Wie ihr alle wisst, gibt es recht viel Sandstein auf der Welt. Die Geocacher unter uns, die schon länger dabei sind und den ein oder anderen Earthcache gemacht haben, werden sich an diverse Fragen und Listings zu diesem Thema erinnern.
Hier im Hohnsberg bei Bad Iburg ist einmal Sandstein abgebaut worden. Dieser Sandstein ist feinkörnig und dickbankig, die Farbe ist gelblich bis gelb-rot gefleckt und stammt aus der Unterkreide.
Aber wie gelangen die Löcher hier in diesen Sandstein? Diese Frage habe ich mir auch gestellt und so begann meine Recherche. Wir finden hier eine Reihe von Tafoni wieder. Aber was sind Tafoni? Löcher, werdet ihr jetzt natürlich sagen ;-) Stimmt, aber wie entstehen sie? Mein erster Gedanke dazu war, dass es sich nur um Reste von Abbauarbeiten handeln kann, denn solche Löcher entstehen doch nicht einfach so.
Oder doch?
Der Sandstein hat unterschiedlichste Eigenschaften. Zum Einen kann er sehr hart und fest sein, das sieht man daran, dass damals sehr viele Gebäude mit Sandstein gebaut worden sind. Heute sieht man häufig noch Kirchen, die aus Sandstein bestehen. Schaut da einfach mal genauer hin ;-) Zum Anderen gibt es auch weicheren Sandstein, der eher zur Verzierung genutzt wird.
Aber zurück zu den Tafoni. So ganz ist sich die Wissenschaft nicht einig, wie sie entstehen. Die Einen sagen, dass es ein chemischer Prozess ist, bei dem von innen eine Kernverwitterung stattfindet und die chemisch herausgelösten Bindemittel durch Wasser einfach weggespült werden. Auch Sickerwasser im Gestein verdunstet und setzt eine sogenannte Lösungsfracht an der Oberfläche ab. Von innen beginnt sich das Gestein zu zersetzen und bildet Hohlräume. Die Anderen sagen, dass ausnahmslos die Salzverwitterung der Grund ist, dass Löcher, also Tafoni entstehen. Hier führen unterschiedliche, klimatische Bedingungen und unterschiedliche Voraussetzungen, wie die Zufuhrmöglichkeit von Salzen wie z.B. am Meer (salzhaltige Luft), oder salzreiche Sedimente in und auf dem Sandstein, oder auch die Lage des Sandsteines zu unterschiedlichen Ergebnissen.
Normalerweise sind Tafoni kugel- bis nierenförmige Hohlräume, die wenige Zentimeter, bis hin zu mehreren Metern groß sein können. Tafoni können aufgrund der zurückgebliebenen, sogenannten Verwitterungsrinden, auch wie Bienenwaben aussehen, dies ist hier aber nicht der Fall. Die Verwitterungsrinden, wenn es sie gibt, sind aufgrund der rausgelösten Salze härter, als der Sandstein selbst.
Ob es auch Tafoni in anderen Gesteinen gibt?
Die Frage stellte ich mir auch und ich habe herausgefunden, dass sämtliche Gesteinsarten Tafoni bilden können. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich Tafoni bilden, in weicheren Gesteinsarten sehr viel höher. Dazu kommt noch, dass sich Tafoni auch gerne da bilden, wo unterschiedliche Schichten aufeinandertreffen und somit durchlässiger für Feuchtigkeit sind. Der Sandstein hier vor Ort gehört doch zu den weicheren Gesteinsarten.
Ein kleines Extra:
Mars. Hier gibt es spannenderweise auch Tafoni-ähnliche Merkmale. Es sieht so aus, als wenn hier entweder Verwitterung aktiv ist, oder vor Milliarden von Jahren einmal aktiv gewesen sein könnte. Pathfinder hat Aufnahmen gemacht, die eine Rechtfertigung darstellen können, auf dem Mars nach Wasser zu suchen. Auf den Fotos sind sogenannte Wabenformen zu erkennen, die sich eventuell vor langer Zeit gebildet haben, weil es feucht gewesen sein könnte.
Quelle: http://www.tafoni.com/Locations.html
Was finden wir hier vor Ort eigentlich noch vor?
Bei genauerer Begutachtung finden wir hier und da komische, weiße Linien in seltsamen Mustern. Im ersten Moment mag man denken, dass sich jemand einen Scherz erlaubt hat und mit Gips Muster auf den Sandstein gebastelt hat. Aber weit gefehlt: Hier waren einst kleine Tierchen am Werk. Es sind Höhlen gebaut worden und mit Schächten verbunden worden. An Gabelungen, wie sie hier zu sehen sind, wird der Durchmesser meist größer. Oftmals sind solche Höhlen und Gänge auf grobkörnigeres Gestein beschränkt. Durch Gravitationsprozesse sind diese Höhlen dann verfüllt worden und somit noch erhalten geblieben, damit wir sie heute bestaunen können. Es gibt unterschiedlichste Tierarten, welche solche Höhlen und Gänge "verursachen", zumeist sind es damals aber Zehenfußkrebse, sogenannte Thalassinoide, gewesen.
Quellen, in denen ihr alles sehr ausführlich nachlesen könnt:
Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Thalassinoides
Quelle: https://fossiilid.info/6697?mode=in_baltoscandia&lang=en
Quelle: http://www.tafoni.com/Locations.html
Quelle: http://www.tafoni.com/Lithology.html
Quelle: https://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Tafoni
Quelle: http://www.geo-iburg.de/sandstein_Hohnsberg.html
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Teutoburgerwald-Sandstein
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