Die Chöpfi, der Hausberg von Winterthur Wülflingen
(Quelle für Listingtext: https://www.winterthur-glossar.ch; Creative Commons-Lizenz CC BY-SA)
Seit Generationen begeistert die Chöpfi am Wolfensberg oberhalb Wülflingen Jung und Alt. Kindern bietet sie einen natürlichen Erlebnisspielplatz, während die Erwachsenen die Aussicht geniessen, das Grillfeuer hüten oder die auffällige Geologie und die Artenvielfalt der angrenzenden Trockenwiese bestaunen.

Quelle: Adrian Michael, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons
Wenn die Geologie Rätsel aufgibt
Wer schon einmal bei der Chöpfi war, kann nachvollziehen, wie der Flurname zustande kam. Seltsame Steinknauer ragen wie Köpfe aus dem umliegenden Sandstein und scheinen in die Ferne zu blicken. Sie haben wohl schon viele Besucher:innen fasziniert. Dass die eigenartige Gesteinsformation hier so schön zu sehen ist, ist ein Glücksfall. Hätte der eiszeitliche Gletscher den Wolfensberg weniger stark abgehobelt, wäre sie unter anderen Gesteinsschichten verborgen geblieben. Hätte die Erosionskraft des Gletschers nur wenig länger gewirkt, wäre die Chöpfi für immer verloren gegangen. Nach dem Rückzug des Gletschers lag das Sandsteinpaket der Chöpfi an der Oberfläche. Während Schmelzwasser und Regen den weicheren Sandstein auszuwaschen vermochten, blieben die härteren, durch Kalk stärker zementierten «Köpfe» stehen. Die Frage nach dem Grund der Entstehung der harten Knauer stellte die Wissenschaft lange Zeit vor ein Rätsel.
Im Februar 2022 berichtete der Landbote, dass eine spektakuläre neue Erkenntnis die Entstehung der Chöpfi erklären könnte. Der neuen Theorie zufolge hat sie mit dem Einschlag eines Meteoriten im süddeutschen Nördlinger Ries zu tun. Vor knapp 15 Mio. Jahren prallte ein rund 1km grosser Asteroid mit einer Geschwindigkeit von über 70'000km/h beim heutigen Nördlingen DE auf die Hochfläche der Schwäbischen Alb. Dadurch wurde ein starkes Erdbeben ausgelöst, das die Umgebung über 200km weit bis nach Winterthur und darüber hinaus erschütterte. Zu jener Zeit waren im Raum Winterthur die Sedimentschichten der Oberen Süsswassermolasse eben erst abgelagert worden. Sie waren noch sehr jung und dadurch noch nicht zu Stein verfestigt.
Bei der heutigen Chöpfi lag eine Schicht aus wasserundurchlässigem Ton unter einer stark grundwasserhaltigen Sandschicht. Darüber lag eine trockene Sandschicht. Durch den Druck der Erdbebenwellen verflüssigte sich das Sand-Wasser-Gemisch der unteren Schicht und stieg blasenartig in die obere, trockene Sandschicht auf. Dort blieb es stecken und der Kalk, der vorher im Wasser gelöst gewesen war, zementierte die «Blasen» im Lauf der Jahrtausende zu den harten Knauern, die heute als «Köpfe» aus dem Boden ragen. Diese neue Theorie scheint tatsächlich die seltsame Geologie der Chöpfi logisch zu erklären. Um sie allerdings zu bestätigen, ist weitere Forschung nötig. Damit dürfte die Chöpfi, die heute bereits kommunales geologisches Landschaftsschutzobjekt ist, für die Wissenschaft noch interessanter werden.
Kantonales Naturschutzgebiet Chöpfiwiese
Unmittelbar angrenzend an die Chöpfi liegt eine Trockenwiese mit grosser Artenvielfalt. Als Naturschutzgebiet geniesst sie kantonalen Schutzstatus, während ein Teil der Wiese im Jahr 2010 sogar ins Bundesinventar der Trockenwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung aufgenommen wurde. Verbunden sind die beiden Teile durch einen Wiesenstreifen, der ebenfalls zum Naturschutzgebiet gehört, und eine lichte Waldfläche. Auf dem nährstoffarmen Boden der Chöpfiwiese kann eine artenreiche Magerwiese gedeihen, wie sie in der Schweiz selten geworden sind. Verschiedene bedrohte Pflanzenarten fühlen sich hier am sonnigen Südwesthang des Wolfensbergs wohl.
