Regelmäßig komme ich während der Spaziergänge mit meiner Frau an der Riedmühle in Lengfeld vorbei. Auf der Suche nach meinem ersten Cache stellte ich fest, dass hier noch ordentlich Platz zum Verstecken vorhanden war.
Leider gibt es nur wenige Informationen, aber was ich gefunden habe, ist hier mit meinen Worten wiedergegeben.
Lage
Die Riedmühle befand sich ursprünglich am Riedbach, der am nördlichen Ende Lengfelds in die Kürnach mündet.
Namensherkunft
Ried steht meist für Kleinröhricht, wird im Süddeutschen Raum aber oft synonym als Röhricht verwendet. Das mittelhochdeutsche riet für Schilf erinnert auch an das Reet, das vor allem im Norddeutschen häufig auf den Dächern landet. Hier in Lengfeld stammt der Name von der umliegenden Flurlage, dem Ried, dem feuchten, sumpfigen Gebiet, das sich östlich von Hägert und Schöpfried mit den früheren herrschaftlichen Seen bis nördlich der Kürnach entlang erstreckte.
Die Mühle
Von der Riedmühle sind uns spätestens sei dem Dreißigjährigen Krieg die Besitzer bekannt. So wurden z.B. 1635 Peter Miltner oder um 1750 der Handelsmann Jakob Öhninger als Riedmüller genannt. Zuletzt kaufte am 22. September 1892 Philipp Heßdörfer aus Retzbach die Riedmühle von Georg Erk. Sie ist auch heute noch im Besitz der Familie Heßdörfer.
Der Riedmüller Philipp Heßdörfer war den neuen Techniken sehr aufgeschlossen. So besaß er 1890 das erste Fahrrad in Lengfeld. Aber die Bedeutung der Riedmühle für Lengfeld änderte sich folgendermaßen:
Früher wurde die Riedmühle vom Riedbach mit Wasser versorgt. Anfang des 20.Jahrhunderts wurde die Wasserkraft verwendet, um ein Aggregat zur Stromgewinnung anzutreiben. So konnten schon 1908 die ersten sieben Lengfelder Häuser mit Strom versorgt werden. Die Kraft des Wassers des kleinen Riedbachs langte aber nur für wenige Häuser. Deshalb schloss der Riedmüller mit dem Überlandwerk Nürnberg einen Vertrag, der die elektrische Freileitung von Nürnberg-Rottendorf über die Estenfelder Kapelle nach Lengfeld umleitete. Das Transformatorenhaus dazu stand bis ca. 1950 beim Bach am Schnapsbrennerhäuschen hinter der heutigen Raiffeisenbank.
Der Sohn von Philipp Heßdörfer, Josef Heßdörfer, der gelernter Kaufmann war und dann das Müllerhandwerk ergriffen hatte, bewahrte das Monopol der Stromablesung in Lengfeld bis in die 50er Jahre. Es war das zweite berufliche Standbein neben dem Mühlenbetrieb, dessen Mehrprodukte er mit dem Pferdefuhrwerk bis nach Haßfurt lieferte.
Es dauerte noch ein paar Jahre, bis der elektrische Strom in Lengfeld anderweitig als nur als Lichtquelle verwendet wrude. Die ersten elektrischen Küchenherde kauften sich 1927 oder 1928 Ernst Gogler sen., Hugo Funsch, Franz Schömig (Gastwirt und Metzger) und Josef Heßdörfer (der Riedmüller selbst). Auch in der Landwirtschaft verschaffte sich Josef Mitnacht (Vater des Feuerwehrkommandanten Paul Mitnacht) Erleichterung mit dem Kauf einer Miststrudel- (auf hochdeutsch Jache- oder Gülle-)pumpe.
Irgendwann wurde die Bedeutung der Riedmühle für die Stromversorgung aber doch immer unbedeutender.
1945 kam das Ende des Mühlenbetriebs, da ein enormes Hochwasser das Mühlrad komplett mit Schlamm bedeckte und stark beschädigte.
Quellen:
https://wuerzburgwiki.de/wiki/Riedm%C3%BChle_(Lengfeld)
Lengfelder Chronik (auszugsweise dankenwerterweise von Fromthehill bereitgestellt)