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[DE] Du suchst einen Petling in einem typischen Versteck.
[EN] You are searching for a petling in a typical hiding place.
FTF: aj-gps, 28.03.2024
Das Geisterhaus am Rosenhain...

...ist seit 2023 keines mehr, dann nämlich begann die Renovierung des Bauwerks, das eine turbulente Geschichte hinter sich hat. Es wurde 1654 vom Jesuitenorden als "Sommerrefektorium" errichtet, als ein Ort, wo man sich während der heißen Monate aus dem Gestank der Stadt zurückziehen konnte. Die Jesuiten waren 1572 von Erzherzog Karl II. in die Stadt geholt worden, um durch Gründen einer Bildungseinrichtung die katholische Gegenreformation zu stärken. Daraus entstand die heutige Karl-Franzens-Universität. Als der Keller des Gebäudes am Rosenhain gegraben wurde, stieß man sehr bald auf Wasser, man dachte aber pragmatisch und legte gleich einen Brunnen im Keller an. Da dieser bei hohem Grundwasserstand überlief, konstruierte man auch noch eine Abflussrinne, die vom Keller durch einen Tunnel und schließlich durch eine Röhre zu dem kleinen Teich führte, wo du Geocacher gerade stehst. Eine der Röhren, die hier aus dem Hang kommen, ist der Auslass dieses Tunnels.
Von der Hocharistokratie an die Öffentlichkeit
Das Sommerrefektorium war von einer Park- und Gartenanlage mit künstlichen Teichen (die gibt es heute noch) und Weingärten umgeben, die weite Teile des heutigen Naherholungsgebietes umfasste. Das Cafe Rosenhain oben auf der Hügelkuppe war einst ein Winzerhaus inmitten von Weingärten, leider brannte das das ursprüngliche Häuschen dort 1976 ab. Man darf sich prächtige Sommerfeste vorstellen, sogar Kaiser Leopold war 1660 hier zu Besuch. 1773 wurde der Jesuitenorden aufgelöst, das riesige Grundstück ging in staatlichen Besitz über und wurde in mehreren Teilen verkauft. Das wesentlichste Teilstück ersteigerte 1781 der steirische Landeshauptmann Graf Ferdinand von Attems-Heiligenkreuz. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurden verschiedene Teile des Besitzes abgespalten und als Baugrund parzelliert, woraus unter anderem das gründerzeitliche Villenviertel entlang der heutigen Panoramagasse hervorging. Die Enkel Ferdinands von Attems' verkauften die verbliebenen Besitzungen 1881 an Johann Hofmann, einen Kerzenfabrikanten. Dessen Enkelin Maria Weiss verkaufte den Besitz, der zu diesem Zeitpunkt den Charakter einer barocken Parkanlage längst verloren hatte, schließlich 1928 an die Stadt Graz. Im Kaufvertrag ausdrücklich festgehalten ist der Zweck, „diese Liegenschaft als Waldgürtel und Naturschutzpark, und zwar mit der Verwendung teilweise für Fürsorgezwecke und teilweise als öffentliche Parkanlage, der Allgemeinheit zu sichern und zu erhalten.“ - so entstand also das heutige Naherholungsgebiet, die Kindergärten östlich deines Standpunktes...
Jahrzehnte als Ruine
Für das ehemalige Refektorium konnte jedoch keine sinnvolle Nutzung gefunden werden. Das Gebäude war schon 1928 in schlechtem Zustand gewesen, 1952 wurde es bei einem Sturm durch umstürzende Bäume schwer beschädigt. Da es aber unter Denkmalschutz stand, riss man "nur" die Arkadenreihe an der Westseite (quasi ein Drittel des Gebäudes...) ab und konstruierte notdürftig ein neues Dach. Bis 1984 diente es als Lager, zuletzt für Bühnenrequisiten, dann brannte es infolge eines Kurzschlusses ab. Nur Räume mit Ziegelgewölbe (der Keller und zwei Räume an der Nordseite im Erdgeschoss) überstanden den Brand, vom Rest blieben nur die nackten Wände.

Die Rettung
Aufgrund des Denkmalschutzes konnte auch die Brandruine nicht abgerissen werden, sie wurde nordürftig gesichert und stand dann fast 40 Jahre als "Geisterhaus" mitten in dem Naherholungsgebiet. Nach langem Hin und Her (und da die verbliebenen Mauern zunehmend einsturzgefährdet waren...) konnte die Stadt eine Übereinkunft mit der Universität Graz finden: Diese erhielt das Gebäude für einen symbolischen Preis und übernahm dafür die Restaurierung inklusive Wiederaufbau der 1952 abgerissenen Westseite. Nach Fertigstellung soll das Gebäude Teil des Universitätssportzentrums werden.
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[EN]: The haunted mansion of Rosenhain...
...isn't haunted anymore after an extensive reconstruction began in 2023. The building was originally constructed 1654 by the Jesuit order, who had been called to Graz by archduke Karl II. as part of his efforts to battle the protestant reformation. The Jesuites founded an educational institution, predecessor of the University of Graz. To escape the heat and smell of the city during the summer months, the Jesuites built this refectory on the slopes of Rosenhain-hill. They found water while digging the cellar of the building and pragmatically decided to put a well there - apparently, a moist cellar wasn't considered an issue... In fact the groundwater-level is so high that the well would regularly overflow, so they constructed a gutter that would let the water flow right across the cellar, then trough an underground pipe to that little pond where you are standing now.
The refectory was not a quite place. It was surrounded by extensive gardens and vine yards. All the ponds you see in the area were part of that garden. Imagine grandiose baroque celebrations, attended even by emperor Leopold in 1660. In 1773 the Jesuit order was dissolved and it's property seized by the state. Over the following decades the huge Rosenhain-possessions were split up and sold. The biggest part including the refectory was bought by the styrian gouvernor Duke Ferdinand von Attems-Heiligenkreuz in 1781. His grandchildren sold the propery to an Industrialist, whos granddaughter Maria Weiss in turn sold it to the city of Graz in 1928. One clause of the contract states that the property should remain open to the public.
Hoewever, nobody found use for the old refectory-building itself. It had already been in bad shape in 1928, in 1952 a storm damaged it further. The western third of the building (a row of arcades) was torn down, but due to it being under monument-protection, a new roof was built on the remaining part. In 1982 a short circiut caused a fire that destroyed everything except the cellar and two vaulted rooms on the north side. Monument-protection prevented the total demolition, but the refectory remained a ruin for 40 years. Finally, after years of negotiations, the city counsil came to an agreement with the University. The University got the ruin for free and in return agreed to pay for the reconstruction. The plan is to integrate it into their sports-center.