
Die Todtnauer Wasserfälle - ein Naturdenkmal
Imposant rauscht das Wasser zwischen Todtnauberg und Aftersteg ca 97 Meter in die Tiefe, was diesen Wasserfall zu einem der größten Naturwasserfälle Deutschlands macht.
Seit 1987 ist er daher als Naturdenkmal eingestuft und zieht jedes Jahr tausende von interessierten Zuschauern an.
Hier will ich euch den Wasserfall aus geologischer Sicht präsentieren, denn auch wenn er schön anzuschauen ist, so fällt insbesondere auf, dass sich das Wasser kaum in das Gestein eingegraben hat. Woran liegt das wohl?
1. Die Entstehung
Der Todtnauer Wasserfall ist in den letzten Eiszeiten vor ca. 11000 Jahren durch Gletscher-Erosion an einer geologischen Störungslinie entstanden. Ursprünglich floss das Eis aus dem Todtnauberger Hochtal (nördlich) in den Neben-Gletscher des Schönenbachtales, der seinerseits den Haupt-Gletscher des Wiesentales (schau nach Süden, dann siehst du das Wiesental) verstärkte. Der Gletscher des Stübenbachs hatte nicht die Kraft, das Tal so tief einzuschneiden wie der mehrere hundert Meter mächtige Gletscher des Schönenbachtales. So entstand das heutige Hängetal über der 170 Meter hohen Mündungsstufe ins Schönenbachtal. Die Mündungsstufe besteht aus widerstandsfähigem Metatexitgestein, in das der Stübenbach seither nur kleine Kerben und Fallstufen hat einschneiden können. Über die ca 100 Meter hohe Mündungsstufe fallen heute die Todnauer Wasserfälle.
2. Der Wasserfall
Über vier Stufen stürzt das Wasser des Stübenbach zwischen 92 und 97 Meter in die Tiefe. Besonders daran ist, dass der zentrale Wasserstrom durch harte Metatexit Blöcke in mehrere Ströme aufgespalten wird, so dass der Wasserfall breit und fächerig wunderschön in die Tiefe stürzt.

3. Die Geologie
Generell besteht das Grundgebirge des Schwarzwaldes zu großen Anteilen aus Granit, Gneis und Anatexiten, wobei die beiden letzt genannten besonders im Südschwarzwald auftreten. Eine Untergruppe der Anatexite ist Metatexit, das Hauptgestein über das das Wasser des Todtnauer Wasserfalls fliest.

Bei der Entstehung waren Anatexite im Gegensatz zu den Gneisen so hohen Temperaturen ausgesetzt, dass es zur teilweisen bis vollständigen Aufschmelzung der Gesteine kam. Es können zwei Gruppen von Anatexiten unterschieden werden: Metatexite und Diatexite. Gesteine mit einer deutlichen Trennung zwischen hellen und dunklen Lagen sowie einem oftmals durch Schlieren und Falten dominierten Gefüge werden als Metatexite bezeichnet. Die Trennung in helle und dunkle Minerallagen kommt durch die partielle Aufschmelzung des ursprünglichen Materials zustande. Bei einer weitgehenden Aufschmelzung des Ausgangsgesteins entstehen Diatexite, die ein regelloses, granitähnliches Gefüge aufweisen.
Abbildung 1:

Was ist Metatexit?
Metatexit ist ein metamorphes Gestein, das unter hohen Temperaturen teilweise aufgeschmolzen wurde. Es besteht aus Schichten von neuen, hellen, bei hohen Temperaturen mobilisierten Granit-artigen und dunklen nicht mobilisierten, biotitreichen Gesteinsanteilen. (vgl. https://lgrbwissen.lgrb-bw.de/rohstoffgeologie/buch-naturwerksteine-aus-baden-wuerttemberg-2013/gneise-anatexite-des-schwarzwalds)
Metamorph heißt, dass Gestein durch die Tektonik in tiefere Gesteinsschichten abgetaucht ist, wo es unter hohem Druck und hohen Temperaturen seine chemische Zusammensetzung und seinen Mineralbeständ verändert hat.
Mobilisiert bedeutet hier, dass Bestandteile des Gesteins aus diesem gelöst wurden (mobilisiert) und in dieser leicht verfügbaren Form durch unterschiedliche Prozesse wieder zu neuem Gestein wurden.
Biotit ist ein Gestein, das häufig auch als Glimmer Biotit in magmatischen Gesteinen wie Graniten und metamorphen Gesteinen wie Gneis auftritt.
Aufgabe:
An den Koordinaten N 47 50.605 E 7 56.330 siehst du eine Gesteinswand. Im unteren Bereich entlang des Weges siehtst du weniger verwitterte Stellen, die eine genaue Betrachtung gut möglich machen.
Betrachte das Gestein aufmerksam und vergleiche es mit den 3 Gesteinsarten der Abbildung 1: Kannst du Metatexit erkennen? Begründe deine Antwort, indem du auf die im Text genannten Kriterien eingehst und das Gestein in Aussehen, Farbe und Struktur beschreibst. Sende mir deine Antwort zu.
Logbedingung:
Schicke deine Antworten zur Aufgabe an mich und poste ein Foto von den Koordinaten aus mit deinem Log, in dem du auf den Wasserfall zeigst. Du darfst gleich loggen, auch wenn ich mich noch nicht auf deine Antworten gemeldet habe. Unvollständige Logbedingungen muss ich leider löschen, aber das kennt ihr ja schon...
Beispiel zur Fotologbedingung:

Wie kommst du zu den Koordinaten: siehe Wegpunkte oder:
- Nach Aftersteg bis zum öffentlichen Parkplatz direkt an der L126 fahren – Fußweg 7 Minuten, 450 Meter bergauf - Zugang kostenpflichtig
- Anfahrt bis Todtnauberg Parkplatz Hangloch – Fußweg 6 Minuten, 550 Meter bergab - gratis im Januar 2024 möglich
- Anfahrt bis Parkplatz Todtnau Busbahnhof – Fußweg 40 Minuten, 2,5 km bergauf - gratis im Januar 2024 möglich
Anmerkungen:
Die meisten Zugangswege zum Wasserfall und Earthcache kosten eine Eintrittsgebühr. Die Höhe etc steht im Internet unter der Webseite der Gemeinde Todtnauberg. Das Ticket für die Hängebrücke, die über die Wasserfälle führt und einen Blick von oben ermöglicht, ist gleichzeitig Eintritt für die Wasserfälle.
Die Wege ausser Wegpunkt 3 sind steil und je nach Jahreszeit matschig, gutes Schuhwerk ist sicher von Vorteil.
Stand Januar 2024 war es möglich auch ohne zu bezahlen an die Wasserfälle zu gelangen, s. Wegpunkt 2.
Ich wünsche euch eine wunderbare Zeit an den Wasserfällen, viel Spaß beim Erkunden und Lernen über die Geologie des Schwarzwaldes, ich freue mich auf eure Logs,
Eure Tendara
verwendete Quellen:
lgrbwissen.lgrb-bw.de/glossar-alt#Metamorphose
https://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/MineralData?mineral=Biotit
https://lgrbwissen.lgrb-bw.de/geotourismus/bachbetten-prallhaenge-wasserfaelle/schwarzwald/todtnauer-wasserfall
http://baden-geotouren.com/erdgeschichte/schwarzw%C3%A4lder-gesteine/metamorphe-gesteine/metatexit.html
https://lgrbwissen.lgrb-bw.de/rohstoffgeologie/buch-naturwerksteine-aus-baden-wuerttemberg-2013/gneise-anatexite-des-schwarzwalds