Eine Hommage für das Buch
Ach, wie war es doch vordem
mit einem Buche so bequem
zu liegen in des Sofas Ecke,
gekuschelt in `ne warme Decke,
um sodann mit Frohbehagen
das neue Buch sacht aufzuschlagen.
Zuerst war da ein Blatt gewesen,
auf dem man gar nichts konnte lesen.
Doch Dichters Wort, vom Geist bezwungen,
ist dann auf´s Papier gesprungen.
So hat sich Blatt zu Blatt gefunden,
bis schließlich draus ein Buch gebunden.
Nun, das erste, was geschieht,
ist, dass man´s von außen sieht.
Ach, es ist so traumhaft schön,
den Einband in der Hand zu sehn.
Das erste, das ich sah beim Kauf.
war die rote Schrift darauf,
die den Dichter – längst verstorben -
als Nachruf noch zur Ehr beworben.
Die Titelschrift in leichtem Bogen
ist übers Deckblatt hingezogen.
Das, behutsam, wird gefalten
vom Kapitälchen festgehalten
mit Leseband zur Pracht verziert...
So das Buch sich nun gebiert.
Welch ein süffiger Geruch
entströmt dem neuen Dichterbuch,
steigt mir wie ´ne Seifenblase
in die Nüstern meiner Nase.
Es hält im Falz ein bisschen Kleister
das gute Stück der alten Meister.
Ach, Geschichten und Gestalten
darf ich in meiner Hand nun halten.
Manch eines ist auch, dreht und seht,
geheftet oder selbst genäht.
Die Blätter knistern: "Schlag uns auf,
dies ist des Buches Daseinslauf.
Ich bin noch Jungfrau, schau mich an,
manch Blättlein klebt noch dann und wann..."
Man muss es sachte offen schneiden,
Vorsicht nur, es darf nicht leiden,
soll sein Seelchen ja behalten,
soll nun Bilder hier gestalten,
soll den Leser sanft erfassen
und in bunten Traum entlassen.
Das Buch zu Ende - du voll Glück -
kommst von weiter Fahrt zurück.
Nimm das Buch und sag ihm Dank,
stell´s sanft hinein in´n Bücherschrank,
versprich ihm, dass du´s wieder liest,
wenn dich der Alltagsstress verdrießt.
Dein bester Freund, vergiss es nicht,
der, wenn du´s brauchst, auch mit dir spricht.
© Tilly Boesche-Zacharow