Viersener Sprung - Tektonik am Niederrhein
Einleitung
Die Viersener nennen den Höhenzug "Hoher Busch", fĂŒr die SĂŒchtelner sind es die "SĂŒchtelner Höhen". Mit diesem Earthcache wollen wir uns aber nicht in den Bereich der Onomatologie begeben. Vielmehr möchten wir aufzeigen, wie diese Erhebung am sonst doch so flachen Niederrhein entstanden ist.
Geologisch-tektonischer Ăberblick
Das Gebiet der Niederrheinischen Bucht bildet zusammen mit dem nördlich anschlieĂenden Niederrheinischen Tiefland eine sich keilförmig nach Norden erweiternde geologische und tektonische Struktureinheit zwischen dem rechtsrheinischen Schiefergebirge mit Bergischem Land und Ruhrgebiet im Osten und dem linksrheinischen Schiefergebirge mit Eifel und Brabanter Block im Westen.
Dieses Senkungsgebiet wird von einer Reihe Nordwest -SĂŒdost streichender Störungen durchzogen, an denen der Untergrund in zahlreiche Schollen (Horste und GrĂ€ben) zerlegt ist. Hierbei trennt der inmitten der Niederrheinischen Bucht verlaufende Viersener Sprung das Hochgebiet der Krefelder Scholle im Osten von der tiefer liegenden Venloer Scholle im Westen.[1]

Heutige TertiÀrverbreitung und tektonischer Bau der Niederrheinischen Bucht [3]
Kleinere Begleitstörungen westlich des Viersener Sprunges (z. B. DĂŒlkener oder Rheindahlener Sprung) lassen dabei ein eng gestaffeltes Sprungsystem (Terrassentreppe) mit kleineren SeitenĂ€sten erkennen. FĂŒr den hier betrachteten Raum werden sie zusammenfassend als Mönchengladbacher Staffel bezeichnet.
Nach Untersuchungen von Geologen sind die Schichten der Venloer Scholle entlang des Viersener Sprunges gegenĂŒber der Krefelder Scholle um bis zu 600m abgesunken, wobei die VerwĂŒrfe fĂŒr das PalĂ€ozoikum (541 Millionen Jahre bis ca. 251,9 Millionen Jahre vor heute) ca. 180m, fĂŒr das OberoligozĂ€n (33,9 Millionen Jahre bis ca. 23,03 Millionen Jahre vor heute) - den Zeitraum der tiefsten Absenkung - ca. 300m und fĂŒr das PliozĂ€n (5,333 Millionen Jahre bis ca. 2,588 Millionen Jahre vor heute) ca. 70 - 80m betragen.
WĂ€hrend des QuartĂ€rs setzte sich die Absenkung fort. Danach sind die Ălteren Hauptterrassen im Bereich der Venloer Scholle heute um ca. 40 - 50m, die JĂŒngeren Hauptterrassen um ca. 26m gegeneinander abgesunken. FĂŒr das HolozĂ€n wurden nördlich von Hinsbeck AbsenkungsbetrĂ€ge von 3m, das sind 0,3mm/a, ermittelt. Auch heute noch senkt sich die Venloer Scholle weiter ab. Wie regelmĂ€Ăig durch die Bezirksregierung Köln Abteilung 7 - Geobasis NRW (ehem. Landesvermessungsamt NRW) vorgenommene Leitnivellementsmessungen im Stadtgebiet Viersen ergeben haben, betrug der Senkungsbetrag der Venloer Scholle im Zeitraum zwischen 1961 und 1989 etwa 3cm. Somit ist der Viersener Sprung eine fortlebende Verwerfung.[1]
Erdgeschichtliche und rÀumliche Einordnung
Im Bereich des SĂŒchtelner Höhenzuges zwischen Herongen und Viersen sowie im westlich angrenzenden Schwalm-Nette-Gebiet wird die quartĂ€rzeitliche Schichtenfolge hauptsĂ€chlich von den 2,6 - 0,5 Mio. Jahre alten unter- bis mittelpleistozĂ€nen Ablagerungen der Niederrhein-Hauptterrassen-Formation des Rhein-Maas-Systems eingenommen. Zwischen den beiden Ablagerungsgebieten verlĂ€uft der Viersener Sprung, der die Krefelder Scholle (Hochscholle) im Osten von der Venloer Scholle (Tiefscholle) im Westen trennt. Infolge der unterschiedlichen tektonischen Bewegungen ist nicht nur die Höhenlage unterschiedlich, sondern zwischen den beiden Gebieten schwankt auch die MĂ€chtigkeit der Terrassenabfolgen stark. MĂ€chtigen Profilen auf der Tiefscholle stehen gering mĂ€chtige Profile auf der Hochscholle gegenĂŒber, die aufgrund des Fehlens besonderer Merkmale, insbesondere von Tonen im Bereich der Tegelen-Schichten, nur schwer miteinander zu parallelisieren sind. Aufgrund der Höhenlage von +80 bis +85 mNHN beziehungsweise der Schwermineralzusammensetzung wurden die im Plateaubereich des SĂŒchtelner Höhenzuges vorhandenen Sande und Kiese in der Vergangenheit teilweise als Ăquivalente der Ălteren oder JĂŒngeren Hauptterrassen angesprochen.[2]