Durch spätes Mähen haben die Pflanzen Zeit, sich natürlich zu versamen, und das Abführen des Schnittguts verhindert eine Düngung der Wiese durch verrottendes Pflanzenmaterial. So können die auf magere Böden spezialisierten Pflanzenarten hier langfristig geschützt werden, was wiederum bedrohten Schmetterlingen und anderen Insekten zugute kommt, die sich von diesen Pflanzen ernähren. Davon profitieren im nächsten Schritt die insektenfressenden Vögel, die auf ein reiches Angebot an Krabbel- und Flugtierchen angewiesen sind. Für naturinteressierte Besucherinnen und Besucher der Chöpfi lohnt es sich daher, ein Fernglas und etwas Geduld dabei zu haben, um die vielfältige Pflanzen- und Tierwelt in Ruhe beobachten zu können.
Primärquelle:
- International Journal of Earth Sciences, 2022 (111:145–147): The Chöpfi pinnacles near Winterthur, Switzerland: long‐distance effects of the Ries impact‐earthquake?
Sekundärquellen:
- Der Landbote, 16.6.2023: Neue Schautafel auf der Chöpfi zeigt Asteroiden-Theorie
- NZZ am Sonntag, 7.5.2023: Als sich der Himmel verdunkelte
Deine geologischen Beobachtungsaufgaben:
(Bei Earthcaches gibt es kein physisches Logbuch, sondern du musst deine Antworten auf untenstehende Fragen 1 bis 7 über das Messagecenter an den Owner schicken: Auf https://coord.info/GCAD04Z den Knopf "Nachricht an den Owner" drücken, dann wird auch gleich geschrieben, zu welchem Cache du mir schreibst!. Zusätzlich ist ein spezielles Photo zusätzliche Logbedingung (an deinen öffentlichen Fundlog anhängen!).
Du kannst nach dem Senden deiner Antworten gleich loggen, ich melde mich, wenn deine Antworten zuwenig beweisen, dass du etwas gelernt hast oder das Photo nicht den Bedingungen entspricht.
An Standort 1 (von unten):
Q1 (Frage 1): Hangaufwärts, leicht rechts blickend siehst du die weiter oben erwähnte Trockenwiese. Erkläre die Tatsache, dass es in dieser Wiese keine Knauer gibt. (Wir nehmen an, das habe nur natürliche Gründe und der Mensch habe nicht eingegriffen. Der Mensch greift seit ein paar Jahrzehnten mittels Mähen und Roden der Bäume stark ein, weil sonst die seltene Trockenwiese verschwinden würde...)
Q2 (Frage 2): Vor dir am Boden direkt am horizontalen Weg siehst du bereits den ersten Knauer. Wie ist dieser hierher gekommen? Schätze seine Höhe in cm. Welche Beobachtung stützt deine Erklärung sehr stark? (Hint: Verwende deinen Fuss)
An Standort 2 (mitten drin)
Q3 (Frage 3): Schätze die ungefähre Höhe des grossen, im oberen Teil deutlich überhängenden Knauers mit dem Loch am südwestlichen (unteren) Ende des Knauerbereichs, von deinem Fuss bis zum Dach des Knauers.
Q4 (Frage 4): Warum hat sich dieses überhängende Dach gebildet? Schau genau, es ist gut zu sehen! Wie beschreibst du die unterschiedliche Beschaffenheit vom Dach und dem "Stil" der Pilze?
Q5 (Frage 5): Beschreibe die Stellen, wo an den Knauern am meisten Moos wächst. Hast du eine Erklärung dafür?
An Standort 3 (oben bei der Infotafel)
Q6 (Frage 6): Welches in den Knauern der Chöpfi relativ gut sichtbare Merkmal spricht eher für die traditionelle und gegen die neue Erklärung, auch wenn man die beiden Profilzeichungen anschaut und mit der Ansicht bei Standort 2 vergleicht?
Q7 (Frage 7): Zu welcher Einheit der Molasse gehören die Knauer der Chöpfi
Zusätzliche Logbedingung: Hänge an deinen Log ein Photo an, das zeigt, dass du **IN** den Knauern warst mit einem persönlichen Gegenstand, z.B. daran hängend (Jacke,T-Shirt, Schal, etc.) Zur Not geht auch ein Selfie, es muss aber in den Höckern aufgenommen sein. Ein Photo von oben bei der Bank geht nicht, da warst du nicht am richtigen Ort, wo du etwas Spannendes siehst! Siehe Beispielbild)
