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Wadi Gugelhammer EarthCache

Hidden : 6/23/2023
Difficulty:
2 out of 5
Terrain:
1.5 out of 5

Size: Size:   other (other)

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Geocache Description:


Vor kurzem entdeckte ich bei einem Ausflug auf dem Bayernatlas (geoportal bayern) (3D View) unweit von Röthenbach b. St. Wolfgang für mich überraschende Spuren in der Topologie im Wald zwischen Schloss Gugelhammer und der Raststätte Feucht.

Ich interpretiere die beiden mäandernden Spuren nörlich parallel zur Schwarzach intuitiv als trockengefallene Ur-Fluß-täler. Die Mäander sind mit dem entsprechenden Vorwissen im Wald gut zu erkennen und haben gegenüber dem umgebenden Waldboden einige Meter Vertiefung. Die hunderte male die ich all die Jahre vorher dort spazieren und Pilze suchen war ist mir der Zusammenhang natürlich nie auch nur ansatzweise aufgefallen.
Recht eindrucksvoll für mich ist auch die Nähe Schleuße 61 sichtbare "Schneidung" des einen "Flusses" durch den im 19. Jahrhundert errichteten LDM Kanal.



Erste intuitive Überlegungen führten mich zu der These dass diese "Spuren" durch eine ältere Schwarzach entstanden sein müssen, welche durch den Durchbruch der Schwarzach in den Sandstein trocken fielen.
Richtung, Gefälle und die in meinen Augen eindeutige Mäanderform führen mich zu dieser Idee.

Nun ließ mir die Theorie keine Ruhe und ich machte ein wenig Internet-Recherche. Dabei stieß ich auf ihre interessante Veröffentlichung "Das mittelalterliche Quellheiligtum "St. Wolfgang" im Gauchsbachtal östlich Schloss Kugelhammer (Lkr. Roth)."

Zu meiner Freude erkennt man auf der Abbildung "Geomorphologisches Blockbild des Schwarzach-/Gauchsbachgebiet bei Schloss Kugelhammer E' Röthenbach b.St. Wolfgang (Mfr.). (5-fache Überhöhung die relevanten Spuren, wenn auch aus einem anderen Blickwinkel.

(Quelle: https://web.archive.org/web/20210730191421/http://www.angewandte-geologie.geol.uni-erlangen.de/kugel01.htm)

Im Geologischen Blockbild sind mehrere Dünen eingezeichnet 

(Quelle: https://web.archive.org/web/20210730191421/http://www.angewandte-geologie.geol.uni-erlangen.de/kugel01.htm)

Im erläuternden Text, welcher genau die relevante Morphologie beschreibt sind Pleistozäne Terrassenschotter und -sande auf den östlich der ehemaligen Sandgrube nahe Schloss Gugelhammer genannt. Aus dem Aufschluss der Sandgrube sind bis 8 m mächtige braungelbe und graue, mittel- bis grobkörnige Sande mit vereinzelnen Kleinkieslagen und eingelagerten Grobkieseln erwähnt. Die Sedimente liegen auf einem Höhenniveau von 341 m NN bis 349 m NN und somit bis 14 m über der Talsohle; sie werden von BERGER (1979) als Hauptterrasse ausgeschieden.

Es hat am Ende der letzten Eiszeit also eine Tauphase eingesetzt, infolge derer die während der Eiszeit durch Frostsprengung aufgelösten Sandsteinlagen weiter östlich in Form von großen Mengen Sand mit dem Schmelzwasser transportiert, dann als Sediment in Folge der abnehmenden Strömungsgeschwindigkeit der Schmelzwasser auf dem Weg nach Westen abgelagert wurden. Der Boden darunter war noch über viele Jahre durch Permafrost fixiert. Auch die vor der Eiszeit bereits bestehenden Täler waren wohl durch gefrorenene Sedimentschichten vollends aufgefüllt.

Das Ende der letzten Eiszeit bei uns wird mit dem Ende der Würm-Eiszeit gleichgesetzt, diese endete etwa 10.000 Jahre vor heute.