Querprofil SĂŒchtelner Höhenzug Schwalm-Nette-Gebiet zwischen Viersen-DĂŒlken und -SĂŒchteln [3]
Sedimentologische und petrographische Untersuchungen (Geröllbestand, Schwermineralanalysen, Feuersteinzahl) an einer Reihe von AufschlĂŒssen und Bohrprofilen belegen, dass im Schwalm-Nette-Gebiet eine mehr oder weniger vollstĂ€ndige Abfolge der Niederrhein-Hauptterrassen-Formation von den Ălteren bis zu den JĂŒngeren Hauptterrassen vorhanden ist. Die im Plateaubereich des SĂŒchtelner Höhenzuges in der Höhenlage von +80 bis +85mNHN vorhandenen Sande und Kiese sind als Ablagerungen der Tegelen-Schichten einzustufen und dabei mit dem "Schotter d" beziehungsweise der Holzweiler-Formation zu parallelisieren.[2]
Formsandgrube
In seinem Kern besteht der SĂŒchtelner Höhenzug aus marinen Sedimenten des OberoligozĂ€ns (Grafenberg-Formation). Aufgrund ihrer petrographischen Eigenschaften wurden sie dort seit der ersten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts in z.T. groĂen Sandgruben abgebaut und als natĂŒrliche Formsande fĂŒr die Herstellung von Gussformen an die Eisenindustrie der nĂ€heren und weiteren Umgebung geliefert.
Die beim Abbau geborgene Meeresfauna lieferte zahlreiche in Westeuropa einzigartige OberoligozÀn-Fossilien, insbesondere Muscheln (Glycymeris, Harbecardium, Arctica, Glossus und Panopea), welche die Grundlage zur Kenntnis der ehemaligen Lebens- und AblagerungsverhÀltnisse in diesem Raum bilden.[1]

Steinkerne von Muscheln (Arctica rotundata), Grafenberg-Formation (OberoligozĂ€n); Formsandgrube Freudenberg, Viersen-SĂŒchteln
In der ehemaligen Formsandgrube Eduard Bong sĂŒdlich der Sportanlage des ASV SĂŒchteln am Westrand von SĂŒchteln ist der Grenzbereich Hauptterrassenablagerungen/Grafenberg-Formation verschiedentlich noch gut aufgeschlossen.

Tegelen-Schichten mit basaler Blocklage (Schotter d bzw. Holzweiler-Formation) und Verkleinerung der KorngröĂe nach oben ĂŒber Grafenberg-Formation (OberoligozĂ€n); ehemalige Formsandgrube Bong, Viersen-SĂŒchteln

Viersener Sprung in einem Schurf in Viersen-SĂŒchteln 2001
Aufgaben und Logbedingungen
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Wie du gelernt hast, sind die Schichten der Venloer Scholle entlang des Viersener Sprunges gegenĂŒber der Krefelder Scholle um bis zu (!!!) 600m abgesunken. Stell dir vor, du könntest durch die Zeit reisen und du kehrst in 100000 Jahren an die gleiche Stelle zurĂŒck und blickst Richtung Westen. Wie hat sich der Höhenunterschied in der Landschaft verĂ€ndert, vorausgesetzt die Tektonik schreitet mit unverminderter Geschwindigkeit fort?
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Viel SpaĂ!
Quellen
[1] Geologischer Dienst Nordrhein-Westfalen (2020): scriptum online 4, Geowissenschaftliche Arbeitsergebnisse aus Nordrhein-Westfalen; https://www.gd.nrw.de/pr_shop_scriptumonline.htm
[2] Geologischer Dienst Nordrhein-Westfalen [Hrsg.] (2008): scriptum 17, Arbeitsergebisse aus dem Geologischen Dienst Nordrhein-Westfalen
[3] Geologischer Dienst NRW | http://www.gd.nrw.de
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