GC966XM Ein anderer Stadtführer
Dieser Multi soll Euch die heute noch sichtbaren Spuren des sicherlich traurigsten Kapitels in der Osnabrücker Geschichte zeigen. Es handelt sich um einen Rundweg von ca. 5 km und 9 Stationen inkl. Finale. Mit den Stationen sucht ihr Orte auf, die einen Bezug zu einer von den Nationalsozialisten verfolgten Personengruppe haben. An den angegebenen Parkkoordinaten könnt ihr Euren Wagen mind. 3 Stunden abstellen (abends oder am Wochenende teilweise länger). Am besten reist ihr natürlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad an.
Station 1: Nord 52° 16.780 Ost 008° 02.815

Das 1928 im Bauhaus-Stil errichtete Denkmal sollte an drei Repräsentanten der Weimarer Republik erinnern. 1933 hat der Magistrat der Stadt Osnabrück beschlossen, das Denkmal abreißen zu lassen. Ursprünglich sollten die Erbauer selbst den Abbruch vornehmen, kamen dieser Forderung allerdings nicht nach, sodass schließlich städtische Arbeiter und SA-Leute den Beschluss umsetzten.
A = Letzte Ziffer auf der Infotafel
Station 2: Nord 52° 16.65A Ost 008° 02.47A

Im Osnabrücker Rathaus begann die NSDAP systematisch mit der Ausschaltung von politischen Gegnern. Der in Station 1 erwähnte Beschluss wurde hier getroffen. In dieser erwähnten Sitzung wurde unter anderem auch Adolf Hitler die Ehrenbürgerwürde verliehen.
In der benachbarten Stadtwaage befand sich das Leihhaus der Stadt Osnabrück, das unter anderem als Ankaufstelle für die Zwangsabgabe von in jüdischem Besitz befindlichen Gegenständen aus Gold, Silber und Platin aber auch Edelsteinen und Perlen diente. Die „Entschädigungen“ waren einheitlich geregelt, lagen jedoch deutlich unter dem tatsächlichen damaligen Materialwert.
B = Auf einer Infotafel stehen viele Namen. In der 16. Zeile dieser Namen findet sich ein kleines Mädchen. Wie alt wurde es? (Aktuell Bauarbeiten, B = 7).
Station 3: Nord 52° 16.51A Ost 008° 02.33B

In dieser repäsentativen Villa residierte die NSDAP von 1933 bis 1945.
Der heutige Heger-Tor-Wall, an dem die Villa liegt, hieß zu der Zeit „Braunauer Wall“, nach Braunau, der Geburtsstadt Hitlers.
C = Heute beherbergt die Villa ein Museum und ist wieder unter dem Namen des Erbauers bekannt. Wie viele Buchstaben enthält der Nachname des Erbauers? Vergleicht die Villa mit dem Photo, um auch sicher das richtige Museum zu wählen.
Station 4: Nord 52° 16.C*48 Ost 008° 02.32C

An diesem Ort stand seit 1906 die Synagoge der jüdischen Gemeinde Osnabrücks. In der Nacht des 9. November 1938, der Progrom-Nacht, wurde die Synagoge von SA-Kommandos in Brand gesteckt. Die Feuerwehr wurde zunächst bei den Löscharbeiten behindert, erst als das benachbarte Regierungsgebäude drohte, Feuer zu fangen, begann die Brandbekämpfung.
D = Ab wieviel Uhr begann die Zerstörung der Synagoge?
Station 5: Nord 52° 16.385 Ost 008° 02.D05
Hier steht ihr vor dem ehemaligen Wohnhaus eines jüdischen Tuchhändlers. Das Haus fällt durch seine originelle Fassade auf, die Elemente des Bauhaus-Stil beinhaltet. In der Nacht des 9. November hatten sich mehrere jüdische Familien in dieses Haus geflüchtet. Sie wurden im Laufe der Nacht von SA-Männern, die sich gewaltsam Zutritt verschafft hatten, aufgespürt und misshandelt. Der über 60-jährige Hausbesitzer und andere Männer wurden in den Gestapo-Keller gebracht.
Der Hausbesitzer wurde 1943 in Auschwitz ermordet.
E = Buchstabenwert des zweiten Buchstabens im Vornamen der Frau des Hausbesitzers multipliziert mit 12.
Station 6: Nord 52° 16.2*E Ost 008° 02.624

Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) hatte ab 1936 die Aufgabe, „staatsgefährdende Bestrebungen zu erforschen und zu bekämpfen“. Sie durfte ohne gerichtliche Kontrolle Haussuchungen durchführen, Menschen verhaften, Schutzhaft verhängen, die zur Einweisung in Konzentrationslager führen konnte, und alle nötigen Mittel zur „Aufklärung staatsfeindlicher Bestrebungen“ anwenden, so auch die Folter.
Die oberen Stockwerke beherbergten die Büroräume der Gestapo, im Keller befanden sich die Haftzellen, die auch für Folterungen genutzt wurden.
F = Wie viele einzelne Glasscheiben hat heute eines der doppelflügeligen Kellerfenster?
Station 7: Nord 52° 16.365 Ost 008° 02.120*F

Der Neumarkt hieß von 1933 bis 1945 Adolf-Hitler-Platz. Er wurde auch für Versammlungen genutzt. Das anliegende Gericht war zur Zeit des Nationalsozialismus gleichgeschaltet. Ein Richter sollte sich bei jeder Entscheidung fragen: „Wie würde der Führer an meiner Stelle entscheiden?“.
G = Findet einen Stolperstein von einer Person, die den gleichen Vornamen wie der damalige Namensgeber des Platzes trug. In welchem Monat wurde diese Person ermordet?
Station 8: Nord 52° 16.2G2 Ost 008° 03.3G3
Die Turnhalle der hier liegenden Schule wurde 1941 als Sammelstelle und Durchgangslager für den Abtransport der Juden und auch der Sinti und Roma in die Konzentrationslager benutzt. Die Turnhalle war nicht ohne Grund gewählt worden. Von hier aus mussten die von der Gestapo „aussortierten“ in Kolonnen zum nahegelegen Bahnhof marschieren.
H = Wie lautet die vorletzte Ziffer an dem Straßenschild, das auf den Namensgeber dieser Straße hinweist?
Finale
Berechnet das Finale über folgende Formel:
Nord 52° 16. (B + F) * (A + B + C + G + G )
Ost 008° 03. A + B + C + D + E + G + H
Die meisten Informationen und vor allem die Bilder stammen mit freundlicher Genehmigung aus „dem anderen Stadtführer“, der von einer Arbeitsgemeinschaft des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums erarbeitet wurde und erstmalig 1992 erschienen ist. In dessen Anhang findet sich ein ausführliches Literaturverzeichnis.