Das Brohmer Ei
Ein weiteres Mal möchte ich euch einen besonderen Findling zeigen. Das Brohmer Ei befindet sich in einem kleinen Lapidarium nahe des ehemaligen Franziskanerklosters. Es ist jederzeit frei zugänglich. Drei Merkmale machen diesen Sandstein zu etwas Außergewöhnlichem und unterscheiden ihn von anderen Sandsteingeschieben: seine ungewöhnliche Form wie ein großes Ei, seine geschrammte Oberfläche und vorhandene Tongallen in den Lagen. Als Geotop steht das Brohmer Ei unter besonderem Schutz.
Das Brohmer Ei ist 1,80 m lang, 1,20 m breit und 1 m hoch. Es besteht aus mittelkörnigem Sandstein. Findlinge aus Sedimentgestein mit Ausdehnungen über 1 m stehen in Mecklenburg-Vorpommern unter Naturschutz. Vermutlich handelt es sich bei dem Sedimentgestein um Rhät-Lias. Demzufolge ist das Sandstein- Ei ca. 200 Millionen Jahre alt.
Es hat seinen Ursprung im Ostseeraum, vermutlich in Schonen (Südschweden) oder der Insel Bornholm (Dänemark). Auf dem Eisweg wurde es von Gletschern ins Inland transportiert bis in die Gegend von Brohm. Nur sehr harte Steine überstehen die Belastungen beim Transport über weite Strecken. Der Gletscher selbst und andere Geschiebe setzen den Steinen auf dem Weg nach Süden zu. Sedimentgesteine sind deshalb unter den Findlingen relativ selten. Der Gesteinsverbund von Sandstein ist vergleichsweise locker, so dass ein derartiger Findling auf seiner langen Reise deutlich an Größe einbüßen bzw. nur als Fragment erkennbar sein würde.
Allgemeines zu Sandstein
Sandstein: Der Name ist Programm. Ausschlaggebend für die Bezeichnung Sandstein ist das Material, aus dem Sandsteine bestehen: Sand. Im geologischen Sinn versteht man unter Sand ein Lockermaterial, das durch Verwitterung entstanden ist und dessen Korngröße bis zu 2 Millimeter beträgt. Zusammengesetzt sind Sandsteine vor allem aus Sandkörnern, die in der Regel aus Quarz bestehen. Daneben können Glimmerminerale, Calcit oder erzhaltige Minerale im Gestein vertreten sein. Für den Zusammenhalt der einzelnen mineralischen Bestandteile von Sandstein sorgen Ton, Kalk, Kiesel oder Kalkspat. Teilweise findet sich in der genaueren Bezeichnung der jeweiligen Sandsteine ein Hinweis auf das Bindemittel. So gibt es zum Beispiel Quarzsandstein, Kalksandstein, Eisensandstein oder Tonsandstein.
Die Sandkörner bilden nach ihrer Ablagerung ein Lockersediment. Die einzelnen Körner lagern sich nach Art einer Kugelpackung aneinander, so dass zwischen den Mineralkörnern ein Porenraum verbleibt, der meist wassergefüllt ist. Aus einem solchen Lockersediment entsteht im Laufe der Zeit ein Festgestein. Zunehmender Druck durch überlagernde Sedimente bewirkt zunächst eine Verdichtung des lockeren Sandes, wobei sich das Porenvolumen verringert. Überschüssiges Wasser wird herausgepresst und die verkittenden Substanzen werden aus im Sand zirkulierenden Lösungen ausgefällt. Diesen Vorgang nennt man Zementation.
Schauen wir uns nun die genannten besonderen Merkmale des Brohmer Eis genauer an:
Die Ei-(genartige)Form
Beim Brohmer Ei handelt es sich um eine sogenannte Sandstein-Konkretion. Als Konkretionen bezeichnet man oft eiförmige oder runde mineralische Körper in Sedimenten und Sedimentgesteinen. Sie entstehen durch lokal begrenzte Ausfällung aus wässriger Lösung (Porenwasser). Die Konkretion setzt an einem Kristallisationsmittelpunkt an, besitzt also einen Kern. Dabei handelt es sich oft um organische Reste, wie Blätter, Zähne oder Teile von Muscheln, die auf diese Weise fossilisiert werden. Dieser Kern bewegt sich in einer wässrigen, zirkulierenden Lösung, wächst so allmählich von innen nach außen weiter und erhält dadurch seine runde Form. Die Ausfällung wird durch pH-Unterschiede um die organischen Reste ausgelöst. Konkretionen können wenige Millimeter bis mehrere Dezimeter groß sein und sind aufgrund der Zementationsbildung oft härter und verwitterungsbeständiger als das Wirtsgestein (Sediment) selbst. Die Kugeln findet man heute einzeln, wie beim Brohmer Ei, oder auch in Gruppen verbunden.
