Am 6. September 1672 entdeckte der "ledige Geselle" Hans Knözl ein an einem Eichenbaum angeheftetes Marienbild. Dies erregte einiges Aufsehen und wurde bald allgemein bekannt.

Es dauerte nicht lange, bis es - einem Bericht zufolge - zu einem ersten "Wunder" kam. Ein am Arm leidender Mann aus Oberwaltersdorf soll nach einem Gebet und einer Opfergabe von seinem Leiden geheilt worden sein. Bald kamen mehr und mehr Einwohner der Gegend hier zusammen, um das Bild zu bestaunen und vor der Eiche ihr Gebet zu verrichten. Von da an reißen die Nachrichten über weitere Heilungen und Gebetserhörungen nicht mehr ab.
Die Marienabbildung, die heute noch erhalten ist, ist ein gedrucktes Bild der heiligen Muttergottes im Format von etwa 11 x 15,5 cm. Es trägt die Beschriftung: "In tribulationibus nostris succurre nobis beata virgo Maria".
"Georg Prieffer, schmitt zu oberwalterstorff, der sich in seiner lahmen Weiß an beeden armen zu dem Biltnus, in der Tättendorffer Awn verlobt hat und sein gebett sambt dem Opfer verricht hat, hat alßbald seine gesundtheit erlanget.
Item Maria Voglmayrin hat einen großen Düppel an ihrer linckhen Seithen gehabt, hat sich auch zue vorgemelten Bilt verlobt, ist gleich nach beschehenen verlobtnis vergangan und besser worden.
Item bekhent und sagt auß Thomas Passeckher, mitnachbar zue Oberwaltersdorff; daß er gleichsamb an seinen Augen erblindt gewesen sey, hat sich zu dissen Bildt verlobt, hat nach seiner verlübtbus sein rechten schein gleich augenblickhlich erlangt.
Deßgleichen sagt auch auß, Blasy Graff, daß er sich in seiner Krumppenheit an seinen füessen, mit einem gebett zue dießen Bildt in der Aw zue Tättendorff hinauf zuegehen verlobt hat, ist auch nach verrichter sachn zue seiner gesundtheit khomen.
Die ehrsamben Hannß Pockh und Simon Karrer, beede Unterthanen zu Tättendorff Bekhennen und sagen bey Ihren wahren worten, daß ieder ain Knaben bey acht Jahren alt, und dieselben mit grossen leibsbrüchen behaftet gewesen, nachdem aber daß Bildt unser lieben frawen in dem Aichbaumb gefunden wordten, haben sich die Eltern neben denen Kindtern mit einem opfer dahin verlobt, auf dises die knaben Alßbaldt zu Ihrer gesundtheit komben."
Aufgrund des Zuspruchs der Andachtsstätte machten die Tattendorfer ihre Obrigkeit bzw. ihren Kirchherrn, den Prälat des Stifts Klosterneuburg, auf die sich zutragenden Wundertaten aufmerksam. Dieser trug ihnen auf, aus Mitteln der anfallenden Opfergelder die Stätte vor Wind und Regen zu schützen. Alsbald wurde daher die Eiche mit einer hölzernen Kapelle umgeben.
Dennoch entstand nicht wie anderswo ein großer Wallfartsort. Dies lag daran, dass es derer zu jener Zeit schon genug gab und das Passauer Consistorium die Verehrung untersagte. Die Tattendorfer, die die von ihnen errichtete Andachtsstätte nicht aufgeben wollten und stattdessen fest entschlossen waren, eher Haus und Hof zu verlassen, hofften nun auf ihre Obrigkeit, das Stift Klosterneuburg.
Inzwischen hatte sogar eine literarische Werbetätigkeit mit einem Ursprungslied zu Ehren der Wallfahrt eingesetzt, welches den Schulmeister von Tattendorf, Christoph Nestinger, zum Verfasser hatte. Es sollte den Ruf der Wunderstätte in weitere Kreise tragen.
Was Freud und Wunderzeichen
find man noch alle Tag
scheinbar in Österreiche
nun ich Euchs klärlich sag
wie sichs hat zugetragen
nicht weit von Tattendorf
leichtlich kann mans erfragen
wer gnad will finden dort.
Eines armen Hirten Tochter
die so der gnaden reich
die fand Marias Bildnis
alldort in der Eich
Dieselbig Sie begrüsset
mit ihrem Kleingebet
freundlich ward sie getröstet
mit dieser gnaden Red.
Steh auf ach liebe Tochter
zeig mich dem Priester an,
eine Kirche soll man bauen
bei diesem Eichenbaum
Dabei werd ihr erlangen
groß Heil und Gnad von mir
wer sein Zuflucht will suchen
und traget her zu mir.
Die Tattendorfer - allen voran ihr Schulmeister - versuchten mit allen ihnen nur erdenklichen Mitteln, ihr Volksheiligtum zu verteidigen. Mit dem Aufzeigen neuer Fälle von Wunderheilungen und vermeintlicher Mirakel versuchten sie, die Amtskirche doch noch zu einer Anerkennung ihrer Kuultstätte als einen heiligen Ort zu bewegen.
Der Schulmeister verkafte zuletzt Bilder mit dem Vorgeben, dass sie an dem Heiligtum angerührt wurden und damit Weihe und Wunderkraft erhielten. Am 23. August 1673 wurde er vor das Passauer Consistorium zitiert und in Arrest genommen.
Dem Dechant von Traiskirchen wurde nachdrücklich die Vernichtung der Andachtsstätte angeordnet:
"Weilen nun die eingerissene unzulässige andacht, die sich mehr unndt mehr häuffet, auch viel hund(ert) persohnen, an Son- unndt feyertagen denen Pfärrlichen gottesdiensten nicht beywohnen, sondern zue der aichen lauffen, unndt ihrer abgötterey darbey verübn ergeht die verordnung, daß Er sich alsbalden, mit zueziehung genugsamer leuth, unndt persohnen, nach Tättendorff verfüegen, undt die aichen außgraben, verbrennen, unndt gäntzlich vertilgen solle."
Die Wallfahrt hat sich daher über ein lokales Ereignis nicht hinausentwickelt.
