Bauhaus-Spuren in Halles Süden
In den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts - nach der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg und dem Ende der hiesigen Monarchie - kam es zu einer Aufbruchszeit in nahezu allen Lebensbereichen. Auch in der Architektur vollzog sich dieser Wandel radikal und rasant. Nach den teilweise überladenen Gründerzeit- und Jugendstilbauten sollte nun alles anders werden, d.h. funktional, sachlich, lichter und besser. Das Dessauer Bauhaus als Inspirationsquelle brachte für Halle vor allem in der Süd-Erweiterung eine neue Urbanität zum Vorschein. Am stärksten ins Auge springen dabei die Wohnanlagen in der Vogelweide, am Johannesplatz und am Lutherplatz, die mit ihren weit größeren Grünflächen einen Zeitgeist zum Ausdruck bringen, der ein „Hinaus ins Freie“ städtebaulich inszenierte. Dazu gehören aber auch andere praktische Ergänzungsbauten, wie die Großgarage in der Pfännerhöhe, die kleine Tankstelle in der Merseburger Straße, das einstige Kino Capitol, die katholische Kirche zur Heiligsten Dreieinigkeit und die Pestalozzischule.
Dieser Multi lädt euch zu einem Spaziergang oder einer Radtour (etwa 3 km) ein, bei dem ihr einige dieser Kostbarkeiten kennenlernen könnt.
Weitere Spuren von „Bauhaus“ findet ihr unter diesen Links:
https://www.moderne-halle.de/
https://www.mz.de/lokal/halle-saale/so-viel-bauhaus-steckt-in-halle-spektakulare-hauser-aus-den-zwanzigern-1545851
https://www.mz.de/lokal/halle-saale/bauhaus-jubilaum-in-diesen-vierteln-von-halle-findet-man-moderne-wohnkultur-3129173
Großgarage Süd in der Pfännerhöhe

Die Großgarage Süd - von 1927-29 erbaut - zählt zu den ältesten Hochgaragen Deutschlands und war ihrer Zeit weit voraus. Auf vier Etagen bot sie Platz für 150-160 Fahrzeuge. Für das notwendige Licht sorgte ein großer, mit Glas überdachter Lichthof, in dem die Autos bis 1992 über einen Aufzug und drei Schiebebühnen (Laufkatzen) zu den mit Jalousien verschlossenen Boxen transportiert wurden. Wie zu dieser Zeit typisch, war das Konzept auch auf ergänzende Serviceleistungen wie Tanken, Reparatur, Wäsche, Kurier- und Lotsendienste ausgelegt.
Das Parkhaus wurde von 2007 bis 2012 vom Bauverein Halle & Leuna e.G. saniert und steht unter Denkmalsschutz. Allerdings musste TÜV-bedingt das Aufzug-Schiebe-System durch eine Spiralauffahrt ersetzt werden, wodurch nur noch Platz für 88 Fahrzeugen geboten werden kann.
(Gelegenheit für den Tradi GC898T8 Großgarage Süd).
Wohnanlage am Johannesplatz

Das Gebäudeensemble um die Johanneskirche entstand in drei Etappen zwischen 1910-29 im Auftrag des Bauvereins für Kleinwohnungen. Verantwortlicher Architekt war vorwiegend Hermann Frede. Die Wohnanlagen unterscheiden sich wegen ihrer sachlichen Gestalt und geringerer baulicher Dichte erheblich von der gründerzeitlichen Bebauung der Südlichen Innenstadt. Der Teil östlich der Kirche in Richtung Edeka, dessen Form an ein Kreuz erinnert, war der erste Komplex. Ihm folgte in den Jahren 1920-27 die großzügige Anlage um den westlich gelegenen ovalen Johannesplatz mit dem Spielplatz; 1929-30 entstanden die als Dreieck gruppierten Häuser am Balkeweg. An diesem Ensemble lässt sich anschaulich die Entwicklung des genossenschaftlichen Massenwohnungsbaus der Weimarer Republik verfolgen.
https://www.moderne-halle.de/ort/wohnanlage-johannesplatz/
Wasserturm und Umspannwerk Süd

In der Grünanlage im Zentrum des Lutherplatzes steht der 10-eckige Wasserturm Süd, ein 1927/1928 errichtetes Bauwerk der Backsteinarchitektur, das 46 Meter hoch ist und ein Fassungsvermögen von 2000 Kubikmeter besitzt. Dieser sowie das dahinter liegende Umspannwerk - ebenfalls von 1928 - waren für die in südlicher Richtung wachsenden Wohn- und Industrieansiedlungen nötig geworden. Das einzige schmückende Element dieses Gebäudeensembles ist ein Zitat aus Goethes Faust II: „Alles ist aus dem Wasser entsprungen, alles wird durch das Wasser erhalten.“ Für die Nordseite des Platzes war ursprünglich eine Badeanstalt vorgesehen, die aber nie erbaut wurde.
Beide Gebäude gehören zu den wichtigsten geschützten technischen Denkmälern Halles. Der Wasserturm ist heute noch in Funktion, seine Aussichtsplattform erstrahlt nachts weit sichtbar in einem kräftigen Rot. Im Umspannwerk befindet sich heute eine Technikausstellung der Stadtwerke Halle.
(Gelegenheit für den Puzzle-Cache GC7JHFF Laubsägearbeit - Wasserturm Süd)
Wohnanlage am Lutherplatz

