
Geschichte des Säuglings- und Kinderkrankenhauses Berlin-Weißensee
In Folge der hohen Säuglingssterblichkeit und abnehmenden Geburtenzahlen Anfang des 20. Jahrhunderts, beschloss die Gemeinde Weißensee 1908 ein Kinderkrankenhaus zu bauen, welches das erste kommunalgeleitete in Preußen werden sollte. Die Grundsteinlegung fand im Juni 1909 statt.
Im Juli 1911 erfolgte die feierliche Einweihung des Hauses in der Kniprodeallee, der heutigen Hansastraße. Die Umgebung des Hauses war zu einem kleinen Park umgestaltet worden. Das Krankenhaus avancierte zu einem der besten Häuser und wurde auch Ausbildungszentrum und Teil des III. Internationalen Kongresses für Säuglingsschutz.
Nach der Eingemeindung im Jahr 1920 erfolgte bald die Herauslösung der „Milchkuranstalt“, die dann Bestandteil der Berliner Stadtgüter und damit Bestandteil des 1965 gegründeten Milchhofes in Heinersdorf wurde. 1985 wurde der Grundstein für ein neues Bettenhaus gelegt, welches im Oktober 1987 eingeweiht werden konnte.
Nach 86 Jahren wurde am 1. Januar 1997 das Säuglings- und Kinderkrankenhaus geschlossen. Die Gebäude sind bis heute dem Verfall und Vandalismus preisgegeben. Auf Bestrebung des Vereins „Weißenseer Heimatfreunde e.V.“ wurde die Skulptur der Caritas vorsorglich in der Stiftungsgemeinschaft St. Elisabeth-Stephanus in der Albertinenstraße in Weißensee aufgestellt.
Die Hoffnung, dass sich nach dem Verkauf 2006 an russische Investoren etwas ändern würde, war vergebens. Angeblich wollten die Investoren ein alternatives Krebszentrum errichten, doch davon ist bis heute nichts zu sehen.
Das verlassene Krankenhaus ging 2015 per Urteilsverkündung durch das Landgericht Berlin zurück an das Land Berlin. Nach langen Auseinandersetzungen hat Berlin also sein verlassenes Gebäude wieder. Vergessene und verlassene Orte hat Berlin ja genügend, jetzt also offiziell aber wieder einen mehr. Was das Land Berlin mit dem Lost Place „Kinderklinik“ vor hat, konnte ich nicht in Erfahrung bringen.