Desweiteren berichtet der Autor aber auch von großen Arealen von Flugsanden in dem Bereich.
"Diese setzen sich im Kontrast zu den Schottersedimenten aus lockeren, fein- bis mittelkörnigen, hellgrauen Sanden zusammen, welche aufgrund des fehlenden Bindemittels noch heute leicht beweglich sind. Sie weisen im Profil meist horizontale Schichtung auf und zeigen bei relativ guter Sortierung einen bänderartigen Aufbau. Petrographisch bestehen die Flugsande zu über 90 % aus aus gut abgerollten Quarzen. Diese äolischen Sande gelten als Fortsetzung der weitverbreiteten Flugsand- und Dünenfelder des Regnitz-Rednitzgebietes von Nürnberg-Fürth-Erlangen. Im Wald südöstlich Schloss Kugelhammer stehen Längsdünen mit West-Ost verlaufenden Scheitellinien an. Die Entstehungszeit der Dünen fällt nach BRUNNACKER (1955) und BERGER (1979) in das ausgehende Würm-Glazial und war im Boreal größtenteils abgeschlossen."
(Quelle: angewandte-geologie.geol.uni-erlangen.de)
 

Im genannten Dokument werden also ausführlich Dünen als landschaftsformendes Element beschrieben, ein mögliches ehem. Flußbett wird nicht erwähnt.

Ich kontaktierte daher einen bekannten Geologen der mir auf Nachfrage dann meine Theorie durchwegs bestätigte.

"Diese alten Fluss- und Bachbette sind mir damals bei der Geländemodellierung des Gebiets um die St. Wolfgang-Kapelle auch sehr deutlich aufgefallen. Die Grundlage für die Höhenlinien entstammt übrigens der amtl. topographischen Karte 1:10.000 des Landesvermessungsamtes Bayern

Nun ist es so, dass im Nürnberger Becken die weitverbreiteten äolischen Sande ("Flugsande") meist eine nur geringmächtige Lockergesteinsüberdeckung bilden, ausser sie sind zu mächtigen Dünen aufgeweht oder in morphologischen Senken abgelagert worden. Hier können sie Mächtigkeiten ("Schichtdicken") bis weit über 10 m und auch mehr erreichen: Denken Sie bitte an die heutigen Sandabbaugebiete nördlich Altdorf oder bei Schwarzenbruck/Mimberg. Die Flugsande wurden abgelagert in der (langen) Endphase der letzten Eiszeit (ausgehendes Würm-Glazial). Diese "Würm-Eiszeit" begann vor 115.000 Jahren und endete rund 10.000 v. Chr. Die Sedimentationsvorgänge der Flugsande waren im Boreal (8700 bis 7250 v. Chr.) größtenteils abgeschlossen, können aber selbst heute bei großflächiger Entfernung der Vegetation wieder reaktiviert werden.

Diese äolischen Sande überlagern im Gebiet östlich Gugelhammer die mächtigen pleistozänen Terrassenschotter, welche z.B. in der Sandgrube 300 m südlich Schloss Gugelhammer in einer Mächtigkeit bis 8 m anstehen. Die Terrassenschotter dürften auch in weiteren Arealen in ähnlichen Mächtigkeiten vorkommen und werden von den jüngeren Flugsanden nur überdeckt und somit verhüllt. Sie lassen sich dann nur durch Bohrungen und Schürfe nachweisen. Diese pleistozänen Terrassenschotter liegen östlich Gugelhammer auf einem Höhenniveau von 341 m NN bis 349 m NN und somit bis 14 m über der heutigen Talsohle der Schwarzach (oder auch des Gauchbaches). BERGER (1979) hat sie als Hauptterrasse klassifizieren können.

Derartige Erosiosvorgänge durch die seinerzeitigen sommerlichen Schmelzwässer über dem durch Permafrost plombierten Untergrund müssen Sie sich (im kleinen) auch für die Flächen um Gugelhammer vorstellen. Über den periglaziären Dauerfrostboden konnten sich die Schmelzwasserströme nicht allzusehr in die Tiefe sägen, waren aber andererseits während der sommerlichen Tauperioden sehr wasserreich. Entsprechend dem zyklischen Klimagang im Quartär entstanden so in den Kaltzeiten Akkumulationen; in den Warmzeiten war wiederum Tiefenerosion möglich.

