Verschwörungstheorien, Fake News und alternative Fakten haben gegenwärtig Konjunktur, auch wenn sie nicht unbedingt ein kulturelles Phänomen des 21. Jahrhunderts sind. Der exzessive Umgang mit sozialen Medien sorgt für die Entstehung von Filterblasen und sektenähnlichen Strukturen, die eine gefährliche Eigendynamik entwickeln können. Und natürlich haben diese Verschwörungsmythen bereits das politische Tagesgeschehen erreicht, wo die Menschen mit verdrehten Fakten und Lügen für dumm verkauft werden (postfaktische Politik).
Mit meiner Cacheserie "Conspiracy Theory" möchte ich zwar diese Thematik aufgreifen, aber eher die amüsanten Aspekte in den Vordergrund stellen. Die Erde ist flach und noch dazu von Reptiloiden bevölkert, während die normalen Menschen durch Chemtrails vergiftet werden. Da sind wir ja schon fast bei dem großen Austausch, dessen Ziel es ist, die Zahl der Deutschen zu vermindern und durch muslimische oder außereuropäische Einwanderer zu ersetzen. Wenn man stattdessen den Reichsbürgern glauben möchte, dann existiert die Bundesrepublik Deutschland ja ohnehin nicht und wir leben nach wie vor im Deutschen Reich mit den Grenzen von 1937. Die Liste der Verschwörungstheorien ließe sich beliebig verlängern. Jetzt sollten wir aber endlich die Aluhüte aufsetzen und dieser verrückten Welt einen Besuch abstatten.

Diesmal stelle ich eine Verschwörungstheorie vor, deren Werdegang man im Detail nachvollziehen kann. Ausgangspunkt ist die in den Jahren 1970 bis 1992 durchgeführte Kola-Bohrung, eine ultratiefe geologische Bohrung auf der russischen Halbinsel Kola. Ziel der Forschungen war es, mehr über den Aufbau und die Zusammensetzung der Erdkruste zu erfahren. Der Standort war mit Bedacht gewählt worden, denn die Kola-Halbinsel ist der obere Teil des Baltischen Schildes, der geologisch sehr alte Kern des europäischen Kontinents. Die zum Teil bedeutsamen wissenschaftlichen Ergebnisse und technischen Details sind ausführlich in dem Wikipedia-Artikel beschrieben.
Etwa drei Jahre vor Ende der Bohrarbeiten entstanden Gerüchte über merkwürdige Begebenheiten im Zuge der Bohrung: Bei einer Tiefe von 14 km (die real nie erreicht wurde) sei man plötzlich auf einen Hohlraum hoher Temperatur gestoßen und habe menschliche Schreie gehört - angeblich war die Hölle angebohrt worden. Ursprung dieser Mythenbildung war wahrscheinlich ein Leserbrief in der finnischen Tageszeitung "Etelä-Suomen Sanomat". Daraufhin übernahm ein kleines religiöses Monatsblatt namens "Ammenusastia" den Brief als Nachrichtenmeldung. Von dort erreichte die vermeintliche Nachricht über die Entdeckung der Hölle schließlich das "Trinity Broadcasting Network", kurz TBN, das weltweit größte religiöse Fernsehnetzwerk.
Die Legende wurde endgültig zur Verschwörungstheorie, nachdem der norwegische Theologe und Lehrer Åge Rendalen herausfinden wollte, wie weit er die Leichtgläubigkeit der Menschen strapazieren konnte. Er schrieb einen Leser- bzw. Zuschauerbrief an TBN, in dem er die Geschichte noch ausbaute und von einer Gestalt mit Fledermausflügeln berichtete, die aus dem Bohrloch schlüpfte. Auch wenn Rendalen sofort einen Rückzieher machte und öffentlich äußerte, er habe eine Lügengeschichte verbreitet, war diese selbst von ihrem Schöpfer nicht mehr aufzuhalten. Der Mythos von der Entdeckung der Hölle verbreitete sich wie ein Lauffeuer: Weitere Fernsehprediger adaptierten die Geschichte, christliche Zeitschriften wie "Christianity Today" und selbst renommierte Tageszeitungen wie "The Birmingham News" kolportierten dankbar diesen Unsinn. Und natürlich ist heutzutage auch das Internet voll von "Berichten" und Videos über die russische Höllenbohrung.
Um den Cache zu finden, müssen zwei Aufgaben gelöst werden, die miteinander verknüpft sind und thematisch zu diesem Mystery passen. Zumindest die erste Aufgabe sollte für den versierten Geocacher kein allzu großes Problem sein. Zur Vereinfachung nehme man eine exakt kugelförmige Erde homogener Dichte an, die einen Radius von 6371 km hat.
Aufgabe 1:
Es möge ein etwas längeres Bohrloch betrachtet werden, das zwei entfernte Punkte auf der Erde miteinander verbindet. Konkret wollen wir einen geraden Tunnel zwischen den Mystery-Koordinaten und der Teufelsinsel vor der Küste von Französisch-Guayana (Koordinaten gemäß Wikipedia) bohren. Wie lang wäre dieser Tunnel in km? Diese Zahl sei mit L bezeichnet.
Aufgabe 2:
Wenn wir tatsächlich einen derartigen Tunnel hätten, könnte man die Schwerkraft zum Antrieb eines reibungsfreien Fahrzeuges nutzen. Bis zur Tunnelmitte hätten wir eine Beschleunigung und danach wirkt die Gravitation abbremsend, sodass das Fahrzeug am anderen Ende zum Stillstand käme. Wie lange (in Minuten) würde die Reise durch den gesamten Tunnel dauern? Diese Zahl soll T genannt werden.
Ausgehend von der im Header spezifizierten Position findest du den Cache in einer Entfernung von L/10 m in Richtung T° rwN. Dein Ergebnis kannst du mit GeoCheck verifizieren (bei einer Toleranz von 10 m). Dort wirst du noch weitere Informationen und zusätzliche Hints erhalten. Die Koordinaten sind von mir mit besonderer Sorgfalt ermittelt worden. Um dem heutigen Standard zu genügen, wurden neben NAVSTAR GPS auch GLONASS und Galileo für die Positionsbestimmungen einbezogen.

Natürlich konntest du in meinem Ursprungscache - den alten Gepflogenheiten entsprechend - neben dem Logbuch auch Trade-Items unterschiedlicher Art vorfinden. Für die ersten drei Finder gab es jeweils eine Urkunde mit einem kleinen Geschenk (Achatscheiben unterschiedlicher Größe). Ein Trackable gehörte ebenfalls zum Startinhalt. Viel Spaß bei der Suche!
Hinweis: Bitte den Cachebehälter wieder sorgfältig (d.h. nicht sichtbar) verstecken!
Vielleicht hast du ja Lust, einen meiner anderen Caches aus der Serie zu suchen:
Conspiracy Theory – Nazi UFOs
Conspiracy Theory – Angels don't play this HAARP
Conspiracy Theory – Over-Unity Effect
Conspiracy Theory – The Roswell Balloon