die tiefer liegenden Kohlenflöze gelangte man später mit Stollen, Erbstollen und schließlich mit Tiefbau-Schächten.
Wenn du dich auf die Suche nach Spuren der Vergangenheit gemacht hast und fündig geworden bist, dann beantworte bitte folgende Fragen:
1) Beschreibe mit wenigen Worten die Glanzkohle… (Farbe, aus welchem chemischen Element besteht sie, wie nennt man das Gestein)
2) Wie glaubst du wird die Glanzkohle noch genannt und warum glänzt sie?
3) Was meinst du? wie stark war die Kohlenflöze in Seegraben?
4) a)Verwende dein GPS-Gerät bzw. Smartphone und finde heraus, auf welcher Seehöhe sich der Stolleneingang befindet. Wie groß ist der Höhenunterschied zum Ort Seegraben (auf 545m gelegen)?
b) Was meinst du, musste dieser Stollen Waagerecht oder Senkrecht in den Berg getrieben werden um an das Glanzkohle Vorkommen zu stoßen?
5) Postet ein Foto von euch und/oder eurem GPS vor dem Eingang zum Stollen (bei den angegebenen Koordinaten
Lasse mir die Lösungen auf dem schriftlichen Kommunikationsweg Deiner Wahl zukommen. Danach kannst Du sofort loggen.