Das ist der Bonus zum AdventureLab "Funkgeschichte. Geschrieben in Nauen!".
An den gelisteten Koordinaten befindet sich die heutige Sendeanlage, aber kein Cache.
Zur Vermeidung von Missverständnissen:
Ein kurzer Start- Final. Suche am Start ein DYMO mit den Finalkoords. (Weil gerade nicht lesbar: N 873 E 143 )
Das offizielle GC- Logbuch liegt NICHT IM Gebäude!
Von Dienstag bis Samstag ist ein Poesiealbum ( erweitertes Logbuch darf ich nicht sagen) auf dem Tresen des Restaurantimbisses zugänglich. Die hilfbereiten Betreiber freuen sich über euren Besuch. Einfach nach den Heimatblättern fragen. Es wurde wohl von netten Cachern geklaut. Ersatz wird es nicht mehr geben, da der Imbiss leider für immer geschlossen ist.
Anfang 2022 verschwand auch das Final und wurde in 2 m Entfernung provisorisch neu installiert. Aber Provisorien sollen ja wohl am längsten halten ;-)
Hier nun endlich die
Fortsetzung der Geschichte:
Nachdem Marconi 1901 eine drahtlose Verbindung zwischen dem europäischen und dem amerikanischen Festland zustande brachte, wird zur großen Aufholjagd gegen dessen Vorsprung angesetzt.
Slaby fand weitere Unterstützung bei der Firma Siemens, von Arco bei der AEG. Da aber beide Firmen in Streit gerieten, ordnete Kaiser Wilhelm II. eine Kooperation an. So wurde 1903 die je zur Hälfte zur AEG und zu Siemens gehörende „Telefunken Gesellschaft für drahtlose Telegraphie“ gegründet.
Die Großfunkstelle Nauen ist die älteste noch bestehende Sendeanlage der Welt. Zum 1. April 1906 pachtete die Firma Telefunken hier ein 40 Hektar großes Grundstück. Der sumpfige Boden soll sich wegen der höheren Leitfähigkeit positiv auf die Grundstücksauswahl ausgewirkt haben.
Am 16. August 1906 wurde der Betrieb als Versuchsstation von Telefunken aufgenommen. Der erste Sendemast war 100 Meter hoch.
1909 konnten Reichweiten von 5.000 Kilometern erzielt werden.
1911 gelang, wie ihr schon wisst, erstmals eine Verbindung mit der Funkstation Kamina in der damaligen Kolonie Togo.
Im selben Jahr wurde auch der Antennenmast auf 200 Meter Höhe aufgestockt, der allerdings durch einen Sturm Anfang 1912 zerstört wurde. Es folgte eine Antenne, die zwischen zwei 120 Meter hohe Masten gespannt war. Ende 1912 wurde diese wiederum durch eine von fünf Masten getragene Antenne mit V-förmigen Grundriss ersetzt.
1914 wurde eine 1.037 Meter lange, von einem 260 Meter hohen(!!!) und zwei je 120 Meter hohen Masten getragenen L-Antenne installiert. Zeitgleich erhielt die Station ein neues Sendergebäude.
Am 13. März 1914 konnte erstmals Funksignale aus Nauen in Windhoek/ Deutsch-Südwest- Afrika empfangen werden.
Mit Beginn des Ersten Weltkriegs unterstand die Station dem Reichsmarineamt und bekam eine große Bedeutung, denn die nach Deutschland führenden Überseekabel waren gleich zu Kriegsbeginn von den gegnerischen Staaten gekappt worden. Von Nauen aus erreichte die Nachricht vom Kriegsausbruch die deutschen Kolonien, die wiederum zahlreiche deutsche Handelsschiffe warnten.
Ab 1917 konnte das Deutsche Reich nach dem Zeitzeichen aus Nauen seine Uhren stellen.
1920 wurde das vom Architekten Hermann Muthesius gestaltete neue Sendegebäude, der charakteristische Muthesiusbau, das einer Kathedrale vergleichbare Gebäude der Hochfrequenztechnik, errichtet.

Am 1. Januar 1932 übernahm die Deutsche Reichspost die Station. Während des Zweiten Weltkriegs dienten die Sender hauptsächlich zur Übermittlung von Befehlen an die U-Boote der faschistischen Marine.
Der Komplex, der den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstand, unterlag ab Ende Mai 1945 der Demontage durch die sowjetische Besatzungsmacht. Alle technischen Einrichtungen wurden abgebaut und die Masten gesprengt. Ob und wo die Sendeanlagen in der Sowjetunion zum Einsatz kamen, ist nicht bekannt.
Ursprünglich sollte auch der Muthesiusbau zerstört werden, was glücklicherweise verhindert werden konnte.
Bis 1955 herrschte Funkstille in Nauen und das Gebäude wurde als Kartoffellager genutzt. Dann begann man mit dem Aufbau von Kurzwellensendern, erst für diplomatische Kontakte, ab 1958 auch für den Auslandsrundfunk der DDR, Radio Berlin International. Es wurde ein Wald aus 39 Rhombusantennen errichtet. Hierzu entstand 1956 das Funkamt Nauen als Bestandteil der Deutschen Post. Von hier wurden das „Nauener Zeitzeichen“, der zentrale Wetterdienst sowie alle ADN-Nachrichten gesendet. Ein Beispiel für eine Rhombusantenne:

Die 1964 am Dechtower Damm errichtete dreh- und schwenkbare Antenne habt ihr bereits besucht.
Von 1959 bis zum 3. Oktober 1990 sendete von dort RBI Radio Berlin International ein mehrsprachiges DDR-Auslandsprogramm. Nach der Auflösung des Funkamtes Nauen 1990übernahm die Deutsche Welle DW die Frequenzen nahtlos. Mit der deutschen Wiedervereinigung ging die Anlage in Nauen an die Deutsche Bundespost über. Alle Antennen, die nicht dem Kurzwellenrundfunk dienten, wurden leider abgerissen.
Die gegenwärtige Antennenanlage, bestehend aus vier drehbaren Kurzwellenantennen mit jeweils 500 kW- Sendern, wurde 1995 bis 1997 errichtet. Seit 2008 gehört die Sendeanlage dem Unternehmen Media Broadcast, einer Abspaltung der Telekom.
Randnotiz: Das private niederländische Rundfunkprogramm „The Mighty KBC“ strahlt unregelmäßig sonntags über die Anlagen der Großfunkstelle Nauen auf der Frequenz 6095 kHz aus.
Tragischer Zwischenfall: Am 18. Oktober 1997 fuhr ein mit Wasserstoff gefüllter Gasballon in einem Abstand von weniger als 100 Metern in das Strahlungsmaximum der Antenne 2. Es kam zu einer elektromagnetischen Reaktion mit den im Ballonnetz eingearbeiteten Stahlfasern, was zum Durchschmelzen des Netzes und einem Brand der Ballonhülle samt Verpuffung führte. Der Korb stürzte aus einer Höhe von ca. 180 m in der Nähe der Funkanlage in einen Graben. Keiner der vier Insassen überlebte.
Danksagung : Herzlichen Dank an Wolfgang Johl von den Nauener Heimatfreunden 1990 e.V. für die Unterstützung.
B-o-n-u-s- K-o-o-r-d-i-n-a-t-e-n: dir sind hoffentlich 3 W-o-r-t-e aufgefallen. Das ist die Reihenfolge: f.n.p.
Weiterlesen nur, wenn der Groschen nicht fallen will:
spɹoʍ3ʇɐɥʍ ɯǝʇsʎsuǝʇɐuıpɹooʞ