Carlowitzens Thermoskanne
Wenn ihr den Multi "Der kluge Carl" schon gemacht habt, wisst ihr ja schon einiges über Rabensteins derzeit angesagteste Berühmtheit: Hans Carl von Carlowitz, zuletzt kurfürstlich-sächsischer Oberberghauptmann des Erzgebirges.
Ob ihrs glaubt oder nicht - letztens kurz nach Himmelfahrt hab ich mitten im Rabensteiner Wald seine Thermoskanne gefunden! Also sie muss einfach von ihm gewesen sein, da ich sie zum einem im Rabensteiner Wald gefunden habe und zum anderen sie Getränke "nachhaltig" warm oder kalt hält. Und ihr wisst ja, der Carl war ja praktisch der Erfinder der Nachhaltigkeit, weil in seinem Forstbuch das Wort "nachhaltig" in Verbindung mit dem voraussehenden Pflanzen von Bäumen vorkommt.
Ganz in seinem Sinne dachte ich mir, was machste jetzt mit der Thermoskanne. Tee reinfüllen zum Cachen - könnte man, muss man aber nicht. Die ist ja schließlich schon 300 Jahre alt, vermutlich. Und wegschmeißen, einfach so in den Müll? Geht auch nicht, ist ja ganz und überhaupt nicht nachhaltig! Also hab ich an einem Wegweiser inseriert: "Thermoskanne gefunden! Bitte anrufen ...". Aber es hat sich keiner gemeldet.
Also machte ich das naheliegendste daraus - einen Upcycling-Cache zu Ehren Carlowitzens und seiner nachhaltigen Erfindung: der Thermoskanne.
Bevor jetzt wieder so ein oberschlauer "Fäggdndschäggor" daherkommt und meint, die "Thermosflasche" wurde erst vor reichlich hundert Jahren vom Brandenburger Glasbläser Reinhold Burger erfunden: Das stimmt nicht ganz, denn der hat nur ein doppelwandiges "Dewar-Gefäß" genommen, es innen durch Asbestscheiben stabilisiert, in ein leichtes stabiles Metallgehäuse gepackt, die Flasche mit einem Korken und einem aufsteckbaren Trinkbecher versehen und ihr den Namen "Thermosflasche" gegeben. Und 1903 hat er sie patentiert und ein Jahr später als Warenzeichen schützen lassen.

Aber das "Dewar-Gefäß" selbst stammte vom schottischen Physiker und Chemiker Sir James Dewar, der 1893 erstmals doppelwandige, aus verspiegeltem Glas bestehende evakuierte Transport- und Lagergefäße für flüssige Gase herstellte. Aber erfunden hat nur die Verspiegelung, die Idee zum doppelwandigen Glaskolben mit Vakuum hat er wahrscheinlich aus dem 1881 erschienenen Buch „Physikalische Demonstrationen für die Darstellung festen Quecksilbers durch Abkühlen" von Adolf Ferdinand Weinhold.

Ja, der berühmte Chemnitzer Physikprofessor Adolf Ferdinand Weinhold führte Elektrotechnik nicht nur als eigenständiges Unterrichtsfach an der technischen Staatslehranstalt zu Chemnitz ein und gründete die Elektrotechnische Abteilung an der Uni-Vorläuferin, sondern er war auch Initiator der ersten städtischen Elektrizitätswerke auf Drehstrombasis. Und das nicht nur in Chemnitz, sondern auch in Dresden und Leipzig. Er führte auch als erster in Deutschland den Experimental-Unterricht ein. Die Versuchsanordnungen und Geräte dazu hat er dank seiner glasbläserischen Fähigkeiten selbst hergestellt. Aber ob er sich nicht bei der Idee seiner Flaschen zum "nachhaltigen" Kalt- oder Warmhalten für seine Experimente von Hans-Carl von Carlowitz inspirieren lassen hat?
Naheliegend wäre es, ist doch Rabenstein nicht weit von Chemnitz entfernt - wenngleich es erst 1950 eingebürgert wurde. Wie dem auch sei - eins steht fest, die Thermoskanne hat viele Erfinder. Viel Spaß beim Suchen!
