Ein Micro an einem vielbefahrenen Radweg, der von der darüberliegenden B 27 beschallt wird. Bei einem Bauwerk mit dem Charme einer Abwasseranlage. Was, um alles in der Welt, haben sich die Owner bloß dabei gedacht??
Der Ort ist wirklich nicht schön. Wir finden ihn aber so interessant, dass wir ein Dösle gelegt haben.
Die recht bescheidene Aitrach ist ein Kuriosum – ein Bach ohne eigene Quelle im beeindruckenden Aitrachtal. Das Tal wurde zunächst von der Aare- und später der Feldbergdonau geschaffen, die dann ihr Bett verlegte. Und wir finden hier innerhalb eines Kilometers zwei Bifurkationen (ein Gewässer teilt sich und fließt in zwei verschiedene Richtungen ab), eine natürliche Pseudo-Bifurkation und eine künstliche Fluss-Bifurkation.
Im Bereich des Oberen Rieds, nördlich von Blumberg-Zollhaus, liegt die Rhein-Donau-Wasserscheide.
Dort sammelt sich Grund- (und Niederschlags)wasser in einem Entwässerungsgraben, dem Ziegelgraben und fließt Richtung Rhein. Und ein Teil des Wassers sammelt sich östlich der B 27 in der Verlängerung des Entwässerungsgrabens, und fließt als Aitrach Richtung Donau, so dass wir hier den natürlichen Ursprung der Aitrach haben.
Da sich das überwiegend aus dem Mühlebach stammende Grundwasser in den Talschottern in zwei Fließrichtungen teilt, spricht man hier von einer Bifurkation. Weil es fast steht und sich diffus teilt, handelt es sich, etwas genauer, um eine Pseudo-Bifurkation. Beim Schwenniger Moos ist das übrigens ähnlich.
Unser charmantes Bauwerk ist dagegen eine künstlich geschaffene Fluss-Bifurkation. Normalerweise fließt das Wasser des Mühlebachs im Bauwerk über eine Betonrinne Richtung Schleifebächle. Bei Hochwasser fließt Wasser über einen Überlauf in einen Graben, der der B 27 in südlicher Richtung bis zur L 185 folgt. Dort unterquert der Graben die B 27 und folgt der L 185 Richtung Osten bis er im Bereich Flugplatz zur "echten" Aitrach stößt.
Eine Übersicht sehen wir bei Openstreetmap.
Die Aitrach wird dann von anderen Zuflüssen gespeist und mündet, immer noch recht bescheiden, bei Kirchen-Hausen in die Donau.
Das Wasser der Aitrach fließt nun als Donau Richtung Immendingen. Wo es, damit es nicht langweilig wird, im Bereich der Donauversinkung(en) auch noch auf unterirdische Bifurkationen trifft. Mit der erneuten Chance, über den Aachtopf doch noch Richtung Rhein abzufließen.