Im Westen und Osten des Lutherplatzes findet man ein weiteres Beispiel des typischen Siedlungswohnungsbaus der 1920er und 30er Jahre. Hier wurden von 1927-36 insgesamt 2000 Wohnungen für Arbeiter und Angestellte der Deutschen Reichsbahn gebaut. Der Architekt Wilhelm Freise konzipierte die Anlage in Form eines Andreaskreuzes. Langgestreckte 3-4-geschossige Putzbauten mit Dreieckserkern und Art Déco-Elementen wurden mit großen Korbbögen verbunden und mit Plastiken des halleschen Bildhauers Richard Horn verziert.
https://www.moderne-halle.de/ort/wohnanlage-am-lutherplatz/
Historische Tankstelle Merseburger Straße

Diese Tankstelle wurde Ende der 1920er Jahre vom halleschen Architekt Otto Steinkopff konzipiert und gebaut. Der kreisförmige Betonbau mit Rundpfeilern und tellerförmigen Stahlbetondach war zur damaligen Zeit ein originelles Experiment. Zu dem nierenförmigen Gesamtgrundriss gehört ein zweckmäßiger Anbau - der Wärter- und Kassenraum.
Insgesamt entsprach sie in besonderer Weise dem gehobenen Standard in der ersten Hochphase des Automobilverkehrs in Deutschland.
https://www.moderne-halle.de/ort/tankstelle/
Capitol

Das Capitol Halle hat eine lange Tradition. 1906 ursprünglich als Reithalle errichtet, wurde es bis 1928 durch den Architekten Walter Thurm zu einem zweigeschossigen Lichtspielhaus mit 700 Plätzen umgestaltet. Der sachliche Putzbau hat mit der gitterrostartigen Gliederung expressionistische Züge und wird im Inneren mit Wandmalereien des Art Déco ergänzt. In den zwanziger Jahren war es Halles beliebtestes Lichtspielhaus. Die Nutzung als Kinos setzte sich auch in der DDR fort, es fanden aber auch Tanzveranstaltungen und Konzerte statt.
Nach der Wende hatten die neuen Eigentümer das baulich heruntergekommene Einzeldenkmal saniert und machten es zu einem der bekanntesten Veranstaltungshäuser Mitteldeutschlands. Seit den 1990er Jahren fanden viele bekannte Künstler wie Helge Schneider, Die Fantastischen Vier, Roger Chapman und Ginger Baker den Weg nach Halle. Tamara Danz gab hier mit „Silly“ eines ihrer letzten Konzerte. 2015 hat der damalige Betreiber das Objekt geschlossen. Mit Lars Wilken und dem Slogan „Die Schorre geht - das Capitol kommt“ will man nun aber einen Neuanfang wagen. Das Gebäude mit den 400 Plätzen im Saal und 100 auf dem Rang soll zukünftig sowohl für eigene Veranstaltungen als auch für „Einmietung“ genutzt werden.
https://www.moderne-halle.de/ort/kino-capitol/
https://www.capitol-halle.de/
https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/halle/halle/capitol-neuer-betreiber-wiedereroeffnung-100.html
(Gelegenheit für unseren Tradi GC9QFE6 Wajut).
Katholische Kirche zur Heiligsten Dreieinigkeit

Durch die Ansiedelung von Industrie und Bevölkerung hatte die Zahl der Katholiken in dieser Gegend erheblich zugenommen. So wurde von 1929 bis 1930 von Wilhelm Ulrich diese katholische Franziskanerkirche errichtet, angebaut an die Klausurbauten des halleschen Franziskanerklosters. Der Bau erregte großes Aufsehen, da mit den Traditionen des damaligen Kirchenbaus gebrochen wurde. Der Grundriss ist 6-eckig, entspricht aber eher einem gleichschenkligen Dreieck und verweist namensgebend auf die Heilige Dreifaltigkeit: Gottvater, Sohn und Heiliger Geist. Das Glockenhaus - scheinbar ohne Turm - ist dennoch vergleichsweise hoch. Der Altarraum gleicht einer Raumwabe mit 6 schlanken Stützen. Neu und einzigartig war die Lichtführung, die theatralisch den Innenraum beleuchtet. Dieser Stahlbetonbau - eine Synthese aus expressionistischer und sachlicher Raumgestaltung - ist somit ein einzigartiges Beispiel des experimentellen Kirchenbaus nach dem Ersten Weltkrieg und steht unter Denkmalschutz. Ein Blick in das Innere lohnt sich!
https://www.moderne-halle.de/ort/katholische-pfarrkirche-zur-heiligsten-dreieinigkeit/
Wer möchte, kann nach erfolgreicher Absolvierung des Multis dieses Banner in sein Profil aufnehmen:

<a href="https://coord.info/GC9Q6FQ" target="_blank" ><img src="https://img.geocaching.com:443/535fa6f0-b04c-4b9d-82f8-40f752578380.jpg" /></a>
Wenn du außer diesem auch den Multi GC9NP5Z "W-B-Str: Geprägt vom Zeitenwechsel" gemeistert hast, kann du dir nach ein bisschen Recherche und Rechnen auch den GC9QERY "Bonus: Bauhaus-Spuren UND W-B-Str" holen.
Übrigens: Falls du unsicher bist, kannst du den Checker befragen!