Gletscherschrammen auf der Gesteinsoberfläche
Ein gekritztes Geschiebe ist ein Stein, der Spuren des eiszeitlichen Transportes, in Form von Schrammen und Kritzungen, durch die Gletscher zeigt.
Erkennbar sind die Schrammen an mehr oder weniger parallelen Riefen auf einer meist recht glatten Gesteinsoberfläche. Diese Riefen sind durch die Bewegung des eingefrorenen Steines über dem harten Untergrund entstanden, also durch die Schleifwirkung von Geschiebe, die im Gletscher mitgeführt werden. Solche Kritzungen konnten sich nur bilden, wenn sich der Stein an der Basis des Gletschereises befand. Da sich Eis nicht wie ein Festkörper bewegt, sondern wie eine zähe Flüssigkeit, durchmischen sich auch verschiedene Teile des Eises miteinander. Ein großer Teil des transportierten Gesteins steckte deshalb im Inneren der Eismasse und nicht nur an seiner Unterseite. Sehr oft sind es Kalke, die die Spuren des eiszeitlichen Transportes deutlich zeigen. Das liegt daran, daß sie weicher als andere Gesteine sind. Aber auch harter Granit zeigt diese Schrammen. Schwieriger ist es, ein kleines Stück zu finden. Die schönsten Gletscherschrammen sind oft auf den unverrückbaren, tonnenschweren Findlingen. Im Rüdersdorfer Kalk (bei Berlin) sind diese Schleifspuren schon im 19. Jahrhundert bekannt gewesen und haben einen Anteil an der Aufklärung der Frage gehabt, wie denn überhaupt die skandinavischen Gesteine nach Deutschland kamen. Die Erkenntnis, dass es Vereisungen gab und Eis in der Lage ist, enorme Brocken zu transportieren, ist noch nicht sehr alt und noch um 1900 war die Idee von Vereisungen und damit zusammenhängendem Gesteinstransport keineswegs allgemein akzeptiert. Aus dem Verlauf der Gletscherschrammen kann heute die Fließrichtung des Eises rekonstruiert werden.
vorhandene Tongallen in den Lagen
An einigen Stellen fallen die kleinen Löcher im Sandstein ins Auge. Sie entstehen durch die Auswitterung weicherer Bestandteile im Gestein. Meist sind dies kleine sogenannte Tongallen, die im Laufe der Ablagerung als Tonstücke in den Sandstein eingelagert wurden. Während des Transports in fließendem Wasser wurden sie gerundet, blieben auf dem Grund liegen, und wurden durch Ablagerung weiterer Sedimente in den Sandstein eingearbeitet.
Tonmineralien können fein verteilt, in Form von Schlieren oder Tongallen genannten Konkretionen im Gestein vorkommen. Diese weichen „Kugeln“ sind nun besonders anfällig und fallen der Verwitterung durch Wind und Wetter als erstes zum Opfer. Dadurch hinterlassen sie kleine und größere Löcher auf der Oberfläche des Steins, so auch im Brohmer Ei.
Schaut euch das Brohmer Ei genau an und beantwortet dann bitte vor dem Loggen folgende Fragen:
1. Sind die Tongallen reichlich oder eher wenig vorhanden? Erscheinen euch die Toneinlagerungen gleichmäßig verteilt und unterscheiden sie sich voneinander?
2. Wo am Stein sind die Gletscherschrammen erkennbar und wie sehen diese aus?
3. Ist eurer Meinung nach das Brohmer Ei an dieser Stelle in der Position abgelegt worden wie der Gletscher es her transportiert hat? Begründet eure Antwort!
4. Was spricht für den kurzen Transportweg aus dem Ostseeraum bis nach Norddeutschland?
Schickt eine Mail mit euren Antworten an mich! Nach dem Absenden der Antworten könnt ihr gleich loggen. Falls etwas nicht in Ordnung ist, melde ich mich. Ihr braucht nicht die Logfreigabe abwarten! Ich wünsche euch viel Spaß bei dieser geologischen Entdeckungsreise!

Quellen: kristallin.de, geodienst.de/Petrographie des Sandsteins, eigene Fotots