Diese Schmelzwasserrinnen zeigen alle morphologischen Charakteristica fluviatiler Systeme, sind heute aber durch die Erosionstäler der rezenten Vorfluter wie der Schwarzach regelrecht abgeschnitten ("geköpft") und münden quasi "in die Luft". "

(Quelle: private Kommunikation)

Der EC führt euch zu den beiden trockenen Flussbetten im Wald bei Gugelhammer. Die beiden WP "Senke Süd" bzw. "Senke Nord" führen euch jeweils in die "Talsohle" des südlichen bzw. nördlichen Flussbetts.
Bei WP "Nord" ist durch einen Fuchsbau folgendes zu erkennen: (a) Die Dicke der "Waldboden" - Schicht; (b) Die Dicke des Flugsand-Anteils; (c) die relative Tiefe der groben Flußschotter.
Bei WP "Sand" am Rand der Sandgrube kann man an einem "Aufschluss" an den Treppenstufen die Hand in den Sand stecken und die Körnigkeit untersuchen. (gebt bitte acht, es gibt dort eine Outdoor - Bogenschieß - Anlage, aber es existiert kein Betreteverbot. Vermeidet möglichst wie ein Styroporschwein auszusehen.)

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Zur Erfüllung des EC Besuchs beantworte bitte folgende Fragen (per mail oder message center) - ihr könnt daraufhin gleich loggen.

(a) wie alt sind die Flussbetten deiner Meinung nach?  Konkret wann floss hier das letzte mal eine nennenswert große Menge an Wasser?  Freiwillig: Vergleiche grob mit dem Alter von Stonehenge und dem Alter des Flimser Bergsturz.

(b) beschreibe den Charakter des Flussbetts am Südlichen Talpunkt und am nördlichen Talpunkt, wie hoch sind die Talflanken gegenüber dem tiefsten Punkt. Kannst du ein Flussbett überhaupt erkennen? Welche Richtungen / Mäanderstrukturen sind erkennbar?

(c) wie erklärst du dir dass die äußere Form und Oberflächenstruktur seit dem Versiegen des Flusses so lange erhalten blieb?
Schätze: Wieviel mm Waldboden sind seit dem Trockenfallen des Flusses angewachsen? Wieviel Meter wären es bei 1mm Wachstum pro Jahr?

(d) (optional) mit Smartphone oder Tablet kann man seinen Standpunkt im geoportal Bayern / Bayernatlas (3D View) erkennen. Es hilft aber vorab die 3D aten bei gutem Empfang (auch schon zuhause) auf die Anwendung zu laden, vor Ort ist der Empfang grottig und das Laden der Daten versagt oft.
Fertige einen Screenshot an der deinen Standpunkt anzeigt. Füge dem Screenshot deinen Nickname per editieren bei. Das wird versierte Sofacacher nicht abschrecken, aber es ist für euch ggf. interessant mit dem Tool Erfahrungen zu sammeln.

(e) (optional) ein Bild von deinem GPS oder einem persönlichen Gegenstand (oder auch von dir selbst) ist als logproof auch gern gesehen, aber nur wenn ihr das auch wollt.

Gerne würde ich auch eure Ideen kennenlernen wie sich z.B. das Alter des heutigen Schwarzachtals (v.a. Schwarzachklamm) im Bezug auf das angenommene Alter der beiden Flußbetten darstellt. Wurde die Schwarzach deutlich nach dem Trockenfallen der Schmelzwasserflüsse erst in den Burgsandstein eingegraben, oder existierte das Talbett längst vor den extem sandreichen Ablagerungen am Ende der Eiszeit? 
"Kaltzeiten verursachen Akkumulationen; Warmzeiten wiederum Tiefenerosion".habe ich gelernt. Und das ganze ist keine Einbahnstraße sondern ein ewiges auf - und - ab.

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Links:
Bayernatlas geoportal.bayern.de/bayernatlas

Im Gauchsbachtal östlich Schloss Kugelhammer (Lkr. Roth) (angewandte-geologie.geol.uni-erlangen.de)

 

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