Polenstrasse
Juni 1940
12'000 polnische Soldaten standen am Grenzfluss Doubs im französischen Jura. Sie waren vom Nachschub abgeschnitten, erschöpft, hatten kaum Munition, die Deutschen im Nacken, die Schweiz vor sich. Den Polen blieb nur eine Möglichkeit: die Flucht über die Grenze. In der neutralen Schweiz liessen sie sich gemäss Haager Konvention internieren. Sprich: Sie begaben sich bis Ende des Konflikts in die Obhut eines fremden Staates.
Im Herbst 1941 wurden polnische Internierte aus dem Abschnitt Frauenfeld nach Obwalden versetzt. Es kamen Italiener dazu und 1945 kurz vor Kriegsende auch Russen. Im Spätherbst 1943 beherbergte der Kanton 1150 Polen und 1900 Italiener. Die Polen errichteten in Giswil die Polenkapelle. Internierte Polen arbeiteten in Ob- und Nidwalden 370'000 Tage im Strassenbau, was schweizweit nach Graubünden die zweitgrösste Einsatzleistung bedeutete. Es wurden folgende Projekte realisiert:
- Polenstrasse in Sachseln, von Sarnen (Riedli, Flüelistrasse) nach Flüeli-Ranft (Allmend)
- Polenstrasse von Alpnach, Eichibrücke über das kleine Allmendli und durch den Kernwald (Gemeinde Kerns) nach Ennetmoos bzw. zur Festung Mueterschwanderberg
- Polenweg ab der Alp Wängen (Gemeinde Alpnach) in Richtung Westen über Rickmettlen bis zur Steinstössi, mit kleiner Erinnerungstafel, auch als Tremola von Alpnach bekannt
- Im Rahmen der Nachschubbasis Giswil ab Herbst 1941: Glaubenbielenstrasse, Weg zum Sattelpass, Höhenkarrweg Glaubenbielen–Sattelpass–Glaubenberg, das Anfangsstück der neuen Kleinteiler Bergstrasse vom Riedacher bis Mettlen und die Kilchwegstrasse im Grossteil (Giswil).
- sowie: linksufrige Sarnerseestrasse Wilerbad – Forst – Oberwilen, Glaubenbergstrasse, Verbreiterung der Strasse zwischen Kerns und Flüeli-Ranft über die Hohe Brücke und die Etschistrasse nach Siebeneich
Alle Soldaten bis auf die Polnischen wurden innert Jahresfrist in ihre Heimatländer zurück entlassen. Da Polen am 22. September 1939 durch das geheime Zusatzabkommen zwischen Hitler und Stalin von der Karte gestrichen wurde, konnten die Polen nicht in ihre Heimat zurückkehren. Auch Frankreich, in dessen Diensten die 2. Polnische Schützendivision gekämpft hatte, konnte oder wollte die ungefähr 12‘000 Männer nicht aufnehmen. So blieben sie als Internierte in der Schweiz.

«Wohl gelittene» Polen
Es ist den vorwiegend jungen Soldaten aus Polen nicht zu verdenken, dass sie die Nähe zu Frauen suchten. Immerhin hatten sie schon Jahre in einer reinen Männergesellschaft und einer Art Freiheitsentzug in ihren Baracken gelebt. Viele litten unter Heimweh, hatten ihre Familien und Freundinnen in der Ungewissheit eines Landes im Krieg zurückgelassen und blieben oft monatelang ohne Nachricht von zu Hause. Zudem arbeiteten sie nach übereinstimmender Erinnerung aller älteren Leute, die von ihren Begegnungen mit Polen erzählten, streng und diszipliniert.
Freizeit
Die internierten Soldaten, die tagsüber hauptsächlich in der Landwirtschaft und im Strassenbau arbeiteten, spielten auch gerne Fussball. Und das taten sie offenbar ganz gut. Das Team der polnischen Internierten, das unter dem Namen «FC Flüeli» – dem Standort des Internierungslagers – bekannt war, bestritt zahlreiche Freundschaftsspiele gegen Teams aus der Nationalliga A und B, so auch gegen den FC Luzern. Organisiert wurden diese Spiele von Ukrainczyk, der sowohl Mannschaftsbetreuer wie auch Spieler war. Zwischen 1943 bis zu seiner Ausreise aus der Schweiz im Juni 1945 organisierte Ukrainczyk zahlreiche Fussballspiele. Die polnische Mannschaft war beliebt. So beliebt, dass sich der Verantwortliche Offizier des Internierungslagers Flüeli im Juli 1944 beim Obwaldner Regierungsrat für einen Sport-Toto-Beitrag in der Höhe von 500 Franken einsetzte. Das Team habe allein auf dem Sportplatz Sarnen 37 Fussballspiele gegen prominente Mannschaften ausgetragen und «damit die denkbar beste Propaganda des Sportes bei der Bevölkerung getan». Tatsächlich entsprach die Obwaldner Regierung dem Gesuch teilweise – und sprach 150 Franken für neue Fussballschuhe. Vielleicht auch, weil die polnischen Fussballer auch dem FC Sarnen immer mal wieder aus der Patsche halfen. Wie in der Vereinschronik festgehalten, wurden die durch den Militärdienst bedingten Lücken im Kader der Sarner mit polnischen Spielern gefüllt. Sie spielten unter falschem Namen und mussten schweigen, um nicht aufzufliegen. «Dieser ‹Dreh› ging gut und wurde vom Verband nie aufgedeckt», heisst es dazu in der Chronik des FC Sarnen.
Abends durften sie zwar in die Wirtshäuser, aber nur mit Bewilligung. Im «Befehl über die Beziehungen der Zivilbevölkerung zu den Internierten» vom 1. November 1941, der in alle Haushaltungen verteilt und als «oranger Befehl» bekannt und verhasst wurde, schrieb Oberstleutnant Henri, Eidgenössischer Kommissär für Internierung und Hospitalisierung (EIKH), unter anderem: «Den Internierten ist die Eingehung einer Ehe nicht gestattet. Es sind daher alle auf eine solche hinzielenden Beziehungen mit Internierten untersagt», und «für Besuche bei Internierten ist die Erlaubnis des Kommissärs für Internierung und Hospitalisierung einzuholen». Ehen konnten dennoch nicht verhindert werden, wenn auch nur in Einzelfällen. Am 2. März 1943 nahm der Regierungsrat von Obwalden jedenfalls Kenntnis davon, dass einem Internierten die Heirat mit einer Polin gestattet worden sei, ein Jahr später gab er die Erlaubnis für die Ehe eines Polen und einer Schweizerin.
Je länger die polnischen Internierten in der Schweiz waren, desto weniger liess sich das Kontaktverbot durchsetzen. Am Ende des Kriegs hatten polnische Internierte fast 370 uneheliche Kinder in der Schweiz gezeugt und über 300 Schweizerinnen geheiratet.
Nach dem Krieg kehrten nicht alle in ihr nun von der Sowjetunion besetztes Land zurück. Australien, Frankreich oder auch die USA waren beliebte Ziele und rund 1000 Polen blieben in der Schweiz.
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wekü