Allgemeines
Die Wilstermarsch ist eine historische und geografische Landschaft in Schleswig-Holstein, Deutschland. Sie liegt im Kreis Steinburg und ist bekannt für ihre flache und fruchtbare Marschlandschaft, die hauptsächlich durch landwirtschaftliche Nutzung geprägt ist.
Der Marschboden ist geologisch gesehen ein sehr junger Boden, der aus Wattsedimenten wie Feinsand, Ton und Schluff entstanden ist. Aufgrund der darin enthaltenen Muschelreste hat er einen hohen Kalkgehalt und zählt wegen seiner Zusammensetzung aus Feinsand, Ton und Schluff zu den Feinböden. Zudem ist er ein nährstoff- und humusreicher Boden mit einem pH-Wert von etwa 7.
Die Marsch ist eine flache Landschaft ohne natürliche Erhebungen, die sich hinter Deichen befindet. Ohne diese Deiche würde sich die Marsch im Laufe der Zeit in eine unbewohnbare Moorlandschaft verwandeln.
Aufgrund der Nähe zum Grundwasserspiegel wird der Marschboden als Grundwasserboden eingestuft. Der Grundwasserspiegel ist so hoch, weil die Marsch fast auf Meeresspiegelhöhe liegt. Der Begriff "Marsch" wird daher auch gerne als "weite Wasserebene" beschrieben, denn bei Starkregen kann sich die Marschlandschaft schnell in eine weitflächige Wasserebene verwandeln.
Der Marschboden ist somit ein Boden, der sprichwörtlich aus dem Watt gewachsen ist und über dem Wattboden in den Jahren eine immer größer werdende Humusschicht gebildet hat.

Tiefste Landstelle Deutschlands und seine geologische Besonderheiten
Die Tiefste Landstelle Deutschlands liegt 3,54m unter NHN - das Wasser würde hier bei normalem Hochwasser in der Elbe rund 5m hochstehen, gäbe es die Elbdeiche nicht.
Aber wie kommt es, dass sich die Tiefste Landstelle Deutschlands ausgerechnet hier befindet und nicht unmittelbar an der Küste?
Um auf die Lösung zu kommen, schauen wir uns die Wilstermarsch mal genauer an anhand seines geologischen Aufbaus. Ausgangspunkt ist dabei die Elbe, an der früher ein Uferwall angrenzte und wo sich heutzutage der Elbdeich befindet. Das Gebiet landeinwärts (auch Hinterland genannt) nennt sich Flussmarsch und wird in "Hohe Marsch" und "Tiefe Marsch" unterschieden, bevor dahinter die Geest beginnt.
Hohe Marsch
In früherer Zeit trat die Elbe regelmäßig über die Ufer. Sinkstoffe im Wasser lagerten sich besonders stark im Uferbereich ab. So bildete sich dort ein Uferwall, der das Hinterland vor ständigen Überflutungen schützte.
Tiefe Marsch
Die Ablagerungen der Elbe nehmen landeinwärts ab, da es hier seltener zu Überschwemmungen gekommen ist. Das Land liegt deshalb niedriger als unmittelbar an den Flussufern.
Doch wo befindet sich nun die Tiefste Landstelle Deutschlands? Etwa in der "Tiefen Marsch"? Nein, denn jetzt kommt die Geest ins Spiel. Die Geest bezeichnet einen Landschaftstyp in Norddeutschland, welche durch Sandablagerungen aus der Zeit des Pleistozäns gekennzeichnet ist und steht im Gegensatz zum nacheiszeitlich entstandenen Schwemmland, der Marsch. Da die Geest eine höher gelegene Landschaft darstellt, nennt man sie bisweilen auch Geestrücken oder Sandrücken. Und hier an der Wilstermarsch grenzt der Geestrücken von Itzehoe an, der Höhen um die 50m über NHN aufweist. Das bedeutet, dass die Tiefste Landstelle Deutschlands somit auch nicht in der Geest liegen kann, denn die ist ja viel zu hoch.
Doch wo liegt die Tiefste Landstelle Deutschlands denn nun?
Antwort: Sie liegt genau zwischen "Tiefe Marsch" und Geest.
Doch wie kann das sein? Ganz einfach! Vor dem Geestrücken bildete sich im Laufe der Zeit durch Stau- und Regenwasser das sogenannte Randmoor und genau in diesem Moor liegt die Tiefste Landstelle Deutschlands. Das Randmoor besteht dabei hauptsächlich auf Torfen und unterliegt einem dauerhaften Einfluss von Wasser, sodass das Gebiet dauerhaft durchfeuchtet ist. Wird diesem Gebiet jedoch durch Entwässerung das Wasser entzogen, kann das Randmoor weiter absacken.
Mineralboden und Eisen
Als Mineralboden wird ein Boden bezeichnet, der überwiegend (über 70%) aus mineralischen Bestandteilen wie Ton, Schluff, Sand und Mineralien besteht. Das trifft hier auf die Marsch zu. Im Vergleich zum Moor weist ein Mineralboden keinen hohen Anteil (weniger als 30%) organischer Substanz auf.
Ein Bestandteil im Mineralboden ist Eisen. Eisen wurde vermutlich vor ca. 30 Mio. Jahren im Tertiär auf dem Grund des Meeres abgelagert. Durch eine physikalische Ausfällung des Eisens aus diesen Gesteinsschichten konnte Eisen so mithilfe von Grundwasser bis nahe an die Erdoberfläche in Bodenschichten transportiert werden. Doch was hat dies nun mit der Tiefsten Landstelle Deutschlands zu tun? Geologisch betrachtet bietet diese Stelle perfekte Voraussetzungen dafür, dass man das Eisen im Mineralboden in Form von Eisenocker an der Oberfläche entdecken kann. Bedingt durch einen gewissen Grundwasserstand ist das Eisen im Mineralboden teilweise durch das Wasser ausgewaschen und Bestandteil im Grundwasser. Die Tiefste Landstelle Deutschlands liegt eben unter dem Meeresspiegel und dem Grundwasser sehr nahe. Zusätzlich helfen die Eigenschaften des Randmoores mit seiner wasserdurchlässigen Torfschicht dabei, wodurch das eisenhaltige Grundwasser hier den Weg an die Oberfläche findet kann.
Bei Austritt des eisenhaltigen Grundwassers an die Erdoberfläche tritt eine sofortige Oxidation in Verbindung mit dem Sauerstoff an der Erdoberfläche ein. Aus dem zweiwertigen Eisen im Boden wird durch den Kontakt mit Sauerstoff ein dreiwertiges Eisen, welches sich sehr schnell als ein leuchtend rostrotbrauner, gelartiger Eisenschlamm (Eisenocker) ablagert und den Boden überzieht.